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Periodical volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Dritter Abschnitt. Gesundheitsverhältnisse

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin Issue 5.1886/1888

Gesundheits-Polizei. 
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betreten werden dürfen; unter letzteren aber sind selbstredend nur die 
eingeschriebenen Personen zu verstehen. Die Beschränkung des Straßen 
verkehrs wurde insbesondere auf die ganze Leipziger- und Potsdamerstraße, 
auf die Friedrichstraße vom Oranienburger Thor bis zur Puttkamer- und 
Besselstraße, den Lustgarten, die Königstraße, Alexanderplatz, Neue Wil 
helmstraße rc. ausgedehnt. 
Die Seite 367 des ersten Berichtes Anlage 29a abgedruckten polizei 
lichen Vorschriften zur Sicherung der Gesundheit, der öffentlichen Ord 
nung und des öffentlichen Anstandes erfuhren einige Abänderungen, welche 
indessen einen abermaligen Abdruck nicht erforderlich machen. Einen we 
sentlichen Zusatz erhielten dieselben unten II durch Maßregeln, welche den 
Prostituirten zur Verhütung von ansteckenden Geschlechtskrankheiten mit jenen 
Vorschriften zu I übergeben wurden: 
II. Maßregeln 
zur Verhütung von ansteckenden Geschlechtskrankheiten. 
1. Männern, aus deren Harnröhre beim Drücken Schleiin oder Eiter 
fließt oder an deren Glied geröthete oder geschwürige Stellen bemerkbar 
sind, ist der Beischlaf zu verweigern. Geschlechtlicher Umgang mit solchen 
Männern zieht stets Ansteckung nach sich. 
2. Nach jedein Beischlaf sind die Geschlechtstheile mit Wasser von 
Zimmerwärme zu waschen und die Scheide mit lauem Wasser mittelst einer 
Gummi-Spritze oder eines Irrigators auszuspritzen; dazu ist ein Liter 
Wasser zu verwenden; das Mutterrohr wird etwa 3 Zoll hoch in die 
Scheide eingeführt. 
Dieselbe Reinigung muß Morgens nach dein Aufstehen und Abends 
vor dem Ausgehen stattfinden. 
3. Zur Reinhaltung des ganzen Körpers sind außerdein im Sominer 
mehrmals Flußbäder, tut Winter mindestens ein Wannenbad wöchentlich 
zu nehinen. 
Größte Reinlichkeit am ganzen Körper ist ein wesentliches Schutzmittel 
gegen geschlechtliche Erkrankungen. 
Diese Anordnungen traten erst mit dem 1. Juli 1887 in Kraft, nach 
dem kurz zuvor die Zahl der untersuchenden Aerzte von 4 auf 6 ver 
mehrt worden war. 
Nuninehr wurde von letzteren aber auch eine Untersuchung genau nach 
den Vorschriften der S. 369 des ersten Berichtes abgedruckten Instruktion 
für die bei der Kommission für Sittenpolizei beschäftigten Aerzte gefordert. 
Schon im Jahre 1883 war diesseits auf die Unzulänglichkeit jener so
	        
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