Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

120
Gesundheits - Polizei.
Mir die Höhe der Gebäude sind statt 21 m (Entwurf) 22 m gestattet;
eine Einschränkung findet statt, wenn die Ausladung des Dach- oder Haupt
gesimses 50 cm überschreitet. Während der Entwurf für Hofgebäude
u. s. w. 7 m Ueberschreitung des Hofraumes zuließ, sind jetzt nur 6 m zulässig.
Absatz c und d enthält Bestimmungen für bereits bebaute Grundstücke und
über die Abmessung der Gebäude-Höhe.
Eine sehr wesentliche Erweiterung mit erhöheten gesundheits-polizeilichen
Forderungen hat § 37 erfahren; zunächst ist die Zahl der Stockwerke auf
fünf und die höchste Lage des obersten Geschosses auf 17,5 m Fußboden
höhe über dem Bürgersteige festgesetzt. Sodann folgen Anordnungen über
Luft- und Licht-Zufuhr. Die Bestimmungen für Räume unter der Erd
oberfläche (Kellergeschosse), welche Menschen zum dauernden Aufenthalte
dienen sollen, sind eingehender behandelt und viel klarer, als im Entwurf
gefaßt. Endlich sind unter b noch Vorschriften für vorübergehend benutzte
Räume gegeben.
Diese kurzen Bemerkungen über die einschlägigen Bestimmungen, sowie
der Hinweis auf § 15, betreffend Licht- und Aufzugsschachte, Lüftungs
schlote und 817 am Schluß, betreffend Heizröhren mit Verschlußvorrichtungen,
müssen hier genügen; das Bedauern aber kann zum Schluß meinerseits
nicht zurückgehalten werden, daß die für Berlin durch die Verhältnisse
gebotenen geringeren hygienischen Anforderungen auch für die Vororte
zugelassen worden sind; hier konnte man die gesundheitspolizeilichen Be
stimmungen noch höher spannen, ohne das Kapital zu stark zu schädigen;
hier hätte man der Ausnutzung von Grund und Boden für den Geld
beutel des Einzelnen noch schärfer entgegentreten und vor allen Dingen
nicht die Berliner Miethskasernen, sondern den Villenbau und kleine Mieth-
häuser begünstigen sollen.
Ueber die Ausführung der neuen Vorschriften während der Zahre
1887 und 1888 liegen folgende Erfahrungen der 3ten Abtheilung vor:
Die Grundstückseigenthümer haben sich selbstverständlich den in
hygienischer Beziehung getroffenen positiven Vorschriften der Bau-Polizei-
Ordnung vom 15. Januar 1887 fügen müssen. Die Versuche, die Be
stimmungen zu umgehen, sind jedoch in der ersten Zeit nach Erlaß der
Bau-Polizei-Ordnung verhältnißmäßig zahlreich gewesen. Es hat namentlich
Schwierigkeiten bereitet, das Publikuin an die Vorschrift zu gewöhnen,
nach welcher Räume, welche zum dauernden Aufenthalt von Menschen
bestimmt sind, nicht vor Ertheilung des Gebrauchsabnahmescheines in Be
nutzung zu nehinen sind (§ 39). In letzterer Zeit sind Zuwiderhandlungen
in dieser Beziehung indessen nur noch in vereinzelten Fällen zur Kenntniß
des Polizei-Präsidiums gebracht worden.
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