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Volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Dritter Abschnitt. Gesundheitsverhältnisse

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin (Public Domain) Issue4.1883/1885 (Public Domain)

Gesundheits - Polizei. 
8b 
Durch die in diesen Behältem angesammelten kolossalen Mengen 
faulender und in Zersetzung begriffener Stoffe, Ercremente und dergleichen 
müsien unter den obwaltenden Verhältnissen Luft und Boden in einem hohen 
Grade verunreinigt werden und bei der in gedrängter Masse in nächster Nähe 
vorhandenen Bevölkerung typhöse Krankheiten Hervorrufen. 
Thatsächlich soll in den Hinterhäusern, obschon die Vorderhäuser jetzt 
städtisches Leitungswasser erhalten, nur Wasser aus dem Hofbrunnen zuge 
leitet werden. Das Wasser sah allerdings ganz klar aus, schmeckte jedoch 
entschieden ungemein weich, etwas faulig und durchaus nicht angenehm. 
In dem Hinterhause 6 sind auch diesmal die 3 Typhusfälle vorge 
kommen." 
Durch Vermittelung der 2. und 3. Abtheilung wurden die Schädlich 
keiten selbstredend beseitigt; wie lange aber bei einer so dichten Bevölkerung 
Sauberkeit und Ordnung erhalten bleiben, das hängt wesentlich stets von 
der Einsicht und Energie des Hauswirthes bezw. seines Vertreters ab. 
1884. 
Zu sehr eingehenden Ermittelungen und in Folge dessen zu nachdrück 
lichen Vrrfügungen gaben zwei durch Unsauberkeit ausgezeichnete Wohnungen 
in dem Hause Große Hamburgerstraße 30a Veranlassung. 
Dictoriastraße 25 erkrankten vom 26. August bis 3. September 
drei Kinder im Alter von 7, 9 und 11 Jahren und die 30jährige Erzie 
herin. Die Hauseinrichtungen gaben zu gesundheitspolizeilichen Bedenken 
keinerlei Veranlassung. Von der betroffenen Familie wurde darauf hinge 
wiesen, daß ein von dortiger Gegend nach dem Landwehrgraben führender 
ehemaliger Abzugsgraben jetzt verödet liege und schlechte Ausdünstungen 
verursache. Amtliche Ermittelungen ergaben, daß gedachter Graben von 
den Häusern Victoriastraße 24 bezw. 17 in einen Nothauslaßkanal zum 
Landwehrgraben behufs Ableitung starker Regengüße umgewandelt worden 
war und sauber gehalten wurde. 
Das Haus Großbeeren st raße 50 hatte während des Berichtszeit 
raumes die größte Haus-Epidemie mit 11 Erkrankungen ohne Todesfall 
von Ende Juni bis Ende Oktober 1884. Die ersten Erkrankungen ttaten 
im 2. Stock des Hinterhauses bei zwei Kindern, die folgende ebendaselbst 
in einer andern Familie auf; darauf kam noch eine Erkrankung in der 
ersten Familie vor. Nunmehr erkrankten drei Erwachsene Ende Juli im 
3. und 4. Stock des Vorderhauses, aus welche in derselben Wohnungslage 
zum Theil in denselben, zum Theil in anderen Familien allmälig weitere 
vier Erkrankungen bis 20. Oktober folgten. Auf Grund der chemischen
	        
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