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Periodical volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Sechster Abschnitt. Nahrungs- und Genußmittel. Gebrauchs-Gegenstände

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

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Gesundheits-Polizei. 
Leipzig, Köln, Mainz, Hamburg, Bremen und anderen größeren Städten 
mit derartigen Verordnungen gemachten Erfahrungen in Betracht gezogen 
wurden, einigten sich die betheiligten Behörden über die Anlage Vl 
abgedruckte Polizei - Verordnung vom 6. Zuli 1887 nach Inhalt und 
Form, blieben sich dabei aber wohl bewußt, daß die getroffenen Be 
stimmungen nur dem zeitigen Stande der gemachten Erfahrungen und 
der Wissenschaft entsprachen, daher auch seiner Zeit Aenderungen erfahren 
würden. Wenn von den verschiedensten Seilen, sogar von namhaften 
Sachverständigen, scharf und absprechend über die erlassenen Bestim- 
niungen in der Milchverkehrs-Presse abgeurtheilt wurde, so erregte ein 
solches Verfahren bei den betheiligten Behörden ebenso wenig Verwunde 
rung, wie der Sturm, welchen besonders die Milchproduzenten, aber auch 
die Milchverkäufer gegen die erlassene Verordnung anzufachen versuchten. 
Auf die bezüglichen Artikel in der Presse kann hier nicht weiter einge 
gangen werden; dagegen dürfen die von den Interessenten erhobenen Ein 
wände nicht unerwähnt bleiben und wird die diesseitige Abweisung jener 
Einwände zugleich die Begründung der in der Polizei-Verordnung ent 
haltenen Bestimmungen geben. 
Die Angriffe richteten sich besonders gegen den angeblich zu hohen 
Fettgehalt, die Aufnahine der Halbmilch, die Bezeichnung der Gefäße und 
deren Abschluß durch Deckel. 
Was zunächst die niedrigste Grenze des Fettgehaltes für die in Berlin 
seilzuhaltende Vollmilch anbelangt (§ 1 der Polizei-Verordnung), so haben 
für die Festsetzung von 2,7 % folgende Gründe den Aüsschlag gegeben. 
Der diesseitige Chemiker erklärte, daß er bei sehr zahlreichen Milch- 
analpsen seit 1877 (Einführung einer sorgsameren polizeilichen Ueberwachung 
des Milchverkehrs in Berlin) niemals unter 2,9 % Fctt auf chemischen 
Wege (Extraktion mittelst Aether rc.) gefunden habe. 
Der Besitzer der größten Berliner Molkerei-Anstalt, C. Bolle, hat 
mit seinen sämmtlichen, zum Theil recht entfernt von hier wohnenden Milch 
lieferanten Verträge über einen Fettgehalt der gelieferten Milch von mindestens 
3 % abgeschlossen; im Jahre 1884 ist in der genannten Meierei die von 
47 Gütern hierher gelieferte, also transportirte Morgen- und Abendmilch 
in je etwa 600 Proben von den dort angestellten Chemikern untersucht und 
dabei festgestellt worden, daß die Morgenmilch in mehr als 500 Fällen 
über 2,7o/ft und mindestens 2,51, höchstens 3,62% Fett nachweisen ließ; 
bei den 600 Proben der Abcndmilch wurde nur einmal ein Fettgehalt 
zwischen 2,6 bis 2,8 % und 570 mal etwa über 3% gefunden. 
Diese Ergebnisse haben die Untersuchungen des Dr. Bischofs in seinem 
Laboratorium bestätigt.
	        
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