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Periodical volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Sechster Abschnitt. Nahrungs- und Genußmittel. Gebrauchs-Gegenstände

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

Gesundheits - Polizei. 
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Es ist nun bekannt, daß die Milch bei längerem Transport sowohl 
auf Wagen- wie Eisenbahnstraßen aussahnt, d. h. das Butterfett nach oben 
abscheidet, daß die Milch sogar im Euter der Milchthiere das Fett aus 
scheidet, daß ferner Morgenmilch im Ganzen weniger Fett enthält als 
Mittags- und Abendmilch; daß ferner die Rindviehrasse und die Fütterung 
einen nicht unwesentlichen Einfluß auf den Fettgehalt der Milch üben. 
Um in ersterer Beziehung jeden: Irrthum und Fehlgriff thunlichst vorzu 
beugen, sind die Beamten der Marktpolizei durch Ausführungsanweisung da 
rauf hingewiesen, die zu prüfende Milch noch sorgsamer, als dies bisher schon 
geschah, vor der Prüfung zu mischen, obwohl es sich bei dieser Untersuchung 
durch die Beainten der Marktpolizei immer nur um eine Bestimmung des 
spezifischen Gewichtes der Milch handelt. Der polizeiliche Milchprober 
ist neuerdings wiederum kontrolirt und durch Verwendung von Jenenser 
Glas und anderweiten Aenderungen verbessert und zuverlässiger gemacht 
worden. 
So gern nun auch die geringen ausnahmsweisen Schwankungen des 
Fettgehaltes der Milch nach Fütterung des Milchviehes anerkannt und 
dergleichen Vorkommnissen bei den bisherigen, seit Jahren gestellten zahl 
reichen Strafanträgen immer in billiger Weise Rechnung getragen worden 
ist, ebensosehr ist durch die langjährigen Erfahrungen seit 1877 festgestellt, 
daß seitens einzelner Milchproduzenten, besonders aber durch die hiesigen 
Milchhändler, die Milch in ihrem Fettgehalt, sei es durch Entsahnen, sei 
es durch Wasserzusatz, des Gewinnes halber künstlich herabgesetzt und das 
verzehrende Publikum betrogen wird. Die Akten der Marktpolizei ent 
halten dafür zahlreiche Beläge. 
Das Polizei-Präsidium hielt es daher für angemessen und im gesund 
heitlichen Interesse nothwendig, einen Fettgehalt der Milch zu verlangen, 
welcher erfahrungsgemäß bei reeller Geschäftsführung einer- und sorgsamer 
Prüfung andererseits mit geringen Ausnahmen von: Lande hierher geliefert 
werden kann, zumal die nach Berlin eingeführte Milch ausnahinslos aus 
Morgen- und Abendmilch gemischt ist. Dieser Weg wurde um so mehr 
für zweckinäßig gehalten, als Städte wie Breslau und Köln, welche kaum 
bessere Zufuhr erhalten dürften, als Berlin, sogar 3 % Fett für Vollmilch 
festgesetzt haben, und der Rath der Stadt Leipzig, wo bereits seit den: 
16. April 1879 Milchkontrole geübt und für Vollmilch 3 % Fettgehalt 
verlangt wird, hierher mittheilte, daß sich diese Bestimmung bisher durchaus 
bewährt und insbesondere eine Verbesserung auch der von außerhalb einge 
führten Milch durch bessere Fütterung des Milchviehes auf den großen 
Gütern zur Folge gehabt habe. 
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