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Volume No. 54., vom 6ten Juli

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

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schinackt aburtheilt, ohne daß man davon weiter No 
tiz nimmt. 
Zuweilen würde diese Nachsicht doch in Schwä 
che ausarten, und eine zweckmäßige Zurechtweisung ist 
gewiß s hr heilsam. 
Der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz hatte, 
wegen de» Wildsang»rechl«, vielfache Zwistigkeiten mit 
seinen Nachbarn, und er zog auch einmal deshalb ge 
gen den Herzog von Lothringen zu Felde, von welchem 
er aber am -s. September 166g geschlagen ward. 
EineFrau zu Weinheim hatte sich über den Kur 
fürsten auf eine ungebührliche Art geäußert, und ge 
meint, es wäre besser, er hielte Gänse als Soldaten, 
und machte seine Streitigkeiten lieber mit der Feder, 
als mir dem Schwerte au». 
Der Kurfürst erfuhr die«, und flr erhielt darauf 
folgende» Reskript: 
„Nachdem de« Pfalzgrafen churfürstl. Durchlaucht 
in gewisse Erfahrung kommen, daß de» Wirth« Frau 
zum Bock zu Weinheim ohnlängst fich gegen hohe Per 
sonen verlauten lassen, Churpfalz hinfuhr» eine Anzahl 
Gänse zu halten, damit man lieber mit Federn, als im 
Felde Krieg führe; Al« haben Ihre Churfürstl- Durch 
laucht ihr Anerbieten in Gnaden angenommen, und ist 
Dero gnädigster Befehl, daß gedachte Mirthsfrau die 
Churpfälzische Canzley jährlich mit Schreibender» ge 
nugsam versehe, solche alle Jahr, auf Martini da« er 
stemal, richtig licfere, auch daß diese« also geschehen, 
Canzleydirector vonWollzogen drob halten soll Hei 
delberg, den 20 Augusti 1669. Carl Ludwig." 
Charade. 
(Dreittlbize« Wort.) 
Bist du nicht von den feinsten Sitten, 
Und kennst du nicht die große Welt, 
Hast du nicht Titel, Adelebrief und Geld, 
So wirst du bei der ersten Syib- nicht gelitten, 
Weil der nur die« vorzüglich wohlgesällt. 
Ein Wink für Freimüthige. 
Äpollodor, ein römischer Baumeister, unterredet« 
sich einst mit dem Kaiser Trajan über einige der 
vorzüglichsten Gebäude. Trajan, ganz unwissend in 
der Baukunst, äusserte seine Meinung auf eine sehr ab, 
sprechende Weise. 
Apoll oder, erzürnt über die» Gewäsch, vergaß 
sich so sehr, daß er dem Kaiser, der sich damal« damit 
die Zeit vertrieb, Kürbisse zu malen, zur Antwort gab: 
„Ihr thätet am besten, bei Eurer Kürbi«malerei zu 
„ bleiben." 
Trajan rächte diese Unbescheidenheit nicht, al< 
aber Adrian zur Regierung kam, ließ er den Bau 
meister fälschlich anklagen und hinrichten. 
Witzige Kritik. 
^er geheime Legationrrakh Karl Ludwig von 
Woltmann hatte in seiner Schrift: Johann von 
Müller, Berlin, bei Hitzig »«»o. unter andern behaup, 
tet; daß die Kraft von Müller« Vortrage nur in seiner 
selbst gebildeten Sprache liege, und daß mit den weg 
geschnittenen starken Worte» oder Haaren, dieicm Sim 
sen die Stärke genommen sey. 
Ein Rezensent in der allgemeinen kileraturzeitung, 
Nr. i2o, ,8io. bemerk« darüber: »er wolle doch nie 
mand rathen, sich au« diesen abgeschnittenen Haaren 
eine Perücke zu machen. Wie sie kleide, zeige sich an 
vielen Figuren auf der Buchhändlermcffe, auch uuter 
andern an de« Herrn von Woltmann» Vorrede vor 
seiner Schrift." 
Apologie der gelehrten Frauen und weiblichen 
schönen Geister. 
^« gehört jetzt mit zum Ton unsrer pedantischen 
Sittenrichter, über die unnatürlichen Bemühungen der 
Die andern beiden zu erwerben, 
Mußt du die schwere Kunst verstehn, 
Ein Held, in'» Schlachtgewühl zu gehn, 
Den Degen in der Hand, beherzt zu sterben. 
Wenn rund umher de» Feinde» Fahnen wehn. 
Dereinst du mit den letzten beiden 
Die erste Sytbe; zeigt die« Wort 
Ein glänzend Amt, da« hier und dort 
Die Höslüige dem Günstlinge beneiden, 
Dem »ft der Reue Dolch di« Brust durchbohrt. 
K. M. 
Frauen, gelehrte Ke,»Nisse einzusammeln, ihr Ana 
thema auszurufen, und eine Menge Schriftsteller 
wird es nicht müde, die Schöngeister weiblichen Ge 
schlecht« zu bespötteln und zu bewitzeln. 
Man erlaube mir aber, al» ver Ritter dieser ge» 
lehrten und jchöngeisterischen Damen aufzutreten, und 
in den Schranken der gelehrten Republik den Fehde 
handschuh mit unerschrocknem Muth hinzuwerfen. — 
Wer sich berufen fühlt und Herz hat, hebe ihn auf zu 
einem ehrenvollen Äampsspiel. Womit soll und kann sich 
eine Dame nach der Mode die Zeit angenehmer und
	        
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