Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

52
Gesundheits-Polizei.
1888.
Oberwasserstraße 13 erkrankten vom 6. bis 18. Juli drei Personen
nn zweiten Stockwerk des Hinterhauses. Die amtsärztliche Besichtigung
deckte Zustände auf, welche man für Berlin kaum möglich halten sollte.
Die Aborte im Hofe waren unbeschreiblich schmutzig, mit Haufen von
Menschenkoth auf dem Sitzbrett bedeckt, die Einfalltrichter zum Theil da
mit gefüllt, ohne Wasserspülung mit Eimeranlage versehen; eine Senkgrube
fand sich überfüllt, ebenso eine Düngergrube für Pferde im Hofe; dazu
kam ein Wasserfang, in welchen die Hinterhaustraufe mündet; in der Nähe
stand eine Urintonne. Außerdem war ein alter Brunnenkessel vorhanden,
in welchem sich Unrath aller Art angehäuft hatte; diesem Kessel entström
ten stinkende Gase.
Das Wasser eines Pumpbrunnens unmittelbar neben der Senkgrube
für die Hofabtritte (Nr. 5 der Anlage II) konnte nach dem Ergebniß der
chemisch-bakteriologischen Untersuchung nicht beanstandet werden.
Ungeachtet der vorstehend geschilderten gewiß nicht günstigen Verhält
nisse kamen weitere Erkrankungen in dem fraglichen Hause nicht vor.
Dennoch forderte das Polizei-Präsidium Beseitigung der Urintonne,
Räumung der Gruben und Dichtung der undichten Wände wie des Bodens,
Anschluß an die Kanalisation; den ersteren Forderungen kam der Besitzer
nach langem Zögern im Oktober 1888 nach; die Urintonne und die in
einem engen Traufgang zwischen Vorder- und Hinterhaus im Hofe befind
lichen beiden Abtritte wurden erst im Juli 1889 entfernt. Der Anschluß
an die Kanalisation schwebt noch.
Die Typhus-Erkrankungen und Sterbefälle in kanalisirten
und nicht kanalisirten Stadttheilen.
Nachdem es gelungen ist, eine größere Uebereinstimmung der Zahl der
Typhus-Erkrankungen in den Auszählungen der Sanitäts-Kommission und
des städtischen Amtes zu erzielen, erscheint es zweckmäßig, auch die ange
meldeten Erkrankungen nach ihrem Auftreten in kanalisirten und nicht
kanalisirten Stadttheilen, wie in den drei ersten Berichten wieder in Be
tracht zu ziehen. Zu Grunde gelegt werden die bei der Sanitäts-Kom
mission gewonnenen Zahlen.
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