Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

130
Gesundheits-Polizei.
Städtischen Obdach zugewiesenen, hinter deinselben belegenen städtischen
Desinsectionsanstalt desinficirt.
Nach geschehener Reinigung erfolgt die Vorstellung der Anköminlinge bei
dem Anstaltsarzt, welcher den Gesundheitszustand prüft und bei vorhandener
Krankheit die Nothwendigkeit der Ueberführung in ein Krankenhaus bezw.
Hospital feststellt oder die ärztliche Behandlung im Hause anordnet.
Die schulpflichtigen Kinder (von 6 Jahren ab) sind gehalten, dem
unter Leitung eines städtischen Lehrers stehenden Schulunterricht beizu
wohnen. An schönen Nachmittagen im Sommer steht den Kindern ein zur
Anstalt gehöriger großer Spiel- und Tummelplatz zur Verfügung, während
im Winter oder an Regentagen der Spielsaal benutzt wird.
Die Sauberkeit in der Anstalt, sowohl der Flure als auch der Auf
enthalts- und Schlafsäle u. s. w., die geordnete Lebensweise, das einfache,
kräftige und nahrhafte Essen üben einen vorzüglichen Einfluß auf den Ge
sundheitszustand der das Familien-Obdach besuchenden Personen aus, und
ist die erfreuliche Thatsache zu berichten, daß schwere Krankheiten oder
solche epidemischen Charakters in der Anstalt nicht vorgekommen sind.
Die Corridore und Schlafsäle, welch letztere 8, 12 und mehr Betten
enthalten, sind mit einem l x /2 m hohen Oelanstrich versehen, welcher die
Reinigung (Abwaschung) sehr erleichtert. Des Weiteren werden die Winkel,
welche durch Fußboden und Wand gebildet werden, allmorgendlich mit einer
Desinfektionsflüssigkeit (5 % Carbolsäure-Lösung) bestrichen, welche das Fest
setzen von Jnfektiosstoffen unmöglich inacht. Für den Fall, daß eine an
steckende Krankheit vorkommen sollte, sind die umfassendsten Vorkehrungen
getroffen, um die Verbreitung des Anstcckungsstoffes zu verhindern, und
erfolgt die Ueberführung des betreffenden Kranken nach einem Kranken
hause sowohl zur Tages- wie zur Nachtzeit unverzüglich.
Die Speisen für die iin Familien-Obdach untergebrachten Personen
und für die nächtlich Obdachlosen werden in der unter Leitung einer Auf
seherin stehende Kochküche zubereitet. Dieselbe ist im Stande, mit ihren
drei Senking'schen (Hildesheim) Kochapparaten zu 400, 500 und 800 Liter
Inhalt, die sich vorzüglich bewährt haben, den gestellten, oft sehr großen
Ansprüchen prompt zu genügen.
In der Waschküche wird die dem Hause gehörige Bett- und Leibwäsche
gereinigt. Das Waschen wird von den aufgenommenen weiblichen Personen
besorgt, welche auch zu anderen häuslichen Arbeiten herangezogen werden.
Die Männer hallen sich, wie bereits bemerkt, in dem rechten Seiten
flügel auf. Auch sie sind verpflichtet, so weit Alter oder Körperschwäche dies
nicht von selbst verbieten, sich an den Hausarbeiten, z. B. Kartoffelschälen,
Zimmer-Reinigen u. s. w. zu betheiligen.
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