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Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

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Gesundheits-Polizei. 
Bei Aenderungen des Bebauungsplanes, sowie der Baufluchtlinien ist 
der Regierungs-Medizinalrath, soweit hygienische Interessen dabei zur 
Erörterung stehen, als Korreferent betheiligt. 
Die im 4. Bericht Seite 179/180 in Aussicht genommene gesundheits 
polizeiliche Ueberwachung von Werkstätten und Schlafstätten bei Gewerbe 
treibenden, abgesehen von den dem Gewerberathe unterstellten Fabrikräumen, 
gelangte im Zahre 1886 insofern zur Ausführung, als durch die Reviere 
14400 Werkstätten nach von dem Polizei-Präsidium aufgestellten Grund 
sätzen besichtigt wurden; angeblich gaben nur etwa 60 Einrichtungen zu 
gesundheitspolizeilichen Bedenken Veranlassung, welche in 33 Fällen auf 
Ersuchen der Revierpolizei ohne Einwendungen beseitigt wurden. Die 
übrigen 27 Fälle machten ein Einschreiten der zweiten Abtheilung erforder 
lich, welche indessen bis auf 4 Fälle, die einer längeren und nachdrücklichen 
Behandlung bedurften, sehr bald die gewünschten Verbesserungen erzielte. 
Zn der Mehrzahl der Fälle handelte es sich um ungenügende Lufterneuerung 
in den Arbeitsräumen und zu starke Besetzung derselben; einzelne Werk 
stätten für Herstellung von Eßwaaren waren offenbar zugleich Schlafstätten 
für die Gehilfen; hier wurde Abhilfe geschaffen. 
Daß für eine ordnungsmäßige Ueberwachung dieser Verhältnisse eine 
einmalige Jahreskontrole durch Schutzleute, also durch Laien, nicht genügt, 
bedarf wohl nur der Erwähnung; dazu sind gehörig vorgebildete niedere 
Gesundheitsbeamtc erforderlich, wie solche seit Zahrzehntcn in den großen 
Städten Englands als inspootors of nuisances, in Wien als Sanitäts 
Aufseher seit 1885 angestellt sind. Derartige Beamte nltisscn vor Antritt 
ihrer dienstlichen Stellung durch erprobte höhere Gesundheitsbeamte 
praktisch vorgebildet werden, dainit dieselben mit den für die Gesundheits 
pflege wesentlichen Punkten vertraut sind, wenn sie ihre Thätigkeit beginnen. 
Da weiterhin in den Zähren 1887 und 1888 nur vereinzelte Be 
schwerden über ungesunde Werkstätten rc. eingingen, wurde die nächste all 
gemeine Revision auf das Zahr 1889 verschoben. 
Zn Folge des hohen Wasserstandes der Spree im Monat März 1888 
fanden unter dem 16. April 1888 Ermittelungen darüber statt, ob Keller 
wohnungen in den tiefer und in der Nähe der städtischen Wafferläufe ge 
legenen Stadttheilen durch Grund- oder.Quellwasser durchfeuchtet worden 
waren, Nur aus dem 2., 5., 57., 64. und 70. Revier gingen bezügliche 
vereinzelte Meldungen ein; zur Räumung von durchfeuchteten Wohnkellern 
im gesundheitlichen Znteresse der Insassen lag in keinem Falle genügender 
Grund vor. 
Hier dürfte noch zu erwähnen sein, daß das Verbot der Ofenklappen 
und der Klappen in Rauchröhren (Polizei-Verordnung vom 29. November
	        
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