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Volume Zweiter Abschnitt. Sanitäts-Polizei V. Sanitätspolizeiliche Maßnahmen gegenüber der abnormen Höhe der Kindersterblichkeit. Humane Vereine

Full text: Generalbericht über das Medizinal- und Sanitätswesen der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1.1879/1880 (Public Domain)

SanitätS-Polizei. 
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von kranken oder gesunden Thieren hcrstammt. Praktisch von Bedeutung dürfte 
in dieser Beziehung namentlich die Maul- und Klauenseuche sein, weil diese 
häufiger vorkommt, die Milchproduktion wenig beschränkt und der Milch keine 
besonderen Eigenschaften verleiht, durch welche sic als von kranken Thieren 
herstammend erkannt werden könnte, während der Genuß derselben, wenn sie 
nicht aufgekocht ist, den jungen Kindern sehr nachthcilig ist. 
Was die Verfälschungen betrifft, so kommen fast nur die durch Wasser 
zusatz (event durch Abrahmen) in Berlin in Betracht und dieselbe» betreffen 
fast ausschließlich die gewöhnliche Marktmilch, welche im Gegensatz zu der 
sogenannten Kindermilch oder „Milch, wie sie von der Kuh kommt", großen- 
theils als inehr oder weniger stark abgerahmte in den Verkehr gebracht wird. 
Für diejenigen Menschen, welche entsprechende Preise zahlen, ist in Berlin 
für eine gute, d. h. unabgerahmtc und ungewäffertc Milch genügend gesorgt 
durch zahlreiche Molkereien in der Stadt und durch Zufuhr von außerhalb. 
— Die ärmere Bevölkerung aber benutzt auch zur Ernährung der Kinder 
meistens die billigere, gewöhnliche Marktmilch, welche nicht nur abgerahmt ist, 
sondern auch nach der bisherigen Art der Kontrole bis zu einem gewissen 
Grade gewässert sein kann, ohne daß der Verkäufer straffällig würde. Die 
ganze Angelegenheit ist somit in dieser Richtung vorzüglich eine Geldfrage. 
Aus diesem Grunde sind auch die Bestrebungen, eine in jeder Beziehung 
vorwurfsfreie Milch für Kinder durch besondere Auffalten zu schaffen, in denen 
der Gesundheitszustand der Kühe, die Art der Fütterung und ganzen Haltung re. 
kontrolirt werden — an denen es auch in Berlin nicht fehlt — nicht von 
besonderer Bedeutung für die Kindersterblichkeit im Ganzen. 
Solche Anstalten können natürlich die Milch nur zu erheblich höheren 
Preisen liefern und kommen nur dem besser situirteu Publikum zu Gute, welches 
auch sonst im Stande ist, den jungen Kindern größere Sorgfalt angedcihen zu 
laffcn und sie vielfach den gefährlichen Sommermonaten durch Verlassen der 
Stadt entziehen kann. 
Hinzu kommt nun noch, daß die Beschaffenheit der Milch zur Zeit des 
Ankaufs durch die Konsumenten keineswegs das ausschließlich Maßgebende ist. 
Allerdings wird die gewöhnliche Marktmilch auch leichter schon säuerlich 
beim Ankauf sein, sehr wesentlich aber ist die fernere Behandlung der Milch. 
Gewiß wird dieselbe in den heißen Wohnungen der ärmeren Bevölkerungsklassen, 
denen weder ein kühler Keller noch ein Eisschrank zur Verfügung steht, sehr 
oft säuerlich werden, selbst wenn sie es beim Ankauf noch nicht war und hier 
durch würde es sich erklären, daß dieselbe — an sich vielfach nicht vorwurfsfreie 
Milch — gerade in den heißen Sommermonaten bei Benutzung als Kinder- 
nahrung so nachtheilig wirkt. 
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