Publication:
1890
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365876
Path:

88
Gesundheits-Polizei.
Jmpfklapptischen an dem Hautabschnitt vom Nabel bis hinter den Milch
spiegel, und an den inneren Flächen der Oberschenkel statt.
Zu derselben wurden nur Skalpelle oder starke Lanzetten von Stahl
benutzt und meistens Flächenkulturen, zeitweilig auch Strichkulturen an
gelegt. Der Ertrag der Letzteren stand in manchen Fällen dem der Flächen
impfung nicht nach, weil bei jener die einzelnen Pocken meist zu einer
größeren Entwickelung gelangten. Manchmal wurde die Fläche erst skari-
fizirt und dann der Impfstoff mit einem sterilisirten Glasstabe sorgfältig
eingerieben, in andern Fällen mit der armirten Lanzette direkt eingeimpft.
Der zur Impfung verwandte Impfstoff war im Jahre 1886 durchgehends
menschliche Lymphe, im Jahre 1887: 18 mal menschliche, (von je 3 bis
4 Kindern), 6 mal thierische und 16 mal aus beiden gemischte Lymphe,
im Jahre 1888: 11 mal menschliche, (von 29 Kindern), keinmal reine
thierische und 64 mal gemischte Lymphe. Die Blattern zeigten im All
gemeinen keinen Unterschied in der Entwickelung, gleichviel ob sie durch
thierischen oder menschlichen Impfstoff erzeugt worden waren.
Von den anfänglich über die Pockenstellen gelegten Schutzverbänden
(4. Generalbericht Seite 135 sowie Seite 142 und 143) hat vr. Schulz
wieder Abstand genommen, nachdem durch sorgfältige Beobachtung (siehe
Tabelle Seite 229 II) festgestellt war, daß der unter den Schutzverbänden
erzielte Impfstoff eine erheblich geringere Haftbarkeit als der frei erzeugte
besitzt.
Die Abnahme der Lymphe erfolgte in der im 4. Generalberichte
Seite 135 geschilderten Weise — meist mit einem scharfen Küchenlöffel
oder Spatel — anfänglich stets nach genau 5 X 24 Stunden, später, da
dies nach vielfachen Kontrolversuchen mit Rücksicht auf die Entwickelung
der Pusteln zweckmäßiger erschien, meist etwas, und zwar bis zu 12 Stunden,
früher.
Der durch Abkratzen gewonnene Impfstoff betrug, wie aus der bei
liegenden Tabelle Seite 229 I hervorgeht, durchschnittlich 28 bis 30 Gramm;
die geringsten Mengen von 1 bis 10 Gramm lieferten 1888 — von drei ganz
erfolglos geimpften Thieren abgesehen — 7 Kälber, die größten Mengen
von 67,2 bezw. 65 Gramm lieferten ein 4 Monate altes 127 Kilo schweres,
bezw. ein acht Wochen altes 88 Kilo wiegendes Kalb in demselben Jahre.
Der gewonnene Stoff wurde zuerst ohne Zusatz, nachher unter all
mählicher Beifügung einer Mischung von destillirtem Wasser und Glycerin
verrieben und endlich mit reinem Glycerin bis zur Konsistenz eines Syrups
gebracht. Im Allgemeinen kamen auf je I Theil rohen Impfstoffes 2,7
Theile Glycerin.
Die so bereitete Glycerin-Emulsion kam ausschließlich zum Gebrauch.
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