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Volume Zweiter Abschnitt. Sanitäts-Polizei IV. Sanitätspolizeiliche Maßnahmen bezüglich des Verkehrs mit Nahrungs- und Genußmitteln

Full text: Generalbericht über das Medizinal- und Sanitätswesen der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1.1879/1880 (Public Domain)

Sanität» - Polizei. 
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während im Mai schon für denselben Preis eine recht gute Butter abgegeben 
wurde und inindcr gute aber reine Butter für 0,80 Mark zu haben war. 
Nicht selten wird schon ältere (etwas ranzige) Butter mit Wasicr und etwas 
Soda durchgeknetet und mit frischer Butter vermischt. Hierzu wird namentlich 
die reine, aber meist etwas ranzige Galizifche und Amerikanische Butter benutzt, 
welche nur 60 — 70 Pf. kostet. Auf diese Weise wird für die Butter ein 
Preis erzielt, der ihr nicht zukommt, doch kann das Verfahren kaum als 
Verfälschung charaktcrisirt, die Butter nicht als verdorben bezeichnet werden. 
Die mitunter als „Bäcker. Butter" feilgehaltene Butter ist eine reine, 
durch Ausschmelzen der Reste auS de» Butterfässern gewonnene, stets mehr 
oder weniger ranzige Schmelzbutter. Ihrer Verwendung zum Backen steht, 
wenn fie nicht zu stark ranzig ist, nichts entgegen. 
Die Untersuchung der Butter hat unmcntlich, was den wesentlichsten Punkt 
derselben, den Nachweis fremder Fette betrifft, nicht geringe Schwierigkeiten. 
ES wurde hierzu die allgemein angewandte Hehncr-AngeU'fche Methode benutzt, 
nach welcher die Menge der nicht flüchtigen Fettsäuren bestimmt wird. Nach 
Hehncr, dessen Angaben auch von den Materialien zur technischen Begründung 
des Gesetz-Entwurfs gegen Verfälschung der Nahrnngs- und Gcnnßmittel rc. 
(Gesetz, betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln rc. von Dr. Fr. Meyer 
und Dr. C. Finkelnburg, Berlin 1880) aufgenommen sind, soll reine Butter 
zwischen 85,5—87,5 nicht flüchtige Fettsäuren enthalten, während alle andern 
thierischen Fette 95—95,5°/ 0 davon haben. 
Die zahlreichen Beobachtungen des Dr. Bischofs, die namentlich auch an 
Butterproben aus den besten Quelle» und von sonst vorzüglicher Beschaffenheit 
angestellt sind, haben denselben jedoch zu der Ueberzeugung gelangen lassen, 
daß die Hehner'schc Grcnzzahl zu niedrig gegriffen ist und vollkouinien reine 
Butter bis zu 90"/« nicht flüchtiger Fettsäuren enthalten kann. Zu ähnlichen 
Ergebniffen find auch andere Untersucher und namentlich das Laboratorium 
des Landwirthschastlichen Instituts zu Poppelsdorf (Bonn) gelangt. 
Hierdurch wird der Werth der Hehner'schcn Methode einigermaßen ver 
ringert, denn ein mäßiger, unter Umständen nicht geringer Zusatz fremder Fette 
wird hiernach erfolgen könne», ohne daß die Butter mehr als 90"/« nicht 
flüchtiger Fettsäuren aufweist und deshalb beanstandet werden dürfte. 
Auf die bloße Thatsache hin, daß eine Butter mehr als 87,5"/« 
(Hchncr'S Grcnzzahl) solcher Fettsäuren enthält, wird sic vor Gericht nicht 
als verfälschte hingestellt werden können, sondern mit Sicherheit nur, wenn 90°/« 
überschritte» worden, wenn auch Butter mit einem dieser Grcnzzahl nahe 
kommenden Fettsäure-Gehalt als höchst wahrscheinlich gefälscht angesehen werden 
darf. Derartige Buttcrprobcn kamen mehrfach zur Untersuchung, doch mußte
	        
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