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Volume No. 68., vom 24sten August

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

278 — 
dich sterbe ich auch. Mein vorletzte« Gebet an Sott 
ist für mich, mein letzte», so wie mein letzter Grdanke, 
ist dir gewidmet. 
Mitternacht schlagt! Lebe wohl, meine Adele. Be» 
sinne ich mich recht, so steht dein Name in der Ecke 
desDattistluch« — der ; aber betrübe dich nicht." 
Sobald Madame Daillant den freiwilligen Tod 
ihres Gatten erfuhr, nahen st« ihre ersten Geständnisse 
zurück, widersprach den Zeugen, die fle Halle zur Ver 
giftung brauchen wollen, oder die in einem Ammer 
versteckt, ihre Unterredung mit einem dieser Gehülfen, 
dem Bedienten Adolph, angehört hatten, und schob alle 
Schuld einzig auf den Verstorbenen. Selbst mehreren 
ihrer frühern und ste höchst verdächtig machenden Brie 
fen gab ste jetzt die Deutung: sie habe dieselben nur 
geschrieben, um ihren Gatten nicht in Gefahr zu brin 
gen- Er sey eigentlich »er Urheber de» frevelhaften 
Plans, und habe ste zur Ausführung gezwungen; sie 
habe nicht au« Bosheit, sondern au« Schwache und 
Klcinmüthigkcit gehandelt. — Die Gerichte sprachen 
die Nicht»,oürdige vornamlich aus dem Grunde los, 
weil da» Verbrechen nicht vollzogen worden; denn 
Adolph, dem >chon das Gift anvertraut war, Halle 
davon keinen Gebrauch, sondern der Obrigkeit Anzeige 
gemacht. —17. 
Der 17« August. 
83enn dem Verfasser de« Aufsatzes: Friedrichs 
Denkmal, die Konst kleinlich und beschränkt erscheint, 
weil fle noch kein Monument erfunden, würdig de« 
großen Friedrich: so fühlen wir dann die gesteigerte 
Anerkennung der nie genug zu preisenden Verdienste 
eine« Manne«, den wir einst den unsrigen nannten, 
k« ist aber nicht schmerzhaft, den Gedanken an ein 
Monument aufgeben zu müssen, da« — sey e« so pra'ch, 
»ig und kunstreich es wolle — doch immer ein ,u ge< 
wöhnlicher Behelf bleibt, da« Andenken eines Heroen 
zu bewahren, der flch selbst tausend Denkmäler gestif 
tet h5t, die, jeder Hinfälligkeit trotzend, sich erhallen 
werden, so lang e« eine Geschichte gibt. Wenn die 
Kunst zu klein, und die Welt zu arm ist, um durch 
da« Auge auf da» Gemüth zu wirken, so wähle ste 
da» einfachste, da» fle hak, und wirke durch da» Ohr. 
Die Mittag«stunde de« i/ten August» erwecke da« An, 
denken an Friedrich durch'« ganze Land. Ueberall, 
auf dem Dorfe wie in der Stadt, töne alljährlich vom 
Thurm herab die Glocke in langsamen Pulsen dir ein, 
stimmige Klage de« Volk« um seinen verlornen Lieb, 
ling, und mahne den Städter und Lanvman» zu frier, 
lich-ernsten Betrachtungen über die Herrschergröße 
Friedrich«. Ein gleicher Gedanke, ein gleiche« Ge 
fühl in einer und derselben Stunde durch ein ganze» 
Land» und in jedem Jahre einmal wiederkehrend: in 
dieser Allgemeinheit, .Gleichzeitigkeit und Neuheit finde 
da«-Volk seine Genugthuung und da» Andenke» Frt«, 
brich» seine flnilliche Unsterblichkeit. 
Th. Heinsiu«. 
21 n e k d 0 k e. 
Von San r. 
n einer Gesellschaft,' in welcher auch Kant flch 
besand, <a,u da« Gespräch auf sie gvtloauer IN einer 
andern W lt.» 
Einer von der Gesellschaft sagte zu Kant: Sie 
wird man oa wohl ivcnig habhaft werden können, 
wenti Sic in Ser Gesellschaft aller Weisen aller und 
lieuer Zen einen himmlische» Ktubb schließen werden? 
„Ach, Freund, bleiben Sie mir weg mit den Ge, 
„lehrten!" verseylk Ä ant: „wen» ich In Verändern 
„Welt meinem Lampe (so hieß sei» all-r Bediente) 
„begegne, jo werde ich froh seyn und ausrufen: Gott 
„Lob, ich bin in guter Gesellschaft!" — 
Sonde-rbaree Konzert. 
in italienischer Violinist kam nach London, und 
kündigte ein große» Konzert an. Er hoffte auf ein 
zahlreiche« Auditorium, aber er betrog sich, und ge 
wann kaum so viel, daß er die Kosten davon bestrei 
ken konnte. 
Er machte »och einen zweiten Versuch, und ver 
sprach auf dem Anschlagzettel noch weil mehr, als da» 
erstemal, aber er halte noch weniger Zuhörer als zuvor. 
Verdrießlich über den schlechte,l Erfolg seiiier Reise, 
fiel e« ihm endlich ein, die Neigung zum Sonderbaren 
bei der englischen Nation zu seinem Vortheil in Kon 
tribution zu setzen. 
Er gab sich nun alle Mähe, eine Anzahl gebrech, 
lieber und kranker Musiker aufzufinden, und vereint« 
solche unter der Benennung: 
Musikalische Akademie der Invaliden- 
Er selbst ward der Direktor dieser Gesellschaft. 
Er ließ daraus wieder «inen Anschlagzettel.drucken.
	        
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