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Volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Sechster Abschnitt. Nahrungs- und Genußmittel. Gebrauchsgegenstände

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin (Public Domain) Issue4.1883/1885 (Public Domain)

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Gesundheits«Polizei. 
differirte von 0,036 bis 0,300"/,. Diese Gewichtsmengen können durch 
aus indifferent genannt werden. Seitens der Färber wird behauptet, daß 
sie das Antimonoxyd als Fixationsmittel nicht entbehren können. Bei 
dieser Gelegenheit sei auch auf eine bettügerische Behandlung von Wollen 
und Wollwaaren aufmerksam gemacht. Wollen werden bekanntlich nach 
dem Gewicht verkauft. Um nun die gefärbte Wolle schwerer zu machen, tränkt 
man dieselbe, wie durch Untersuchungen aufgedeckt ist, mit Traubenzucker, 
Syrup, Dextrin oder Gerbsäure-Lösung und beschwert dieselbe dem Ge 
wicht nach bis circa 10 bis 15"/,. Hierbei fand sich in mit rothen und 
braunen Azofarbstoffen — welche aus saurem Bade einverleibt werden — 
gefärbten Wollen zuweilen freie oder halbgebundene Schwefelsäure vor, 
von der Verwendung des sauren Nattiumsulfats als Beizmittel, welches im 
Handel als „Weinsteinpräparat" geführt wird, herrührend. Der Gehalt 
an derartig freier Schwefelsäure dürfte jedoch zu gering sein, um beim 
Tragen gesttickter rothwollener Unterkleider Hautteizungen herbeizuführen. 
Im Jahre 1883 fanden sich sogenannte Tanzfiguren, deren Dekorationen 
giftige Farben zu enthalten schienen, bei der chemischen Untersuchung mit 
gifthaltigen Farben hergestellt; der Verkäufer wurde zu einer entsprechenden 
Geldstrafe verurtheilt. 
Ein Arzt sandte 1884 ein rosafarbenes Unterhemd ein, dessen Ge 
brauch Bläschen-Ausschlag und allgemeines Unwohlsein hervorgerufen 
haben sollte. Das Hemd war, wie die Prüfung ergab, mittelst Azo- 
Farbstoff aus der Gruppe der Naphtol-Farbstoffe gefärbt, welcher weder 
an sich noch durch die angewandten Haltbarkeitsmittel die in Rede stehende 
Hautkrankheit verursacht haben konnte. 
Eine Mittheilung über Gefahren der sogenannten Hyatt'schen Wäsche 
mußte als thatsächlich nicht richtig, bezw. betteffs der mit dem Tragen 
angeblich verbundenen Gefahren für überttieben und somit unbegründet er 
achtet werden. Die sogenannte Hyatt'sche Wäsche ist mit einer celluloid 
artigen Maffe getränkt, um dieselbe einfach abwaschbar und widerstands 
fähig gegen Wasser zu machen. Celluloid ist ein Präparat aus Kampher 
und Nitrocellulose gelöst in Aetheralkohol. Ein derartiges Präparat ist 
auf das Gewebe der Hyattwäsche aufgettagen bezw. demselben imprägnirt. 
Kommt man mit der Manschette an ein brennendes Licht, so entzündet 
sich dieselbe zwar leicht und brennt mit leuchtender rüstender Flamme, die 
Flamme läßt sich aber sehr leicht wieder ausblasen. Der Rauch der 
Flamme riecht kampferartig. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, 
daß die Manschetten und ähnliche Stücke sogenannter Hyattwäsche feuer 
gefährlich, bezw. leicht entzündlich sind. Gewöhnliche Papierwäsche wird 
man jedoch auch nicht als ungefährlich, bezw. als nicht feuergefährlich be-
	        
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