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Volume No. 47., vom 11ten Juni

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

der Hand fassend, herein, und befahl diesem, nicderzu- 
knien. Hierauf nahm der Monarch seine» Hulh ab, 
und rühmte in Gegenwart der Anwesenden dH Brand, 
horst« Verdienste, dem er seinen Huth mit den Wor 
ten aufsetzte: 
»Hiermit kröne ich Euch zumDoctor, Ihr seyd der 
wahreDoctor, und Ihr (zu den Berliner Doctoren 
fich wendend) Ihr seyd wahre Dlatlsch-,-er; scheert 
Euch zu Hause." 
Brandhorst wurde zumLeib-ChiroitguS und 
Hofrath ernannt, und erhielt einen Doctor-Ring mit 
der Devise: 
.»Dodor Doctissime Aesculapius illustris nostris 
temporis." 
Di 
o n d e n T s ch e r k e s s e n. 
(Fortsttzuiia.) 
^ie Tscherkeffisch« Sprache ist eine von allen übri 
gen gänzlich unterschiedene und wird in der kleinen 
und großen Kabardah und bei dem StammeLoslon, 
der a» derDaba wohnt, rein gesprochen, dahingegen 
die anderen Tscherkessischen Völker jenseit« de« Ku 
lans bi« zum schwarzen Meere zu, fie in mehr oder 
weniger abweichenden Dialekten sprechen. Er kommen 
darin sehr viel zischende und schnalzende Jungen - und 
Gaumbuchstaben vor, die ihre Aussprache für einen 
Fremde» fast unmöglich machen. Ich bin besonder- 
bemüht gewesen, Worte und Phrasen au« derselben zu 
sammeln, die zu Ende de« zweiten Theil« abgedruckt 
werden solle». Bücher und Schriften haben sie in 
ihrer eigenen Mundart nicht, und bedienen sich im 
Schreiben gewöhnlich der Tatarischen, da« im ganzen 
Kaukasus verbreitet ist. 
Im Ganzen sind die Tscherkesien eine schone Na 
tion zu nennen, und vorzüglich zeichnen sich die Män 
ner durch einen hohen und schönen Wuch« au«, weil 
sie alle« mögliche anwenden, um ihre schlanke Ta>i!e 
zu erhalten. Ihre Statur ist nur mittelmäßig hoch, 
doch sind sie sehr nervigt, aber nicht fett. Schultern 
und Brust sind breit, der Unterleib aber sehr schmal. 
Sie haben gewöhnlich braune Haare und Augen, einen 
länglichten Kopf und schmale und gerade Nasen. Ihre 
Frauen find bei weitem die schönsten im ganzen Kau 
kasus, doch muß ich bemerken« das der allgemeine 
Glaube, als bevölkerten vorzüglich sie die Türkische» 
Serail«, ganz grundlos ist; denn die Tscherkesien ver 
kaufen höchst selten ihre eigene Landsleute a» die Tür 
ken, sondern nur geraubte Sklaven. Die größte Menge 
schöner Frauen kommt aus Imereti und Mingrelien 
nach der Türkei, dahingegen der Menschenhandel der 
Tscherkesien sich fast nur auf männliche Sklaven be 
schränkt. Die T'cherkesiischen Mädchen ziehen durch 
ein enge«, ledernes Kamisol ihre Brüste ko zusammen, 
daß man sie kaun, wahrnimmt, und die Weiber lassen 
sie wieder von den Säuglingen sehr ausdehnen, so daß 
sie bald hängtiid werde».— Die Frauen sind übrigen« 
bei de» Tscherkesien gar nicht so eingeschränkt, als bei 
den übrion Asiaten. 
Die Lleidnng der Männer gleicht der Kumückjsch« 
Latiulichcu, doch ist sie leichter und von besserem 
Zeuge, auch gewöhnlich reicher. Ihr Hemd ( Yana) 
ist enlweder von weißer Leinwand, oder nach Georgi 
scher Art von leichtem rolhen Tafk, und über der Brust 
zugeknöpft. Darüber tragen sie ein seidene« und ge 
wöhnlich gestickte« Unterkleid, und über die« eine Art 
kurzen Ueberrvck (Tscherkeffisch' Zieh, Tanarisch 
Ts che km en) der kaum über die Hälfte der Lende 
reicht, und über dem Bauche sehr eng zugeknöpft ist. 
Auf jeder Seite hat dieser kleine gestickte und in ver 
schiedene Fächer abgetheilte Taschen zu Patronen. Die 
Männer schneiden da» Kopshaar ganz kurz ab, und 
lassen nur von dem Scheitel die Haare einen Finger 
lang herunter hängen, die Haidar genannt werden. 
Die Tataren und Kisten scheeren aber den Kopf ganz 
ab. Sonst schoren die Tscherkesien den Bart und lie 
ße» nur einen Slutzbart stehen, allein jetzt lassen ihn 
viele wachsen. An den Schamtheilen schaffen beide 
Geschlechter die Haare weg, theil« durch abschneiden, 
theils durch ausrupfen und theils mit einer beizenden 
Salbe von ungelöschtem Kalke und Auripigment. Auf 
dem Kopfe tragen fl« eine kleine watiirte und gestickte 
Mütze, in Gestalt einer halben Melone. Ihre gewöhn 
lich kleinen Füße stecken in zierlichen rothen Stiefel» 
mit sehr hohen Absätzen, was einen ein viel größere« 
Ansehen giebt. — Nie geht ein Tscherkeß unbewaffnet 
au« seinem Hause, wenigstens nicht ohne Säbel und 
Dolch am Gürtel, und mit feinem rauhen Filzmantel 
(Tscherkeffisch Dshsko, Tatarisch Jamatsche, Ar 
menisch Japindshi) behängt Zur vollständigen 
Rüstung gehört aber noch außer Flinte und Pistole ein 
Panzerhemd (As seh) ein kleiner Helm (Kip'ha) 
oder ein großer (Ta'sch), eiserne Handschuh (A s eh- 
teld) und Armschienen (Abchumbuch). Wenn 
fie im Pomp ausreiien oder Besuche machen, so sind 
sie noch mit Bogen, Köcher und Pfeilen geschmückt, 
den Gebrauch de« Schildes aber kennen sie nicht. Ihre 
Panzerhemden sind größtentheils sehr kostbar, und e» 
soll solche geben die so gut gearbeitet sind, daß man 
sie zur Probe auf ein Kalb legt, und mit einer scharf 
geladenen Pistole darnach schießt, deren Kugel aber 
weiter keine Wirkung hat, und nur das Kalb etwa« 
stolpern macht. Unter dicseiii Panzerhemde tragen sie 
im Kriege ein waitirle« Kleid, Vas durch seine Elasti 
zität die Kugeln noch bcffer abprallen macht. Die bc, 
sten Panzer erhalten fle von den Kubetscha inDha- 
gestan, allein auch im Lande der Abchals am schwar 
zen Meere sollen sehr gute verfertigt werden. DieKo- 
sacke:, haben indeß jetzt einen besondern Kunstgriff, im 
schnellen Reilen ihnen den Panzer mit der Spitze der 
Pieke aufzuheben, und fle zu durchboren. Ueberhaupt 
sind ihre Waffen alle von vorzüglicher Güte, aber auch 
sehr theuer, Venn die ganze Bewaffnung eine» Fürsten 
wird auf aooo Rubel Silber an Werth geschätzt. Eine 
ihrer Hauptbeschäftigungen besteht mit darin, daß sie 
Waffe» und Gewehre in Ordnung bringen und putze», 
und wirklich halten sie dieselben besiändig sehr glän 
zend und nett. Schon beim frühen Morgen umgurlen 
sie sich mit Säbel.und Dolch, und sehen j ob die übri 
gen Stücke der Rüstung nicht von der nassen Nacht- 
luft gelitten haben. Ans ihren Zügen dient ihnen ihr 
kleiner Sattel zum Kopfkissen, das darunter liegende 
Stück Filz zum Bell, uud ihr Filznianrel zur Decke. 
Bei schlechtem Wetter machen sie sich auch von de», 
Filz ei» kleine« Zelt, da« mit Baumästen gestützt wirb. 
Sie erhalte» ihre übrige Waffen theil» vön den Tür 
ken und theil» au« Georgien, doch findet man sehr 
viele alte Venetianische und Genuesische Säbel und 
Pistolen bei ihnen, die in hohem Werlhe stehen Feuer, 
steine sind selten, und jetzt bekommen sie die mehrsici.
	        
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