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Full text: Generalbericht über das Medizinal- und Sanitätswesen der Stadt Berlin (Public Domain) Issue1.1879/1880 (Public Domain)

Sanitäts-Polizei, 
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Medizinalbeamten an derselben gewahrt werden könnten, eine sehr erhebliche 
Besserung gegenüber dein bisherigen Zustande herbeizuführen geeignet sein, 
wenn sic nur wirklich znr Geltung gelangten. 
Die Interessen der Grundstücksbesitzer und die der Sanitäts-Polizei stehen 
sich auf diesem Gebiete einander diametral gegenüber und erschweren deshalb 
eine Einigung zwischen der bei dem Erlaß einer neuen Bau-Polizei-Ordnung 
zuständigen Behörde. Die Grnndstückbesitzer sind bemüht, eine Bodcnflächc 
so zii bebauen, daß sie durch den Miethsertrag der auf ihr hergestellten Wohnungen 
den größtmögliche» Zins trägt, die Sanitäts-Polizei dagegen muß es sich bei 
dem nachtheiligen Einfluß, den, wie allgemein anerkannt, die Dichtigkeit der 
Bevölkerung auf die Gesnndhcits- und Sterblichkeitsverhältnisse derselben ausübt, 
vor Allem angelegen sein lassen, der bisherigen Art der Ausnutzung des städtischen 
Grundes und Bodens mit allen Mitteln entgegenzutreten, da dieselbe bereits zur 
Folge gehabt hat, daß kam» in irgend einer Stadt Europas so viele Menschen 
auf der gleichen Bodenfläche zusammengedrängt wohnen, wie es in Berlin der 
Fall ist. Nach Böckh's Angaben (die Berliner Volkszählung von 1875, 
I. Heft S. 86) komme» auf den Kopf der Einwohner Berlins im Jahre 
1875 61,14 Hl m Bodenflächc und die Berliner Häuser hatten durch 
schnittlich eine Einwohnerzahl: 
im Jahre 1828 von 32,21 Köpfen 
- - 1861 - 48,28 - 
- - 1864 - 49,68 - 
- - 1867 - 51,23 - 
- - 1871 - 56,84 - 
- - 1875 - 57,88 - 
während in den größeren Städten der Niederlande und Englands 6 —11, in 
London 7—9 und in seine» dichtest bevölkerten Stadttheilcn nicht über 12 Ein 
wohner auf das Haus kommen. Selbst das wegen der Dichtigkeit seiner Be 
völkerung übel beleumundete Wien hat Berlin bereits 1875 in dieser Beziehung 
überholt, obgleich jenes sogar Neapel und Prag übertrifft. Wir haben viele 
Stadtbezirke in Berlin, wo auf den Bewohner eines Grundstückes noch nicht 
1 Qnadratruthc (14,18 dm) Bodenfläche kommt und einige, bei denen ans jede 
Quadratruthe der Bodenfläche fast 2 Bewohner kommen. 
Die Ergcbmfse der Volkszählung des Jahres 1880 lassen eine Vcrbefferiing 
dieser Verhältniffe nicht erkennen, vielmehr kominen nach derselben nur noch 
52 □ m Bodenfläche auf den Kopf der Bevölkerung Berlins und dieselbe 
ist nur von einer neuen Bau-Ordnnng zu erwarten, welche mindestens in dem 
jenigen Maße, wie es durch den jetzt in Berathung stehenden Entwurf geschieht, 
die bauliche Ausnützung der städtischen Bodenfläche beschränkt. Falls dies
	        
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