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Volume No. 51., vom 25sten Juni

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

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sollten, bei ihren Weibern zu untergraben; und nach 
einigen Jahren sinden sie dann in der Ehe nichts als 
Elend und Kummer, die sie sich durch ihr unvorsichti« 
ge« Verhalten selbst zugezogen; beide Gatte» verachten 
oder verabscheuen sich dann: «raurige Wirkung der 
fehlerhaften Erziehung, die nicht« ander« zu beadsich» 
ligen scheint, als den Zweck der Ehe d. i. häusliche« 
Glück zu vereiteln." 
Möge der Ausspruch dieser «ackern Pariserinn ein 
geneigte« Gehör finden. 3—. 
Räthsel. 
Ich kenn' ein schönes helle« Feld, 
Auf dem viel goldne Lämmer weiden; 
Es wird vom blauen Glanz erhellt, 
Sic Hüpfen drauf in Lust und Freuden, 
Wenn Nacht die müde Erde kühlt; 
Schön ist der Hüter, der sie führet, 
Doch schöner ist der Dieb, mit licht'rem Glanz gezieret, 
Der diese weißen Lämmer stiehlt. K. M. 
Berlin. 
Die Demoiselle Fickert hat ihr, in der Gertraud- 
tenstraße am Wasser belcgcne« schöne« Hau« dem Schind 
ler,chen Wai,enhause, einer Erziehungsanstalt für va 
terlose Kinder, aus welchem schon viele treffliche Män 
ner hervorgegangen sind, die dieser Anstalt und dem 
Walerlande'Ehre machen, dergestallt vermacht, daß 
diese Anstalt schon jetzt den Gebrauch desselben haben 
und dahin verlegt werden kann, wohingegen sie sich 
eine Leibrente von 7$o Thlrn ausbedungen hat. Au« 
gleich hat sie 5000 Thlr. dazu bestimmt, um das Hau« 
zweckmäßig einrichten und die nöthige» Reparaturen 
damit bestreiten zu können, damit e« ganz im brauch- 
dare» Stande sey, wofür sie nur auf ihre Lebenszeit 
die Verz iisung de» Kapital« begehrt. 
* Der jedesmalige erste Kuralorde« Waisenhauses, wel 
ches, dem Willen des Stifter« gemäß, der zeitige Probst 
der St. Nicolai-Kirche stet« seyn muß, erhalt, nach 
der ausdrücklichen Bestimmung der edlen Wohlthäterin, 
freie Wohnung in diesem Hause, damit er eine desto 
genauere Aufsicht über da« Institut führen kann. 
Dergleichen Vermächtnisse zum allgemeinen Be, 
sie», für Gymnasien, Schulen, Waisen-, Armen-, Kran 
kenhäusern und zu ähnlichen wohlthätigen Zwecken wer 
den in unserm egoistischen Zeitalter immer seltener, 
und sie verdienen'daher um so mehr einer öffentlichen 
ehrenvollen Erwähnung, al» die menschenfreundlichen 
Wvhlihäier gern auf den Beifall ihrer Zeitgenossen 
Verzicht leiste», zufrieden und belohnt genug durch da« 
Bewußtseyn, Gute» im Verborgenen gethan zu haben. 
Ku nst n a ch rieh t. 
Don den mimischen Darstellungen unser« treffli 
chen Künstler« und Schauspieler 2istand, die den 
Gebrüder» Henschel alle Ehre mache», sind wiederum 
drei Hcsie ei schiene», weiche eben so, wie die beiden 
eisten, interessante Momente theatralischer Darstcllun, 
ac» zeige». 
Im dritten Hefte findet man scch« Situationen de« 
Magisters Lämmermeyer au« dem Lustspiele, K ü n st, 
lers Erdenwallen, nämlich: 
Art 2. Scene 1. 
Buchhändler sind gebohrne Feinde der Autoren! 
Act 3. Scene 1. 
Herr Feind! eine Alpe mir de» Händen wegschleu 
der» ist leicht; mit Buchhändlern sich einigen, schwer. 
Acr 2. Scene >. 
E» ist Hannche», eine kleine junge Magd, ich ver 
sprach ihr zu dieser Messe ein Kleid.— 
Act 2. Scene3. 
Teufel, da« wird Apostrophe geben! 
Act 4. Scene 3. 
E« wohnt zu viel Vernunft in mir; platonische, 
sokralischc, pythagoräische Vernunft. 
Acl 4. Scene 9. 
Gar du nahmst auch nach Leipzig deinen Zug, 
hat denn die Messe micht schon Kreuz genug? 
Im vierten Hefte sind sechs Scenen, den König 
Lear aus dem Schauspiele glerche« Namen« von 
Schakcrpear, vorstellend. 
Acr 1. Scene 10. 
Kommt doch näher — sagt mir, guter Freund, 
wer ich bi»? 
Act 1. Scene ir. 
Bist du meine Tochter? 
Acl 3. Scene 3. 
Was machst du, lieber Bursche? Friert dich? — 
mich friert selbst! 
Act 4. Scene 9. 
(Glvsler). Ist es nicht der König? 
(Lear). 2», jeher Zoll ein König? 
Act 4. Scene ic>. 
und wann ich dann meine Schwieger 
söhne und Töchter heimlich überfallen habe — dann 
schagt todt, todt, todt! 
Act 4 Scene ir. 
Wo bin ich gewesen? wo bin ich? helle« Tage«, 
licht? man macht mir gräuliche Blendwerke. 
Im fünften Heft eben so viel au» dem Essig» 
Händler von Mercier, nämlich de» Effighandler 
darstellend. 
Act i. Scene 7. 
Solltest du dich wohl deine» Vater«, weil er ein 
Effighandler ist, in der Welt schämen? 
Act 1. Scene 7. 
(Dominique Vater). Da habe ich aioch so einen 
Sparpf», 
(Dominique Sohn). Seil langer Zeit komme ich 
ja mit meiner Besoldung au«. 
Act 1. Scene 7. 
Schöner weiblicher Charakter! 
Act Scene 2. 
Rühre mir den Schubkarren nicht an, er soll hier 
bleiben, ja auf diesem Flecke. 
Act 3. Scene 4. 
(Delomer) Euer Sohn? 
(Dominique) Ja mein Sohn — 
Act 3. Scene 7. 
Sie ist roth geworden, ihr Herz hat gesprochen. 
Im flebenten Hefte wird Madame Bethmann 
al« Lady Mackbeth in sech» verschiedenen Scenen 
dargestellt werden. Sie sind eben so gelungen, als die 
Darstellungen von Iffland, in den sich« ersten Hef» 
ten, und hauptsächlich sind die Künstler sehr glücklich 
in der Achnlichkcil der Physiognomie der berühmten 
Schauspielerin gewesen.
	        
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