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Volume No. 90., vom 9ten November

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

Augen, st lange fie ihn sehen konnte — aber ihn zu 
befragen — fehlte ihr der Muth. 
Jewehr Friedrich« Krankheit zunahm, um desto 
mehr sählke Henriette, wie theuer er ihrem Her 
zen sey. Hatte da« gute Mädchen etwa« von seiner 
Liebe geahnet, wie vielen »Ldtlichen Kummer hätte fie 
bann dem Vater ersparen können. 
(Beschluß solgt). 
Luther. 
( Fortsetzung.) 
« ist der Ehestand ein hoher Stand, wenn er wohl 
geräth; da er aber nicht geräth, so sollte einer lieber 
todt seyn, denn einen sichtlichen Teufel an der Seite 
haben. 
Die Welt spricht von der Ehe: Eine kurze Freude 
und lang« Unlust. Ein Narr ist, der ein Weid nimmt, 
sprich» die Melk, und ist auch gewiß wahr. E« haben 
auch viele der Gelehrten beschlossen: ein weiser Mann 
/olle kein Weib nehmen, wenn fle gleich die Weisheit 
selber wäre rc. Wiederum spricht der Geist: ein wei 
ser Mann ist, der ein Weib nimmt, da« ist auch ge 
mißlich wahr. Und die Wahrheit auch beschließt, baß 
ein weiser Mann soll ein Weib nehmen, wenn fie 
gleich die Narrheit selbst wäre. 
Die Ehe ist der älteste Stand unter allen in der 
Welt, und ist wirklich Ordnung de« Schöpfer«, der 
noch täglich Männlein und Fräulein geboren werden 
läßt; und ist mir nicht« köstlichere« auf Erden anzuse- 
hen, als wenn ein Vater und Mutter von ihren jun 
gen Sprößlingen umgeben stehen. — Ja, sagen fle, e« 
wäre gut ehelich zu werden, wie will ich mich aber 
ernähren? Da« ist freiltch da« größte Hinderniß der 
Ehen, da» aller H— Ursache ist. Allein «« steckt auch 
»ft Geiz und Zweifel an Gotte« Güte und Wahrheit 
dahinter. Sie wollen faule, lästige Schlemmer seyn, 
die nicht arbeiten dürfen. Dann wollen fle freien, 
wenn st« rech« reich« Weiber haben mögen. — Aber 
man flehet doch in der Erfahrung also. E« greifen 
manchmal ihr zwei zur Ehe, die kaum ein Hemd an 
zuziehen haben und nähren ssch doch still und fein, 
daß Lust ist. Wiederum bringen etliche groß Gut zu 
sammen, und e« verschleißet doch unter ihren Händen 
weg, baß fie kaum sich erhalten. Item: e» greifen 
zwei zusammen — au« großer Liebe und gehet nach 
Wunsch und Wohl zu und haben doch darnach keinen 
guten Lag mit einander. 
Natürliche Liebe ist zwischen Daler und Kinder, 
Nrudcr und Schwester, Freund und Schwäger, und 
dergleichen, aber über die alle gehe» die eheliche Liebe, 
da« ist eine Drautliebe, die brenne wie da« Feuer 
und suchet nicht mehr, denn da« eheliche Gemahl. Die 
spricht: Ich will nicht da« Deine, ich will weder Gold 
noch Silber, weder die« noch da«, ich will dich selbst 
haben, ich will« ganz oder nicht» haben. 
Man soll'« vor dem Derlöbniß snicht vielen offen 
baren, denn wenn viel Leute dazwischen kommen, so 
ist« gefährlich; nach dem Derlöbniß aber soll man nicht 
lange verziehen mit der Hochzeit. 
Wenn ein alter Mann ein junge« Weib nimmt, 
da« ist ein sehr häßlich Spektakel, denn an einem al, 
ten Mann kann keine Hoffnung »och Lust seyn, darum 
ist ein alter Maun und junge« Weib wider die Natur. 
Gleich und gleich paret sich am besten zusammen. 
Ist Schande, Weiber nehmen, warum schämen 
wir un» auch nicht Essen« und Trinken«. 
Wer fich der Ehe schämt, der schäme sich auch, 
daß er ein Mensch sey und heiße, oder mache e« bes 
ser, denn e« Gott gemacht hat. 
Daß du aber gerne «ine schöne, fromme und reiche 
haben möchtest, ey Lieber, ja, man soll dir eine malen 
mit rothen Wangen und weißen Beine», dieselben find 
auch die frömmsten, aber fle kochen nicht wohl und be 
ten übel. 
Die Kinder, die fich heimlich verloben, thun nicht 
allein unrecht, sondern auch thöricht, weil e» ein so ge 
fährliche», mühselige» Ding um den Ehestand ist, wenn 
er nicht wohl geräth und fle der Eltern Rath und 
Einsehn wohl brauchen. 
Wa« für Unheil kommen sey au« gezwungener Ehe, 
lehren und weisen un» tägliche Erfahrung wohl- Wenn da, 
her Eliern grobe Kautze seynd, und ihre Kinder zwingen 
in einigen Unwillen und Unlust, — unvernünftige 
Thiere thäten» nicht, — so könne» sich Kinder hinter 
ihrer Väter Willen verloben. Denn väterliche Macht 
ist den Vätern von Gott gegeben, nicht zum Mulh- 
willen, noch zum Schaden der Kinder, sondern diesel 
ben zu födern und zu helfen. Und wer dir väterlich« 
Macht ander« brauchet, der verläugnet fle damit, und 
soll nicht Vater, sondern Feind und Verderber seiner 
eigenen Kinder geachtet werden. 
Ehelich werden ist eine Arzeney für Unkeuschheit. 
Ein Weib ist ein freundlicher kurzweiliger Gesell 
de« Leben«. 
Ehe ist ein Stand, der den Glauben an Gott, dt« 
Liebe am Nächsten treibet und übet durch mancherlei 
Mühe, Arbeit, Unlust, Kreuz und allerlei Wider 
wärtigkeit. Auch muß dieEhe keusch gehalten werden, 
denn wo Schamhaftigkeit und Scheu verloren gehet 
da entstehet auch gewiß Unfriede und Eckel, daß fle 
sich einander satt und überdrüssig werden.
	        
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