Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits-Polizei.
93
betreten werden dürfen; unter letzteren aber sind selbstredend nur die
eingeschriebenen Personen zu verstehen. Die Beschränkung des Straßen
verkehrs wurde insbesondere auf die ganze Leipziger- und Potsdamerstraße,
auf die Friedrichstraße vom Oranienburger Thor bis zur Puttkamer- und
Besselstraße, den Lustgarten, die Königstraße, Alexanderplatz, Neue Wil
helmstraße rc. ausgedehnt.
Die Seite 367 des ersten Berichtes Anlage 29a abgedruckten polizei
lichen Vorschriften zur Sicherung der Gesundheit, der öffentlichen Ord
nung und des öffentlichen Anstandes erfuhren einige Abänderungen, welche
indessen einen abermaligen Abdruck nicht erforderlich machen. Einen we
sentlichen Zusatz erhielten dieselben unten II durch Maßregeln, welche den
Prostituirten zur Verhütung von ansteckenden Geschlechtskrankheiten mit jenen
Vorschriften zu I übergeben wurden:
II. Maßregeln
zur Verhütung von ansteckenden Geschlechtskrankheiten.
1. Männern, aus deren Harnröhre beim Drücken Schleiin oder Eiter
fließt oder an deren Glied geröthete oder geschwürige Stellen bemerkbar
sind, ist der Beischlaf zu verweigern. Geschlechtlicher Umgang mit solchen
Männern zieht stets Ansteckung nach sich.
2. Nach jedein Beischlaf sind die Geschlechtstheile mit Wasser von
Zimmerwärme zu waschen und die Scheide mit lauem Wasser mittelst einer
Gummi-Spritze oder eines Irrigators auszuspritzen; dazu ist ein Liter
Wasser zu verwenden; das Mutterrohr wird etwa 3 Zoll hoch in die
Scheide eingeführt.
Dieselbe Reinigung muß Morgens nach dein Aufstehen und Abends
vor dem Ausgehen stattfinden.
3. Zur Reinhaltung des ganzen Körpers sind außerdein im Sominer
mehrmals Flußbäder, tut Winter mindestens ein Wannenbad wöchentlich
zu nehinen.
Größte Reinlichkeit am ganzen Körper ist ein wesentliches Schutzmittel
gegen geschlechtliche Erkrankungen.
Diese Anordnungen traten erst mit dem 1. Juli 1887 in Kraft, nach
dem kurz zuvor die Zahl der untersuchenden Aerzte von 4 auf 6 ver
mehrt worden war.
Nuninehr wurde von letzteren aber auch eine Untersuchung genau nach
den Vorschriften der S. 369 des ersten Berichtes abgedruckten Instruktion
für die bei der Kommission für Sittenpolizei beschäftigten Aerzte gefordert.
Schon im Jahre 1883 war diesseits auf die Unzulänglichkeit jener so
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