Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits - Polizei.
129
Hieraus ergiebt sich, daß 2765 Schlafleute mit ihren Wirthen einen
Raum theilten, welcher nicht selten von Personen verschiedenen Geschlechtes
bewohnt wird. Daß auch die Verhältnisse der Schlafstellen in Wohnungen
mit zwei Räumen nicht immer zu den hygienischen gehören, darf wohl
kaum gesagt werden.
o. Obdach-Einrichtungen (Asyle).
Der Neubau des städtischen Obdaches wurde auf Beschluß der Stadt-
verordneten-Versammlung in der unbenannten Straße 13 b nahe der Dan-
zigerstraße auf dem Plateau des Barnim gegen Weißensee im Zahre 1886
begonnen und am 24. Oktober 1887 der allgemeinen Benutzung übergeben.
Das dreistöckige, im gediegenen rothen Backsteinbau einfachen Styles, durch
weg massiv aufgeführte Gebäude besteht aus einem Vordergebäude und
zwei Seitenflügeln. Zm Erdgeschoß des Vordergebäudes befinden sich die
Wohnräume für den Inspektor, den Hausvater und den Portier, ferner
das Büreau. In dem 1., 2. und 3. Geschoß sind die Schlafsäle für die
weiblichen Mitglieder der obdachlosen Familien eingerichtet; im Kellergeschoß
die Oeconomie-Räumlichkeiten, die Waschrolle und eine Aufseher-Wohnung.
Zn dem rechten Seitenflügel liegen die Schlaf- und Aufenthaltssäle der
männlichen Mitglieder der obdachlosen Familien (außer Knaben unter sechs
Zähren, welche bei den Müttern untergebracht werden), das Büreau des
Hausvaters, das Arzt-Zimmer und der Warteraum für die zur ärztlichen
Untersuchung vorzuführenden Personen; im linken die Aufenthaltssäle und
der Speisesaal für die weiblichen Mitglieder der obdachlosen Familien,
ferner das Schulzimmer, der Speisesaal für die Kinder, die Koch- und die
Waschküche, sowie die Zimmer der Aufseherinnen. Die einzelnen Stock
werke stehen durch massive Treppen mit einander in Verbindung, das Haupt
gebäude durch hohe, helle Corridorgänge mit den Seitenflügeln. Die ob
dachlosen Familien sind nach dem Geschlecht getrennt; am Tage ist es den
Gatten resp. Vätern gestattet, ihre Angehörigen zu besuchen.
Die Mahlzeiten werden in den Speisesälen eingenommen und be
stehen Morgens und Abends aus Suppe mit Brot, Mittags aus Hülsen
früchten, Cerealien u. s. w., die wöchentlich vier Rial mit Fleisch, an den
übrigen Tagen mit Rindertalg nähr- und schmackhaft zubereitet werden.
Für Kranke, sowie für Mütter mit Säuglingen wird eine besondere Form
der Kost mit Milch, Fleisch, Bier, Semmel, Butter, Kaffee rc., gewährt.
Sämmtliche Personen, welche im Städtischen Familien-Obdach Auf
nahme gesunden haben, werden in den in dem Gebäude des Obdaches für
nächtlich Obdachlose befindlichen Baderäumen gebadet und ihre Kleider von
Ungeziefer gereinigt; die sonstigen Effekten dagegen werden in der, dem
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