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Volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Sechster Abschnitt. Nahrungs- und Genußmittel. Gebrauchsgegenstände

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin (Public Domain) Issue4.1883/1885 (Public Domain)

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GesundhcitS - Polizei. 
Kreisthierarzt und einem Polizeithierarzt unter Assistenz eines hierzu be 
sonders kommandirten Polizei-Wachtmeisters, nach folgendem Modus aus 
geführt: 
Nachdem das Nationale, die Herkunft u. s. w. des Pferdes aufgenommen 
worden ist, wird zunächst der allgemeine Habitus des Thieres in Augenschein 
genommen und festgestellt, ob Fieber vorhanden ist oder nicht. Hiernach 
wird die Art des Athmens und die ausgeathmete Luft, die Beschaffenheit 
der sichtbaren Schleimhäute, der äußerlich fühlbaren Lymphdrüsen und der 
Lymphgefäße, des Hustens und schließlich die ganze Oberfläche der Haut 
einer genauen Prüfung unterworfen. Je nach dem Resultat dieser Unter 
suchung wird die Erlaubniß zum Schlachten ertheilt oder verweigert. Das 
Letztere tritt unbedingt ein, wenn Thiere mit ansteckenden Krankheiten oder 
mit Erscheinungen, welche das Thier einer solchen verdächtig machen, behaftet 
sind, wenn Fieber vorhanden ist, bei kachektischen Leiden, bei großer Mager 
keit und bei dem Vorhandensein unreiner, brandiger oder jauchiger Wunden. 
Die zum Schlachten geeignet befundenen Thiere werden in gleicher 
Weise wie Rinder, durch Erschlagen gctvdtet und ausgeschlachtet, worauf das 
Fleisch, Blut und die Eingeweide einer genauen Untersuchung unterzogen 
werden. Von dem Ergebniß dieser zweiten Untersuchung wird erst die Er 
laubniß zur Verwerthung des Fleisches als Nahrungsmittel für Menschen oder 
Thiere abhängig gemacht. 
Das Pferdefleisch wird in derselben Weise wie das Fleisch der übrigen 
Schlachtthierc verarbeitet, es kommt wie dieses roh in den Handel, theils 
wird es gepökelt oder in Verbindung mit anderem Fleisch zur Herstellung 
von Würsten verschiedener Art verwendet. Namentlich werden von fetten 
Pferden die Rippenstücke als Speckseiten, die besten Theile aus den Hinter 
keulen nach Art der Schweineschinken und die Zunge gepökelt und geräuchert. 
Leber und Gehirn sindcn stets einen sehr schnellen Absatz. Aus dem Serum 
wird Albumin gewonnen, während die übrigen Bestandtheile des Blutes zu 
Dungpulver verarbeitet werden. 
Der größte Theil der geschlachteten Pferde stammt nicht aus Berlin, 
sondern wird von Roßschlüchter» oder deren Händlern auf den Pferdemärkten 
in den Provinzen gekauft und oft über 40 Meilen weit nach Berlin her 
geschafft. 
Der Preis des Fleisches ist verschieden und beträgt pro ’/s Kilo für 
Zunge 50 Pfennig 
Filet 25—30 
Anderes Fleisch ..... 20—25 „
	        
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