Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits-Polizei.
171
und nur ausnahmsweise läßt sich bei den zahlreichen Beschlagnahmen der
artiger, oft bedeutend krankhaft verändeter Organe, besonders der Lungen
und Lebern, der Beweis der stattgehabten Untersuchung führen. Es dürften
daher nicht selten solche Theile ohne vorangegangene Untersuchung feil
geboten werden. Namentlich häufig aber dürfte unbesichtigtes Fleisch dadllrch
in den Handel gebracht werden, daß Besitzer von Gastmirthschaften, Restau
rationen und dergl. das angeblich zu eigenem Gebrauche von auswärts
bezogene Fleisch weiter verkaufen. Erst wenn die Untersuchung auf alles
von auswärts eingeführte Fleisch ausgedehnt wird, kann diesem üblen
Treiben wirksam gesteuert werden.
Zm Jahre 1887 fand abgesehen von dein Inkrafttreten des mehrfach
gedachten Regulatives keine wichtige Aenderung in der Ausführung
der Fleischuntersuchung statt; nur erhielt der Ministerial - Erlaß vom
27. Juni 1885 betreffend Tuberkulose bei Schlachtthieren (4. Bericht
S. 235) durch einen weiteren Erlaß vom 15. September 1887 (Ministerial-
Blatt für die innere Verwaltung S. 204) eine Ergänzung; außerdem
wurde die Abstempelung des untersuchten Fleisches etwas modifizirt, die
Fleischschau selbst aber auch auf diejenigen Unternehmungen ausgedehnt,
ivclche außerhalb der Markthallen Fleischversteigcrungcn in kleinen Mengen
(bis 1 kg) veranstalten. Ebenso sind die Sonntags- und Frühmärkte,
welche in der Regel für das weniger bemittelte Publikum bestimmte Waaren
geringerer Art bereit stellen und früher nur hin und wieder kontrolirt
werden konnten, nunmehr einer regelmäßigen Ueberwachung unterworfen.
Bei diesen Untersuchungen wurden häufiger als sonst Beschlagnahmen von
größeren Mengen Wildpret und Geflügel (Rennthierfleisch und russische
Gänse, in Sumpfeis verpackt), sowie von verdorbenen Fischen, besonders
grünen Heringen, nothwendig.
Im Jahre 1888 ordnete das Kuratorium des Centralviehhofes an,
daß Rippespere 2 Stempel auf der Innenseite erhalten sollte, weil ein
Stempel bei der Zerlegung und weiteren Verarbeitung der Brustwand
häufig ohne Schuld des Schlächters vernichtet wird.
Mit Rücksicht darauf, daß, wie bereits ermähnt, als Lieblingssitz der
Rinderfinne der innere Kaumuskel ermittelt worden war, wird seit dem
Jahre l 888 bei jedem geschlachteten Rinde dieser Muskel durch Einschneiden
besonders geprüft. Bis zum Erlasse besonderer anderweiter Vorschriften
werden Fleisch und Eingeweide (außer Leber und Talg) aller sinnigen
Rinder, selbst wenn nur eine einzige Finne gefunden worden ist, der Ab
deckerei zur gewerblichen Ausnutzung übergeben.
Das Feilhalten sogenannter Hamburger Lebern behufs Verarbeitung
zur Wurst rc. wurde, da es sich zwar um bereits für die Fabrikation von
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