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Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

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Gesundheits-Polizei. 
Städtischen Obdach zugewiesenen, hinter deinselben belegenen städtischen 
Desinsectionsanstalt desinficirt. 
Nach geschehener Reinigung erfolgt die Vorstellung der Anköminlinge bei 
dem Anstaltsarzt, welcher den Gesundheitszustand prüft und bei vorhandener 
Krankheit die Nothwendigkeit der Ueberführung in ein Krankenhaus bezw. 
Hospital feststellt oder die ärztliche Behandlung im Hause anordnet. 
Die schulpflichtigen Kinder (von 6 Jahren ab) sind gehalten, dem 
unter Leitung eines städtischen Lehrers stehenden Schulunterricht beizu 
wohnen. An schönen Nachmittagen im Sommer steht den Kindern ein zur 
Anstalt gehöriger großer Spiel- und Tummelplatz zur Verfügung, während 
im Winter oder an Regentagen der Spielsaal benutzt wird. 
Die Sauberkeit in der Anstalt, sowohl der Flure als auch der Auf 
enthalts- und Schlafsäle u. s. w., die geordnete Lebensweise, das einfache, 
kräftige und nahrhafte Essen üben einen vorzüglichen Einfluß auf den Ge 
sundheitszustand der das Familien-Obdach besuchenden Personen aus, und 
ist die erfreuliche Thatsache zu berichten, daß schwere Krankheiten oder 
solche epidemischen Charakters in der Anstalt nicht vorgekommen sind. 
Die Corridore und Schlafsäle, welch letztere 8, 12 und mehr Betten 
enthalten, sind mit einem l x /2 m hohen Oelanstrich versehen, welcher die 
Reinigung (Abwaschung) sehr erleichtert. Des Weiteren werden die Winkel, 
welche durch Fußboden und Wand gebildet werden, allmorgendlich mit einer 
Desinfektionsflüssigkeit (5 % Carbolsäure-Lösung) bestrichen, welche das Fest 
setzen von Jnfektiosstoffen unmöglich inacht. Für den Fall, daß eine an 
steckende Krankheit vorkommen sollte, sind die umfassendsten Vorkehrungen 
getroffen, um die Verbreitung des Anstcckungsstoffes zu verhindern, und 
erfolgt die Ueberführung des betreffenden Kranken nach einem Kranken 
hause sowohl zur Tages- wie zur Nachtzeit unverzüglich. 
Die Speisen für die iin Familien-Obdach untergebrachten Personen 
und für die nächtlich Obdachlosen werden in der unter Leitung einer Auf 
seherin stehende Kochküche zubereitet. Dieselbe ist im Stande, mit ihren 
drei Senking'schen (Hildesheim) Kochapparaten zu 400, 500 und 800 Liter 
Inhalt, die sich vorzüglich bewährt haben, den gestellten, oft sehr großen 
Ansprüchen prompt zu genügen. 
In der Waschküche wird die dem Hause gehörige Bett- und Leibwäsche 
gereinigt. Das Waschen wird von den aufgenommenen weiblichen Personen 
besorgt, welche auch zu anderen häuslichen Arbeiten herangezogen werden. 
Die Männer hallen sich, wie bereits bemerkt, in dem rechten Seiten 
flügel auf. Auch sie sind verpflichtet, so weit Alter oder Körperschwäche dies 
nicht von selbst verbieten, sich an den Hausarbeiten, z. B. Kartoffelschälen, 
Zimmer-Reinigen u. s. w. zu betheiligen.
	        
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