Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits - Polizei.
121
Leider sind die Vorschriften der Bau-Polizei-Ordnung nicht derartig
gefaßt, daß es zulässig ist, die Anlage von Hängeböden, trotzdem deren
Benutzung zum Schlafen für die Dienstboten fast überall außer Zweifel
steht, zu untersagen. Neuerdings werden in Gebäuden mit kleineren
Wohnungen (1 Stube mit Küche, 2 Stuben mit Küche) die Corridore an
ihren Enden kammerartig erweitert. Obwohl auch hier der Nachweis erbracht
worden ist, daß bei solchen Wohnungen derartige kammerartige Erweiterungen
fast regelmäßig zum Schlafen (insbesondere Seitens der sogenannten
Schlafburschen rc.) benutzt werden, hat das Königliche Ober-Verwaltungs
gericht zur Streitsache wieder D. und Genossen iin Termin zur mündlichen
Verhandlung vom 25. Januar 1889 es gleichfalls für nicht zulässig erachtet,
die Herstellung solcher Anlagen zu hindern. Da sowohl betreffs solcher,
der Licht- und Luftzuführung entbehrender Anlagen als auch betreffs der
Hängeböden eine wirksame Kontrole bezüglich ihrer Benutzung nicht aus
geübt werden kann, so ist nicht abzusehen, wie Abhilfe zu schaffen ist.
Die Vorschrift zu § 37b, nach welcher Bedürsnißanstalten nur in
Räumen anzulegen sind, welchen unmittelbar von einer Straße oder einem
vorschriftsmäßigen Hof Luft und Licht zugeführt wird, läßt sich nur mit
einiger Schwierigkeit bei einer nicht unbedeutenden Zahl von Gebäuden
durchführen, in welchen zwar Räume zur Einrichtung von Bedürfniß
anstalten vorgesehen sind, in welchen aber die Einrichtung derselben nicht
hatte erfolgen können, weil die städtische Kanalisation noch nicht zur Aus
führung gelangt war. Da jene Räume fast überall nicht der Vorschrift des
§ 37b entsprechen, so sind die Eigenthümer vielfach gezwungen, Theile von
Wohnräumen zur Einrichtung von Closets rc. herzugeben oder auf den
Höfen besondere Closetgebäude zu errichten.
Im klebrigen machen sich schon jetzt die in hygienischer Beziehung
erlassenen Vorschriften der Bau-Polizei-Ordnung bei den unter der Herr
schaft derselben errichteten Gebäuden in segensreicher Weise bemerkbar,
wenngleich die hohen Grundstückspreise nach wie vor zur thunlichsten Aus
nutzung jeder verwendbaren Fläche Veranlassung geben.
Im Jahre 1887 nahm die Baulust zwar erheblich ab, stieg aber 1888
wieder auf die frühere Höhe, es wurden
im Jahre 1886 3139 Bauscheine
„ „ 1887 2256 „
„ „ 1888 3000 „
ertheilt, so daß im letzten Jahre die Bauthätigkeit reger, als in den Jahren
1883 bis 1885 gewesen ist (4. Bericht Seite 178).
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