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Volume No. 80., vom 5ten October

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

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Wo noch, deinem Er-be nah, 
Deine sanften Hirtenlieder 
Thal und Ufer wiederhallen, 
Süßer Schwan von Mantua!') 
Heilig, Äarlo«, ist dort jede Stelle — 
Ernst und feiernd sey de« Waller« Gang — 
Dort ist weder Flur, noch Hain, noch Quelle, 
Di- nicht dem Gedächtniß aller Zeiten 
Große Thaten, große Menschen weihten, 
Und der edlen Dichter Hochgesang. 
Genien der heil'gen Dorwelt schweben 
Noch, dem Geistetauge sichtbar, dort» 
Ihrer großen Todten Namen leben, 
Wie der Gottheit Weltall, ewig fort. 
Dort nur schöpft der Künstl-r, wonnetrunken. 
Sein begeisternd Ideal, 
Sieht und feiert — und der Götterfunken 
In der Seele flammt zum Götterstr al. 
Sieh auch du und seire! — Raphaele, 
Titian«, Vinci, Reni, wallt 
2» verklärter Lichtgestalt 
Dor de« jungen Künstler« Seelei — 
Ach, der Knechtschaft Joch drückt die Gefilde 
khmal« aller Künste Vaterland — 
Nur im stillen, ernsten Traumgebilde 
Forscht da« Auge, wo Athen einst stand, 
Blickt in deine Vorzeit, Griechenland! — 
Wirft du je die« heil'ge Land begrüßen, 
Karlo«, o so denke mein. 
Grabe, in bemoosten Stein 
An der heiligen Altäre Füße», 
Grabe meinen Namen ein, 
Und — er ist den sanften Künsten hold — 
Den geliebten Namen „Leopold"! 
Deinem Fürsten, deiner Führerin 
Kannst du nie ein schön'rr« Denkmal weihn, 
Und die edle Einfalt träufle Zähren 
Auf de« Rasen» stille Veilchen hin, 
Spreche sanft; ja, meine Freundin, Du 
Führtest meinen friedlichen Altären 
Einst den jungen Künstler zu — 
Hier wird meine Hand ihm Kränze winden, 
Die nur wenige Erwählte finden. 
E. v. Krosigk. 
•) Beiname de« Virgil«. 
Die Ehe. 
Eine glückliche Ehe bedarf ein so sonderbare« Zusam 
mentreffen seltner Umstände, so viel Resignation, Klug« 
heit und unüberwindliche Güte von der einen, so viel 
Duldsamkeit, Sorgfalt undMuth, so vielVernunsk von 
beiden Genen, daß «« über die Erträglichkeit hinau« 
wenige, unter ihr eine heillose Menge giebt. 
Hört die Frau auf, ihrem Mann da«Theuerste auf 
der Welt zu seyn, d. h. bleibt sie nicht an der Spitze 
seiner Freunde, verliert sie den Ehrenplatz in seinem 
Herzen, so gehr die Sonne unter im Hause, und ein« 
rennt in der Finsterniß gegen da« andre. Wo aber ist 
die Frau, die den Muth oder die Kraft und zu beiden 
den guten Willen hat, unverrückt nach diesem Ziele hin« 
zuarbeiten? 
Die Schwärmerei hält nicht Stich. — Der be« 
friedigte Mann tritt in sein Gleichgewicht; er fühlt mit 
Schmerzen, mit Betrübniß, wie wenig ihm sein gäh« 
nende» Weibchen seyn kann, und daß er mit ihr ziehen 
muß Arm in Arm, mit der Langenweile, leben,lang. 
Sie fällt von dem Himmel herab, in dem er sie vor 
kurzem hinaufschraubte, und e« bleibt ihm nicht«, al« 
der Glaube an die Tugenden, die er al« Anbeter ihr 
.andichtete, und -e hält e« für himmelschreiend, daß 
er nun mit Blindheit dafür sich geschlagen habe. Da» 
ist da« visum repertum von Millionen Ehen. Sie 
unglücklich, er elend, und dieser unselige Krei«lauf 
durch den Himmel in» Fegefeuer erbt vo» einer Ge« 
neration auf die andere. 
Wer nur ein« Ehe au« Sinnlichkeit schließt, nimmt 
kein liebende« Weib, sondern eine Maitreffe. 
Nicht von den verbundenen Händen, sondern vo« 
den verbundenen Herzen erwarte die moralische Welt 
neue würdige Bürger. 
Leben sregeln. 
an muß folgen, wohin die unsichtbare Hand be« 
Schicksal« leitet; folgen getrost und muthig, e» sey auf 
wilder Fluih oder auf ruhiger See. 
Der Bahnen sind viele, aber da« Ziel ist nur Ein», 
und da« Resultat am Ende jeder Bahn wird immer 
diese« seyn, daß gerade nur der durchlaufne Weg der 
beste und einzig mögliche zur Erreichung der höchsten 
Bestimmung für jeden Einzelnen war. 
Au« den Händen der Natur gehn wir hervor, rein 
und unentstellt, da« Siegel der Vollendung an unsrer 
Stirn; wie wir die» Siegel bewahren und sein Geprä 
ge wieder au«drücken mit Kraft und Anmuth in That 
und Wort, da» bestimmt unsern Werth. 
Da« schöne Bild jener liebevolle» Mutter, der rei 
nen Natur, möge, geistig veredelt, auf der ungetrüb 
ten Spiegelfläche uns er Seele wiederstrahlcn und sei 
nen sanften Glanz über alle Gegenstände um un» her
	        
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