Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

94
Gesundheits-Polizei.
wichtigen Untersuchungen hingewiesen worden; es war sür die im Verhält
niß zur Zahl der zur Untersuchung gelangenden Dirnen geringe Zahl der
Aerzte unmöglich, die Untersuchung jeder Einzelnen mit derjenigen Sorg
falt auszuführen, welche im Interesse des Gemeinwohls gefordert werden
muß. So war es offenes Geheimniß, daß eine Untersuchung der Mund
höhle mittelst Spatel, sowie der Scheide und der Scheidenportien der Ge
bärmutter nur äußerst selten stattfand.
Außer den am angegebenen Orte § 5 genannten Stellen sollten in
Zukunft noch die Brust, die Harnröhre und die Bartholinischen Drüsen am
Scheideneingang mittelst kunstgerechten Fingerdruckes untersucht werden.
Bei einiger Gewandtheit des Arztes und gehöriger Vorbereitung der
Dirnen vor dem Eintritt in das Urtersuchungszimmer läßt sich eine ge
naue Besichtigung aller genannten Theile in 2 bis 3 Minuten für die
Einzelne ausführen, wie Berichterstatter nachgewiesen hat.
Die Reinigung der gebrauchten Instrumente besorgten von jener Zeit
ab zwei ältere Frauen, welche für die Aerzte auch das erforderliche Wasch
wasser rc. zu beschaffen hatten. Die hierdurch, wie durch die Anstellung
noch zweier Aerzte nothwendig entstehenden Kosten in Höhe von 6260 Mark
jährlich waren von den städtischen Behörden bereitwillig zur Verfügung
gestellt worden.
Die Controle bewegte sich in folgenden Zahlen:
Am Schluffe der einzelnen Jahre standen unter Controle:
1882 .
. . . 3900
1883 .
. . . 3769
1884 .
. . . 3724
1885 .
. . . 3598
1886 .
. . . 3006
1887 .
. . . 3063
1888 .
. . . 3392 Prostituirte,
sodaß von 1885 zu 1886 eine Abnahme um 592 Personen stattgefunden
hat, während bis Ende 1888 eine Wiederzunahme um 386 Dirnen ein
getreten ist. Der bedeutende Rückgang von 1885 zu 1886 ist auf die
schon angeführte Maßregel zurückzuführen.
Es wurde kein Mittel unversucht gelassen, um die Weibspersonen zu
einem ordentlichen und gesitteten Lebenswandel zurückzuführen. Eltern,
Erzieher, Vormünder und auch das Vormundschaftsgericht werden von dem
Lebenswandel ihrer Pflegebefohlenen in Kenntniß gesetzt, nöthigenfalls
werden Letztere auch ihren Angehörigen zugeführt. Personen unter 16
Jahren werden nicht mehr unter Controle gestellt. Auch eine Verfügung
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