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Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

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Gesundheits-Polizei. 
1). Beseitigung der Abfallstoffe in den nicht kanalisirten Stadt- 
theilen. Bedürfniß-Anstalten. 
Je inehr die Kanalisation fortschreitet, desto mehr verschwinden die 
Abort-, Senk- und Tonnengruben. 
Die Polizei-Verordnung vom 18. Juni 1867 ist, wie iin 4. Bericht 
(S. 203) auch im Berichtszeiträume in Kraft geblieben und von den Re 
vieren deren Ausführung mit Nachdruck überwacht worden. Ueber die Zahl 
der verschiedenen Abortanlagen, welche auf nicht kanalisirten Grundstücken 
noch bestehen, konnten neuere Angaben nicht erlangt werden, da seit dem 
1. Dezember 1880 eine Auszählung nicht stattgefunden hat. 
Neue Desinfectionsverfahren sind hier seit 1885 nicht zur Vorlage 
gelangt. 
Das von dem Geheimen Kommerzienrath Schwarzkopfs (4. Bericht 
S. 198) in Aussicht genommene Verfahren behufs einer zweckmäßigen Be 
seitigung der Fäkalien und Verwerthung derselben in geeigneter Form für 
die Landwirthschaft ist wiederholt von maßgebender Seite geprüft und auch 
mehrfach genauer beschrieben worden. 
Im Wesentlichen besteht dasselbe darin, daß die in einem unter der 
Erdoberfläche angelegten Behälter, (Bassin) gesammelten Abwässer, Fäkalien rc. 
in ein Hochreservoir gehoben und von dort in ein Gefäß abgelassen werden, 
in welchem die festen Bestandtheile der Jauche durch eine bewegliche Vor 
richtung zerkleinert werden. Zu jenem so erzielten gleichförmigen Jauche 
brei werden aus mehreren Gefäßen gelöste Chemikalien, deren Zusammen 
setzung Geheimniß ist, in Rtthrgcfäßen hinzugefügt, um eine innige Mischung 
zwischen Chemikalien und Jauche herbeizuführen und die noch etwa ver 
bundenen festen Bestandtheile vollständig zu zerkleinern. Die Zusätze der 
Chemikalien sind verschiedenartig und finden in mehreren Rührgefäßen nach 
einer bestimmten Reihenfolge statt. Die so mit Chemikalien behandelte Jauche 
fließt nun durch eine vollkommen geschlossene Rohrleitung in mehrere 
Sedimentirungskästen ab, an welchen Ablaßhühne sind, durch welche das 
über dein Bodensatz befindliche Klärwasser abgelassen werden kann, während 
der zurückbleibende Schlamm zu weiterem Absetzen in unter den Sedimen 
tirungskästen angebrachte Behälter abfließt. Der mehr und mehr verdickte 
Schlamm wird auf Filter gebracht, bis er die erforderliche Consistenz zur 
Herstellung von Düngerziegeln erlangt hat. Das Klärwasser wird über 
Torf abgeleitet. 
Die Zahl der öffentlichen Bedürfniß-Anstalten ist bis zum 31. Mürz 1889 
von 108 auf 131 Anlagen für Männer gestiegen; auch bestehen 4 Ein 
richtungen für Frauen.
        
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