Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

124
Gesundheits-Polizei.
Bei Aenderungen des Bebauungsplanes, sowie der Baufluchtlinien ist
der Regierungs-Medizinalrath, soweit hygienische Interessen dabei zur
Erörterung stehen, als Korreferent betheiligt.
Die im 4. Bericht Seite 179/180 in Aussicht genommene gesundheits
polizeiliche Ueberwachung von Werkstätten und Schlafstätten bei Gewerbe
treibenden, abgesehen von den dem Gewerberathe unterstellten Fabrikräumen,
gelangte im Zahre 1886 insofern zur Ausführung, als durch die Reviere
14400 Werkstätten nach von dem Polizei-Präsidium aufgestellten Grund
sätzen besichtigt wurden; angeblich gaben nur etwa 60 Einrichtungen zu
gesundheitspolizeilichen Bedenken Veranlassung, welche in 33 Fällen auf
Ersuchen der Revierpolizei ohne Einwendungen beseitigt wurden. Die
übrigen 27 Fälle machten ein Einschreiten der zweiten Abtheilung erforder
lich, welche indessen bis auf 4 Fälle, die einer längeren und nachdrücklichen
Behandlung bedurften, sehr bald die gewünschten Verbesserungen erzielte.
Zn der Mehrzahl der Fälle handelte es sich um ungenügende Lufterneuerung
in den Arbeitsräumen und zu starke Besetzung derselben; einzelne Werk
stätten für Herstellung von Eßwaaren waren offenbar zugleich Schlafstätten
für die Gehilfen; hier wurde Abhilfe geschaffen.
Daß für eine ordnungsmäßige Ueberwachung dieser Verhältnisse eine
einmalige Jahreskontrole durch Schutzleute, also durch Laien, nicht genügt,
bedarf wohl nur der Erwähnung; dazu sind gehörig vorgebildete niedere
Gesundheitsbeamtc erforderlich, wie solche seit Zahrzehntcn in den großen
Städten Englands als inspootors of nuisances, in Wien als Sanitäts
Aufseher seit 1885 angestellt sind. Derartige Beamte nltisscn vor Antritt
ihrer dienstlichen Stellung durch erprobte höhere Gesundheitsbeamte
praktisch vorgebildet werden, dainit dieselben mit den für die Gesundheits
pflege wesentlichen Punkten vertraut sind, wenn sie ihre Thätigkeit beginnen.
Da weiterhin in den Zähren 1887 und 1888 nur vereinzelte Be
schwerden über ungesunde Werkstätten rc. eingingen, wurde die nächste all
gemeine Revision auf das Zahr 1889 verschoben.
Zn Folge des hohen Wasserstandes der Spree im Monat März 1888
fanden unter dem 16. April 1888 Ermittelungen darüber statt, ob Keller
wohnungen in den tiefer und in der Nähe der städtischen Wafferläufe ge
legenen Stadttheilen durch Grund- oder.Quellwasser durchfeuchtet worden
waren, Nur aus dem 2., 5., 57., 64. und 70. Revier gingen bezügliche
vereinzelte Meldungen ein; zur Räumung von durchfeuchteten Wohnkellern
im gesundheitlichen Znteresse der Insassen lag in keinem Falle genügender
Grund vor.
Hier dürfte noch zu erwähnen sein, daß das Verbot der Ofenklappen
und der Klappen in Rauchröhren (Polizei-Verordnung vom 29. November
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