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Volume B. Charlottenburg

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin (Public Domain) Issue4.1883/1885 (Public Domain)

Charlottenburg. 
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Bau-Polizei-Ordnung hygienisch noch schlechter als die Berliner Bauten 
hergerichtet werden, besetzt worden. Der ländliche Charakter ist den Häusern 
nur noch in den älteren, sowie vielen Straßen des 18. Stadtbezirkes und 
in Westend verblieben. Gerade die Neubauten in Charlottenburg begrün 
den die in dem Berlin betreffenden dritten Abschnitt dieses Berichtes aus 
gesprochene Forderung, daß die neue Baupolizei-Ordnung auch für die Vor 
orte sofort erlasfen werden muß. 
Seit 1877 ist Charlottenburg aus dem Verbände des Kreises Teltow 
ausgeschieden. Die Verkehrsverhältnisse haben sich bedeutend verbessert, seit 
dem neben den schon bestehenden Pferdebahnlinien Berlin-Kupfergraben — 
Charlottenburg-Schloßgarten und Berlin—Zoologischer Garten—Charlotten 
burg sowie von dort bis zum Spandauer Bock im Jahre 1882 die Stadt- 
und Ringbahn in Betrieb gesetzt worden ist. Charlottenburg erhielt zu 
nächst einen Stadtbahnhof und den Bahnhof Westend, zu welchen 1884 
noch der Bahnhof „Station Thiergarten" kam. Diese Verkehrsverbesferungen 
werden hier erwähnt, um zu erklären, daß die Bevölkerung der Stadt 
auch auf diesem Wege (Beamte und Arbeiter) wesentlich und schnell zu 
nehmen mußte. Dazu kommt noch die Eröffnung der Königlichen tech 
nischen Hochschule, in Folge deren ein Theil der Lehrer und Lernenden hier 
Wohnung genommen hat. 
Drei amtsärztliche Untersuchungen von angeblich gesundheitsschädigenden 
Wohnungen fanden im Jahre 1884 statt und bestätigten in jedem einzelnen 
Falle, daß die in Frage kommenden Räume wegen großer Wandfeuchtigkeit 
zum dauernden Aufenthalt für Menschen ungeeignet waren. 
AIs Massenquartiere bestehen zur Zeit: 
1. Die Familienhäuser am alten Fürstenbrunner-Weg mit 45 Fa 
milien. 
2. Die sogenannte Marmor-Marezzo-Fabrik mit 155 Familien, 
3. Die Albertinenhütte mit 84 Familien. 
1) Die Familenhäuser am alten Fürstenbrunner Weg liegen an 
der Ostseite dieser Straße und zwar hier nur ein Vorderhaus, davon durch 
den Hos getrennt ein zweites Haus und hieran mit einer Ecke anstoßend 
ein neuer Anbau. Die Häuser gehören der Stadt-Gemeinde, Miethen 
werden nicht beansprucht. Die unmittelbare Aufsicht führt ein verheiratheter 
Hausvater, welcher im Vordergebäude eine Erdgeschoß-Wohnung inne hat 
und zugleich die Küche für die in der südlichen Hälfte des Vorder-Gebäudes 
untergebrachten Hospitaliten besorgt. Die Zahl dieser Hospitaliten beträgt 
jetzt im Ganzen 21, davon 11 Männer und 10 Frauen, die in 5 Zimmern 
und 5 Kammern des Erdgeschosses, des ersten und des Dachgeschosses 
wohnen. In der nördlichen Hälfte des Vorderhauses sind jetzt nur Erd- 
29'
	        
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