Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

178
Gesundheits-Polizei.
Leipzig, Köln, Mainz, Hamburg, Bremen und anderen größeren Städten
mit derartigen Verordnungen gemachten Erfahrungen in Betracht gezogen
wurden, einigten sich die betheiligten Behörden über die Anlage Vl
abgedruckte Polizei - Verordnung vom 6. Zuli 1887 nach Inhalt und
Form, blieben sich dabei aber wohl bewußt, daß die getroffenen Be
stimmungen nur dem zeitigen Stande der gemachten Erfahrungen und
der Wissenschaft entsprachen, daher auch seiner Zeit Aenderungen erfahren
würden. Wenn von den verschiedensten Seilen, sogar von namhaften
Sachverständigen, scharf und absprechend über die erlassenen Bestim-
niungen in der Milchverkehrs-Presse abgeurtheilt wurde, so erregte ein
solches Verfahren bei den betheiligten Behörden ebenso wenig Verwunde
rung, wie der Sturm, welchen besonders die Milchproduzenten, aber auch
die Milchverkäufer gegen die erlassene Verordnung anzufachen versuchten.
Auf die bezüglichen Artikel in der Presse kann hier nicht weiter einge
gangen werden; dagegen dürfen die von den Interessenten erhobenen Ein
wände nicht unerwähnt bleiben und wird die diesseitige Abweisung jener
Einwände zugleich die Begründung der in der Polizei-Verordnung ent
haltenen Bestimmungen geben.
Die Angriffe richteten sich besonders gegen den angeblich zu hohen
Fettgehalt, die Aufnahine der Halbmilch, die Bezeichnung der Gefäße und
deren Abschluß durch Deckel.
Was zunächst die niedrigste Grenze des Fettgehaltes für die in Berlin
seilzuhaltende Vollmilch anbelangt (§ 1 der Polizei-Verordnung), so haben
für die Festsetzung von 2,7 % folgende Gründe den Aüsschlag gegeben.
Der diesseitige Chemiker erklärte, daß er bei sehr zahlreichen Milch-
analpsen seit 1877 (Einführung einer sorgsameren polizeilichen Ueberwachung
des Milchverkehrs in Berlin) niemals unter 2,9 % Fctt auf chemischen
Wege (Extraktion mittelst Aether rc.) gefunden habe.
Der Besitzer der größten Berliner Molkerei-Anstalt, C. Bolle, hat
mit seinen sämmtlichen, zum Theil recht entfernt von hier wohnenden Milch
lieferanten Verträge über einen Fettgehalt der gelieferten Milch von mindestens
3 % abgeschlossen; im Jahre 1884 ist in der genannten Meierei die von
47 Gütern hierher gelieferte, also transportirte Morgen- und Abendmilch
in je etwa 600 Proben von den dort angestellten Chemikern untersucht und
dabei festgestellt worden, daß die Morgenmilch in mehr als 500 Fällen
über 2,7o/ft und mindestens 2,51, höchstens 3,62% Fett nachweisen ließ;
bei den 600 Proben der Abcndmilch wurde nur einmal ein Fettgehalt
zwischen 2,6 bis 2,8 % und 570 mal etwa über 3% gefunden.
Diese Ergebnisse haben die Untersuchungen des Dr. Bischofs in seinem
Laboratorium bestätigt.
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