Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits-Polizei.
173
4. Lösungen von schwefliger Säure mit Boraxlösung versetzt.
Was die Anwendung dieser Präparate anlangt, so wird für Hackfleisch
fast allgemein 15 Gramnr auf 5 Kilo Fleisch als Zusatz vorgeschrieben.
Es kommt somit auf 1 Kilo Fleisch circa 3 Gramm. In einen: Viertel
Pfund Fleisch würden ungefähr 0,375 Grämn: der Massen enthalten sein.
Es beträgt nun der Gehalt an schwefliger Säure in den Präparaten,
soweit quantitative Bestimmungen stattfanden, höchstens 7%, meist nur
3 bis 5°/o. Es würden somit in l / i Pfund Fleisch höchstens 0,026 Gramm
schweflige Säure enthalten sein. Daß schweflige Säure für solche Zwecke
ein vorzügliches Antiseptikum beziehungsweise Bakteriengift ist, ist bekannt.
Innerhalb der Waare geht dieselbe in Schwefelsäure über. Diese letztere
würde nie als freie Säure vorhanden sein, soi:dern von den Nährsalzen
des Fleisches eine äquivalente Menge der schwächeren Säuren, insbesondere
Phosphorsäure abscheiden. Die so frei werdende Phosphorsäure würde in der
angegebenen Menge sicherlich unschädlich, eher sogar verdauungsfördernd sein.
Eine stärkere Anwendung der schwefligen Säure beziehungsweise ihrer
Salze verbietet sich nahezu von selbst, da schweflige Säure auch in starker
Verdiinnung schlecht schmeckt und so der Geschmack die zulässige und auch
als praktisch bewährte Zusatzinenge der Säure selbst regelt. Ich halte
daher die Verwendung dieser Präparate nicht für bedenklich.
Der Gehalt an Borsäure beziehungsweise Borax ist sicherlich nach den
gegenwärtigen Anschauungen über die Wirksamkeit der Borsäure unschädlich.
Die festen Präparate sind nichts als Mischungen von Borsäure oder
Borax mit Kalimn- oder Natrium-Nitrat, sowie Kochsalz oder Chlorkaliun:.
Es si>:d dies einfache Pökelsalzmischungen, in denen insbesondere der Bor
säure die farbcrhaltende Kraft zugeschrieben wird. Die Verwendung dieser
Salze ist sanitär indifferent."
Mit Rücksicht auf dieses Gutachten sah das Polizei-Präsidium von
einem Verbot jener Mittel ab, so lange nicht stärkere Zusätze, als die ange
gebenen in den Fleischpräparaten festgestellt werden sollten. Durch weitere
Prüfungen konnte in dieser Richtung nichts ermittelt werden.
Wegen Verkaufes von verdorbenem Fleisch und verdorbener Wurst
mußte wiederholt strafrechtlich eingeschritten werden. Im Ganzen wurden
im Berichtszeiträume aus diesen: Grunde 4 Strafanzeigen erstattet, welche
zu zwei Verurtheilungen von 20 bis 30 Mark eventuell 4 resp. 6 Tagen
Haft führten.
Auf dem Central-Viehhofe hat die Schmelzküche insofern einen größeren
Betrieb erhalten, als der Magistrat nach längeren Erörterungen dem An
trage der hiesigen Viehkommissionäre, daß die von: hiesigen Viehhofe in die
Umgegend von Berlin lebend verkauften Schweine, wenn dieselben bei der
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