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Volume No. 104., vom 28sten December

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

,8rt. JNo. 104, 
Der Preußische Vaterlands freund. 
Zur Unterhaltung und Aufheiterung. 
Sonnabend, den sgsten December. 
Dal MkO liex Her, faßt so 
U»««dlich viel; und ist doch manchmal auch 
So plötzlich »oll l »0» eine» Kleinigkeit 
(?o plötzlich voll. 
kessln«. 
Bemerkungen eines Beobachters der Zeit. 
E, ist wohl unbezweifell, daß e« der Jugend auf Uni» . 
verfilmten höchst wichtig ist, durch gesunde Logik ihren 
Verstand aufzuklären und zu zügeln; nicht aber mit 
Spitzfindigkeit und mit mystisch poetischen Salbade 
reien den Verstand zu verdunkeln und ihre ungezügelte 
Einbildungskraft zu entflammen, wodurch sie unnütze 
Glieder der bürgerlichen Gesellschaft werden. 
Jede Philosophie, — und die« ist auch der Fall 
mit jeder aiidern Wiffenschaft, besonder« aber mit der 
Theologie; — sobald fle eine praktische Philosophie 
wird, verliehrt ihre ursprüngliche Würd«, muß nach 
und nach aurarle» und ihre Schädlichkeit wird zugleich 
aus andere Wiffenschafren hineilen. Ditse nie genug 
zu betrachtende Wahrheit hat sich in der kileraturge» 
schichte von Aristoteles und Plato bi« auf Leibnitz und 
Wolf bestätiget. Noch kurz vor der Aurbreilung der 
Kantischen Seele stritten katholische Theologen für 
die kirchliche Untrüglichkeit al« der einzigen Schutz- 
mauer der katholischen Religion mit einem unerschüt, 
«erlichen Ernste; jetzt giebt c» Theologen in dieser 
Kirche, dir Kant« philosophische Orakelsprüche für eben 
IT. 
so untrüglich halten, wie einst ihre Vorfahren die 
Entscheidungen «ine« Pabste«. Man hat so oft, so viel 
und so laut über die Schädlichkeit der scholastischen 
Philosophie, und mit dem größten Rechte geklagt; 
und nun ist eine scholastischere Philosophie entstanden, 
al» jemal« eine da gewesen ist. Wenn die ehemalige 
scholastische den Wachsthum der Wissenschaften hin» 
derle, so muß diese« noch mehr von den neuen Sy 
stemen wahr seyn. Vormals war es dem Zeitalter z» 
verzeihen, wenn die scholastische Philosophie trocken, 
verworren und unverständlich aussah. Mit diesem 
Vorwand kan» sich die »euere, oder neuste Philosophie 
nicht entschuldigen, da wirklich beinahe alle Wissen, 
schaflen in der hoffnungsvollsten Blüthe stehen, eiiiatv 
der die Hände bieten und einander ungemein leicht 
vervollkommnen können. Wenn r« mit der neueste» 
Philosophie noch einige Jahre so fort geht, so wird 
e« in kurzer Zeit entweder gar keine Philosophie mehr 
geben, oder nur eine solche, die für die Menschen, 
wie sie wirklich sind, nicht taugt und nicht tauge» 
kann. Man kann ei» aufrichtiger Bewunderer von a», 
ßerordentlichen Talenten unserer nruen Denker seyn.
	        
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