Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

180
Tesundheits - Polizei.
Die sogenannte Halbmilch ist in Berlin seit so langer Zeit im Verkehr,
daß es angemessen erschien, den bestehenden Verhältnissen aus folgenden
Gründen Rechnung zu tragen:
Die Berliner Milchhändler bringen in weit überwiegender Menge
eine Mischmilch von ganzer Morgen- und theilweise entsühnter Abendmilch
in den Verkehr; dieses Gemisch, in der Verordnung als „Halbmilch" bezeichnet,
bildet den hervorragendsten Theil der in Berlin verzehrten Milch und stellt
ungeachtet ihres im Vergleich zur Vollmilch geringen Fettgehaltes noch
immer ein recht gutes Nahrungsmittel dar, welches, falls nur 2 Sorten
Milch (Vollmilch und ganz entsahnte oder Magermilch) zugelassen worden
wären, einfach vom Markt verdrängt sein würde. Diese Milchsorte, welche
naturgemäß ein höheres spezifisches Gewicht bei geringerem Fettgehalt als
Vollmilch haben muß, zeigt bei der Prüfung äußerst häufig als Zahlen
des spezifischen Gewichtes 1,030; 1,031 bis 1,032, welche den Graden 15,
15>/ 2 und 16 des polizeilichen Milchprobers entsprechen und bei der poli
zeilichen Milchkontrole in der Regel bei der Berliner Durchschnitts-Markt-
milch gefunden werden. Dazu ist ihr Fettgehalt oft noch nahezu, ja zuweilen
über 2 %• Diese also noch recht gute Milch, welche wie bemerkt, zur
Zeit einen Hauptverzehrartikel der mittleren Bcvölkerungsklassen bildet,
würde bei der gedachten Zmeitheilung mit einer entfetteten Milch, welche
stets weniger als 1 % Fctt nach dem Entrahmen enthält, gleichviel auf
welche Weise dies geschehen ist, auf dieselbe Stufe gestellt werden; das
heißt: dem Milchhändler den Weg zuin Verkauf von Milch geringen Fett
gehaltes ebenen, ja denselben fast dazu zwingen.
Für das konsumirende Publikum würde vorläufig und voraussichtlich
für lange Zeit durch das amtliche Streichen der durch Jahrzehnte langen
Gewohnheit in den Verkehr und Verzehr eingeführten Halbmilch der große
Nachtheil sich ergeben haben, daß demselben nur noch die viel schlechtere
Magermilch zu einem verhältnißmäßig hohen Preise verkauft sein würde.
Die Dreitheilung der Milchsorten ist übrigens auch in anderen Städten
z. B. in Köln angenommen worden.
Daß eine Bezeichnung der Milchsorten an den Gefäßen, in welchen
dieselben in Verkehr gebracht werden, eine unerläßliche Bedingung für die
polizeiliche Kontrole ist, bedarf wohl keiner weiteren Begründung. Der
beanstandete Verschluß derselben mittelst Deckel hat keine Nachtheile be
züglich des Geschmackes für gute Milch zur Folge; es steht vielmehr fest,
daß gute und reine Milch selbst in fest- ja sogar in luftdicht-verschlossenen
Gefäßen nicht verdirbt. Zuverlässige Bedeckung der Milchstandgefäße aber
ist im Interesse der Reinerhaltung der Milch von Staub, Insekten k.
erforderlich und auch nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, wie
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