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Volume Erster Abschnitt. Geburts-, Gesundheits- und Sterblichkeits-Verhältnisse Berlins in den Jahren 1879 und 1880 B. Sterblichkeits- und Gesundheits-Verhältnisse im Besonderen. Kindersterblichkeit, Infektions-Krankheiten

Full text: Generalbericht über das Medizinal- und Sanitätswesen der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1.1879/1880 (Public Domain)

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Geburis-, Gcsuiidheiid- und SicrblichkciiS - Verhältnisse. 
Steigerung der Kindersterblichkeit erheblich beiträgt. Diese Annahme findet 
eine weitere Stütze darin, daß non denjenigen im ersten Lebensjahre gestorbenen 
Kindern, deren Ernährungsart festgestellt worden, bei den mit Mutter- und 
Aniinenmilch ernährten die Todesfälle in Folge vo n Magen- und Darmkatarrh 
Durchfall, Kinderdurchfall und Brechdurchfall, wie sich aus der vorstehenden 
Tafel ersehen läßt, einen viel kleineren Antheil an der Gesamnitsterblichkeit der 
Kinder dieser Gruppe haben, als es bei den künstlich oder mit gemischter 
Nahrung ernährten der Fall ist. 
Es starben an den genannten Magen- und Darmkrankheiten: 
1879 
1880 
Ernährt mit 
Zahl 
Prozent der 
im Ganzen 
Gestorbenen 
Zahl 
Prozent der 
im Ganzen 
Gestorbenen 
Mutter- und Ainmenmilch 
486 
18,76 
579 
21,47 
künstlicher Nahrung 
2585 
46,88 
3222 
48,97 
gemischter Nahrung 
1244 
50,44 
1179 
49,04 
Daß unter den mit gemischter Nahrung Ernährten die Magen- und 
Darmkrankheiten unter den Todcs-Ursachen noch mehr prävalirtcn, als bei den 
künstlich Ernährten, dürfte sich daraus erklären, daß in Berlin, nicht selten 
auch in ganz günstig situirten Familien, die Kinder systematisch aufgepäppelt 
werden, während gerade in den ärmeren Klassen eine unregelmäßige und unzu 
längliche Ernährung des Kindes an der Mutterbrust in unvortheilhaftcster Weise 
durch nebenbeigegebene anderwcite Nahrungsmittel ergänzt wird, so daß diese 
Kinder unter die mit gcuiischter Nahrung ernährten gezählt werden müssen. 
Da von denjenigen im ersten Lebensjahr gestorbenen Kindern, deren Er 
nährungsart festgestellt ist, .in den Jahren 1879 und 1880 bei den ehelichen 
26,7«/«, beziehungsweise 25,7"/«, bei den unehelichen dagegen nur 14,6 °/„, be 
ziehungsweise 13,0 "/o mit Mutter- oder Ammenmilch aufgezogen sind, sind 
die letzteren betreffs der Brechdurchfälle re. vcrhältnißmäßig sehr viel mehr ge 
fährdet und es wird hierin eine der Ursachen der größeren Sterblichkeit der 
unehelichen Kinder liegen. 
Ein strikter Beweis dafür, daß gerade die Beschaffenheit der Nahrungs 
mittel in den Sommermonaten die Ursache der übergroßen Kindersterblichkeit 
während derselben sei, ist allerdings ans dem Vorstehenden nicht herzuleiten, 
weil anzunehmen ist, daß bei den mit künstlicher oder gemischter Nahrung er 
nährten Kindern der Ernährungszustand und die ganze Körperkonstitution 
eine solche vielfach sein wird, daß ihnen die erforderliche Widerstandskraft gegen 
etwaige andere von der Beschaffenheit der Nahrungsmittel unabhängige Schäd-
	        
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