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Volume A. Berlin Zweiter Theil. Gesundheits-Polizei Sechster Abschnitt. Nahrungs- und Genußmittel. Gebrauchsgegenstände

Full text: Das Öffentliche Gesundheitswesen und seine Überwachung in der Stadt Berlin (Public Domain) Issue4.1883/1885 (Public Domain)

Gesundheits - Polizei. 
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bedürfniß an Raum entsprechenden, nur mit einigen übersehbaren Eingängen 
versehenen Markthallen. Gleichzeitig aber wird eine zweckentsprechende Ent 
fernung der bei dem Marktverkehr unausbleiblichen Abfälle wesentlich er 
leichtert. Hier soll nur daran erinnert werden, daß wenn auch auf offenen 
Märkten die festen Abfälle im Ganzen leicht zusammengehalten werden, 
doch eine Durchtränkung des Bodens mit flüssigen Abgängen wie Blut, 
Waschwasser rc. in keiner Weise verhütet werden kann, da man derartige 
Plätze weder cementiren oder asphaltiren, noch sonst wie mit undurchlässigem 
Boden versehen kann. Die Lebensmittel selbst aber leiden auf offenem 
Markt unter Witterungseinflüssen mehr, als in geschlossenen Hallen, wo 
man z. B. das Fleisch durch Eisanwendung leichter erhalten kann wie auf 
offenem Markt; vor allen Dingen aber findet nicht ein fortwährendes Hin- 
und Herschleppen der Waaren von einem Markt zum andern, bezw. bei der 
Einfuhr von außerhalb eine Wiederüberführung an den Wohnort des Ver 
käufers als Zwischenstation zwischen zwei Märkten in demselben oder an 
verschiedenen Orten statt. 
Für den Fleischverkehr sind die Markthallen auch dadurch von wesent 
licher Bedeutung, daß sie die Ueberwachung des von außen eingeführten 
Schlachtfleisches, des Wildes, Geflügels und der Fische erleichtern. Wird 
endlich noch berücksichtigt, daß die Verkäufer mehr als bei offenen Märkten 
in der Lage sind, den Bedarf des dem Einzelnen zufallenden Theiles der Be 
völkerung zu übersehen und danach ihre Zufuhr zu berechnen, daß also eine 
größere Wahrscheinlichkeit für den Absatz aller eingeführten Nahrungsmittel 
vorliegt und somit ein Verderben, da große Reste bei richtiger Berechnung 
des Bedarfes selten bleiben werden, ausgeschlossen ist, so kann wohl die 
Zweckmäßigkeit der Anlage von Markthallen für größere, große und gar 
Weltstädte nicht in Abrede gestellt werden. Ob durch diese Einrichtungen 
die feilgebotenen Nahrungsmittel wohlfeiler werden, das ist eine Frage, welche 
erst die Zeit beantwotten kann; aber das darf man wohl behaupten, daß 
die in Markthallen gebotenen Nahrungsmittel die besten und dadurch ver- 
hältnißmäßig billigsten sein werden. Diese Skizze derjenigen allgemeinen 
Gesichtspunkte, welche für die Errichtung von Markthallen im gesundheits 
polizeilichen Sinne sprechen, muß hier genügen. 
Die Errichtung einer Markthalle für Berlin wurde zum ersten Male 
am 3. April 1848 in der Stadtverordneten-Versammlung in Folge der 
Erbauung der Pariser Central-Markthalle im Jahre 1847/48 ohne Erfolg 
angeregt; 1853 ttat das Polizei-Präsidium mit Unternehmern und Sach 
verständigen in Verhandlungen über die Anlage einer Markthalle auf dem 
Dönhoffsplatz, welche nicht bis zur Vorlage eines Bauplanes gelangte. Auch 
ein vom Stadtverordneten Schaesser am 10. November 1862 an die 
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