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Periodical volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Dritter Abschnitt. Gesundheitsverhältnisse

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

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Gesundheits-Polizei. 
wichtigen Untersuchungen hingewiesen worden; es war sür die im Verhält 
niß zur Zahl der zur Untersuchung gelangenden Dirnen geringe Zahl der 
Aerzte unmöglich, die Untersuchung jeder Einzelnen mit derjenigen Sorg 
falt auszuführen, welche im Interesse des Gemeinwohls gefordert werden 
muß. So war es offenes Geheimniß, daß eine Untersuchung der Mund 
höhle mittelst Spatel, sowie der Scheide und der Scheidenportien der Ge 
bärmutter nur äußerst selten stattfand. 
Außer den am angegebenen Orte § 5 genannten Stellen sollten in 
Zukunft noch die Brust, die Harnröhre und die Bartholinischen Drüsen am 
Scheideneingang mittelst kunstgerechten Fingerdruckes untersucht werden. 
Bei einiger Gewandtheit des Arztes und gehöriger Vorbereitung der 
Dirnen vor dem Eintritt in das Urtersuchungszimmer läßt sich eine ge 
naue Besichtigung aller genannten Theile in 2 bis 3 Minuten für die 
Einzelne ausführen, wie Berichterstatter nachgewiesen hat. 
Die Reinigung der gebrauchten Instrumente besorgten von jener Zeit 
ab zwei ältere Frauen, welche für die Aerzte auch das erforderliche Wasch 
wasser rc. zu beschaffen hatten. Die hierdurch, wie durch die Anstellung 
noch zweier Aerzte nothwendig entstehenden Kosten in Höhe von 6260 Mark 
jährlich waren von den städtischen Behörden bereitwillig zur Verfügung 
gestellt worden. 
Die Controle bewegte sich in folgenden Zahlen: 
Am Schluffe der einzelnen Jahre standen unter Controle: 
1882 . 
. . . 3900 
1883 . 
. . . 3769 
1884 . 
. . . 3724 
1885 . 
. . . 3598 
1886 . 
. . . 3006 
1887 . 
. . . 3063 
1888 . 
. . . 3392 Prostituirte, 
sodaß von 1885 zu 1886 eine Abnahme um 592 Personen stattgefunden 
hat, während bis Ende 1888 eine Wiederzunahme um 386 Dirnen ein 
getreten ist. Der bedeutende Rückgang von 1885 zu 1886 ist auf die 
schon angeführte Maßregel zurückzuführen. 
Es wurde kein Mittel unversucht gelassen, um die Weibspersonen zu 
einem ordentlichen und gesitteten Lebenswandel zurückzuführen. Eltern, 
Erzieher, Vormünder und auch das Vormundschaftsgericht werden von dem 
Lebenswandel ihrer Pflegebefohlenen in Kenntniß gesetzt, nöthigenfalls 
werden Letztere auch ihren Angehörigen zugeführt. Personen unter 16 
Jahren werden nicht mehr unter Controle gestellt. Auch eine Verfügung
	        
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