Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

Gesundheits-Polizei.
91
Wenn die von den Aerzten erzielten Erfolge sehr verschieden aus
fielen, so liegt dies zuin Theil an der verschiedenartigen Haftbarkeit der
einzelnen Lymphsorten an sich, zum Theil aber auch an der vielfach man
gelnden Uebung der in der Verwendung des thierischen Impfstoffes noch
weniger erfahrenen Aerzte. Ferner nimmt die Wirksamkeit der Lymphe,
besonders der unter Verbänden erzielten bei Aufbewahrung derselben in
Zimmertemperatur, wie bereits auf Seite 137 und 138 des 4. General
berichts ausgeführt, rasch ab.
Bei mangelndem Erfolge wurde neue Lymphe unentgeltlich nachge
liefert, auch an Privatärzte nach Gegenden abgegeben, wo gerade die natür
lichen Pocken herrschten, so im Jahre 1888 für prophylaktische Impfungen
in Celle, Pieschen, Segeberg bei Spandau und Tilsit.
Von krankhaften Erscheinungen nach der Impfung zeigte sich
bei einem Erstimpflinge im Jahre 1887, von welchem abgeimpft worden
war, ein Jmpfgeschwür und Vereiterung der Achseldrüsen, einmal in dem
selben Jahre eczeniatöser Gesichtsausschlag und bei drei Kindern an ver
schiedenen Orten in der Umgegend von Neppen über den ganzen Körper-
unter heftigem Fieber verbreitete hirsekorngroße Bläschen, die nach 3 Wochen
abheilten, einmal Gangrän einer Pocke. Jnr Jahre 1888 wurde bei einem
Erstimpflinge, welcher sich die Schorfe der Pocken abgekratzt hatte. Roth
lauf, bei einen: andern ein eczeniatöser Ausschlag beobachtet, welcher sich
von der Impfstelle des einen Armes auf den Rücken verbreitete. Die
Mutter und der Bruder litten an einem ähnlichen Ausschlage. Derselbe
heilte übrigens in wenigen Tagen unter Umschlägen mit verdünnter Karbol
säure. Aus dem Inhalte einiger Bläschen gelang dem Vorsteher der
Jmpfanstalt Sanitäts-Rath Dr. M. Schulz die Reinkultur eines Micro-
coccus, welcher wie der Vanselow'sche der Impoti^o eontu^ioog, ein gelbes
Pigment absonderte. Jmpfversuche mit demselben an Thieren und bei dem
Arzte selbst, hatten negativen Erfolg.
Bei Wiederimpflingen fanden sich, wie überhaupt bei Anwendung
der thierischen Lymphe im Gegensatz zur menschlichen bei denselben, fast
stets stärkere Reaktionserscheinungen. — Hierauf mögen auch mehrere von
den Aerzten als „Rothlauf" berichtete Fälle zurückzuführen sein. Auch von
dem Leiter der Jmpfanstalt wurde die stärkere Reaktion und in einem Falle
nach einem Stoße ein bis zur Hand reichendes Späterysipel beobachtet,
welches an: 6. Tage entstand und nach 5 Tagen verschwand.
In Bezug auf die in der Anstalt angestellten wissenschaftlichen
Versuche möge folgendes hier Platz finden:
Erhebliche Kältegrade haben, wie verschiedentlich festgestellt wurde,
keinen schädigenden Einfluß auf die Lymphe; so wurde die Lymphe mit
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