Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

132
Gesundheits-Polizei.
Die Ventilation der Schlafsäle ist eine vorzügliche, die Heizung wird
durch warme Luft bewirkt, und zeigen auf dem Corridor angebrachte
Thermometer genau den Stand der Temperatur an, welche sich, ebenfalls
vom Corridor aus, je nach Bedarf erhöhen oder erniedrigen läßt. Die
einzelnen Säle stehen durch den Eingangsthüren gegenüber liegende Aus
gänge mit den Closet-Anlagen in Verbindung.
Den Besuchern des nächtlichen Obdaches ist Gelegenheit zum Baden ge
boten. Die Badeeinrichtung ist derartig, daß 20 Personen zu gleicher Zeit baden
können; es sind sowohl Brause- als Wannenbäder vorhanden, welche in her
vorragendein Maße benutzt werden. Während die Personen sich im Bade
befinden, erfolgt die Desinfektion ihrer Kleider u. s. w. in einem im
Souterrain belegenen Desinfections-Ofen, welcher durch Fahrstühle mit dem
Baderaum in Verbindung steht. Es können in einem Zeitraum von ca. 20 bis
25 Minuten die Sachen von 20 Personen von Ungeziefer und krankheit-
erregenden Stoffen befreit und den Inhabern wieder übergeben werden.
Die Aufnahme der nächtlich Obdachlosen beginnt um 4 Uhr Nach
mittags und dauert bis 2 Uhr Nachts, in Ausnahmefällen werden jedoch
auch z. B. durchreisende Fremde rc. noch später eingelassen. Jeder bis
Abends 8>/2 Uhr Aufgenomme erhält 9 /io Liter Suppe, zu der 60 Gramm
Mehl, 5 Gramm Butter und 5 Gramm Salz verwendet werden; außer
dem 200 Gramm Brod. Eine gleiche Quantität Suppe und Brod erhält
Jeder des Morgens beim Verlassen des Obdaches.
Ueber die das nächtliche Obdach in Anspruch nehmenden Personen
wird genau Controle geführt. Jugendliche nächtlich Obdachlose werden,
soweit es der Raum gestattet, von den Erwachsenen getrennt untergebracht.
Kranke werden an jeden: Morgen dem Arzt zur Untersuchung vorgeführt
und, wo die Nothwendigkeit vorhanden, dem Krankenhause sofort überwiesen.
Für die Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe haben angestellte
Aufseher Sorge zu tragen. Die Reinlichkeit und die Ordnung in den
Anstaltsräumen, die Gelegenheit unentgeltlicher Reinigung des Körpers
und der Kleider, die Abend- und Morgenvcrpflegung rc. konnten natur
gemäß nicht ohne Einfluß auf die Frequenz in der neu errichteten Anstalt
bleiben. In demselben Maße, wie sich die menschenunwürdigen, meist in
dunkeln Kellern belegenen, von Schinutz starrenden, alle Krankheitskeime in
sich bergenden Pennen entleerten, nahn: der Verkehr im städtischen Obdach
zu. Es kann wohl behauptet werden, daß das städtische Obdach für
nächtlich Obdachlose von ungemein segensreichem Einfluß auf den Gesammt-
Gesundhcitszustand Berlins ist, einerseits durch die Möglichkeit, die bei
Auftreten einer ansteckenden Krankheit in der Regel zuerst damit behafteten
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