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Volume No. 28., vom 6ten April

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

noch fallen, und sie hat nicht« davon als die Mühe. 
Warum Antoniu», nachdem er schon j» den Frieden 
gewilligt, durch die moderne Ausfoderung gegen Okra, 
v tan den Kampf von neuem beginne, ist „ichi gezeigt, 
und so ist für den Fortgang und das Ende der Bege 
benheit kein Motiv da. Zum Schluß und zur Belusti 
gung unserer Leser heben wir nur noch folgende» an 
genehme Rezept zu einem vollkomnen dramatischen 
Salat au», da« Antoniu« nicht lange vor seinem 
Ende uu« mittheilt: 
— Wir haben ja gewonnen 
Wa« zu gewinnen war — ein Tropfen Oel 
Zum sauern Leben«essig — 
Die hiesige Direktion hae oerstandig die Lächerlichkeit 
gemildert durch diese Veränderung 
— ein Tropfen Oel 
zum Herden Lebensbecher. — 
Zu den Ungeschicklichkeiten in der Ausführung ge/ 
Hirt auch die, daß in den leidenschaftlichsten Stellen, 
die Rede in Hexameter übergeht- bieie Versart dis 
durch ihre stetige- regelmäßige, immer wiederkehrende 
Melodie am meisten den Charakter der Ruhe in sich 
»ragt, und daher vorzugsweise für da» Epo« gebraucht 
wird. 
Die Darstellung aus unserm Theater gelang die«, 
mal sehr wohl, vorzüglich durch die Bemühungen der 
M. Schür, die wir einst auf unserer Bühne zu bc, 
sitzen dar Glück halten. Ihr Talent hat sich in den 
Jahren ihrer Abwesenheit „och mehr entwickelt und 
höher ausgebildet, vornehmlich durch das Studium 
der Gebehrden und Stellungen, in denen es nicht 
leicht eine Künstlerin ihr zuvor thun möcht«. Sie g«, 
hört zu der Klaffe der stet» besonnenen und denkenden 
Schauspielerinnen, bet denen jede Bewegung, auch 
die allerkleinste, jede Modulation der Stimme als e»ne 
Frucht de« Studium» und der Ueberlegung erscheint; 
wir glauben indeffen dem Dank und dem Lobe, da» 
ihre glücklichen Bemühungen so sehr verdienen, nicht 
zu nahe zu treten, wenn wir bemerken, daß die höchste 
Konst die ist, die in der Ausübung nicht als Kunst, 
sondern vielmehr al« eine nothwendige Ä ußerung de« 
natürlichen Gefühls erscheint; da« berechnete und über, 
legte darin darf, so richtig e« auch sein mag, nicht 
al« solche« hervortreten. Es ist kein Zweifel, daß 
M. Schüz auch diese Staffel der Kunst, der st« schon 
so nahe steht, sehr bald betreten werde. Mlle. Beck 
zeigte ihr schöne» Talent in »er Rolle der Klevparra 
sehr glücklich; sie spielte dieselbe mit einer natürlichen 
Lebendigkeit, mit richtigem Ausdruck, mit ächtem Feuer in 
Sprach« und Bewegung. Herr Direktor Jffland 
hatte al« Antoniu« mit der Armseligkeit seiner 
Rolle zu kämpfen. Er bestand den Kampf so glücklich 
al» e« möglich ist, denn welcher Künstler dürfte hos, 
fen in diesem Charakter sein Talent in einem schönen 
Lichte zu zeigen; auch der größte muß erliegen unter 
d.r Last, die der Dichter an seine Füße gehängt 
hak. N. 
Gegenerklärung. 
(E.ugesandt.) 
„Die kandescollekle zum Aufbau der Pctrikirche 
„hat einen schlechten Fortgang, denn Alle, die sich 
„vernünftig glauben, stimmen für die Abtragung 
„der Ruine, und hier wollen sie zu den Kosten 
„gern beytragen, weil doch eine beveulcnoe An» 
„zahl Mensche» für die Zukunft der Gefahr ent, 
„gehe, ihre Habe durch Feuer zn verlieren. Der 
„Or, paß« nun einmal durchaus »ich« für eine 
„Kirche, uns Berlin ha« ohnehin der Kirchen 
„fast mehr al» zu viel." 
So laß! sich ein unberufener Correspondent au« 
unserm Berlin, in der ryasten Nummer des Morgen» 
blaits vom vorigen Jahre, unterm 6len November 
vernehmen. So wahr cs seyn mag, daß die Lanoes» 
collekie — bey dem Geist der Zeit, der lieber Kirchen 
nieoerreißen mögte al« aufbauen, und bey dem allge 
meinen Druck der Umstände — für solch einen Bau 
von nur geringer Bedeutung ist: so sind doch seine 
Angabe» eben so voll von Unrichtigkeiten als seine 
Urtheile. Wenn ander« nicht das Wörtchen: „glau 
ben," ironisch unterstrichen seyn soll, so giebt er 
der Verständigen unv Wohlgesinnten, die sich auch 
vernünftig glauben, eine nicht unbedeutende 
Zahl, welchen der Wiederaufbau der zerstörten Kirche 
nicht bloß eine Angelegenheit de« Kunstsinn» und 
Geschmack«, sonder» des Geistes und Herzen« gcwor, 
den ist. Diesen wird die Freude werden, in Kurzem 
au« der Hand eine« unserer trefflichsten Künstler, den 
wahrhaft große Zdeen begeistern und ein feiner Tact 
sicher leite«, ein— ausführbare» und herrliches Ideal 
zu dem Neubau des Heiligthums mit Benutzung der 
ehrwürbigeil Ruine entgegen zu nehmen. Deren da« 
gegen di« so gar zu den Abiragungskosten der Ruine 
gern beytragen mögten, dürften— nur wenige—- 
dem Heiligen enifremdelgewordene und über da», was 
unserer Zeit noth thut, n,chl sehr aufgeklarte Menschen 
seyn. Wenigstens ist der angegebene Grund so un 
haltbar, daß, wer die Kirchen Berlin« kennt, darüber 
lächeln oder auf der Stelle wünschen müßte: daß von 
allen Kirchen, die jetzt Berlin zählt, allenfalls 4 bis 
6 stehen bleiben, die andern alle aber niedergerissen 
werden mögten. Denn ungleich näher von Häuser» 
umgeben und umdrängt, al» cs die Ruine» der Petr«, 
kirche sind, stehen die allermeisten Kirchen i» engen 
Schluchten, oder mitten in der Häuserreihe der Stra 
ßen. Diese müßten, wenn Kirchcu al« solche, Feu, 
«rsgefahr br,ngcn, von der Polizey keinen Mona« 
länger gedulde« werden. Daß gerade derOrt, wo die 
abgebrannte Kirche stand, durchaus nicht für eine 
Kirche paffe, ist unbegreiflich, da er geräumiger ist 
al« — viele Kirchenplätze, von Venen Niemand Böse« 
spricht. Die.Behauptung aber, daß Berlin fast 
mehr al« zuviel Kirchen habe, kann nur den 
Beyfall Dcffei, finden, den auch Eine Kirche schon zu viel 
dünkt, oder Dessen, ver in eine schwarze Zukunft sieht, 
und sich in den Wahn der Unglücklichen hineinträumt» 
welche dem Geist der Zeit die Macht zutrauen, daß 
er alle» Heilige binnen Kurzem zerstören und jede« 
Heiliglhum unnütz und überflüssig machen werde. 
Dahin ist e«, Gottleb, mit unsrer Zeit und Genera» 
tion noch nicht gekommen. Auch diese« Gesunkene 
wird sich heben, und, wenn e« sich hebt, und der 
Sinn für Religion und religiösen Cultus wieder all 
gemein wird, so Durfte es bald sichtbar werden, daß 
Berlin — arm, nicht nur an schönen, zweckmäßigen, 
die Religion wie die Residenz verherrlichenden, son 
dern überhaupt arm an Kirchen ist. Dann gäbe 
e» «ine eigene arithmetische Aufgabe, eine Gerera« 
tion io bi» 12000 Seelen, die jetzt ihre» Tempel« be 
beraubt ist, zu andern Gemeinden, die selbst nicht 
Raum für sich haben, einzupfarren oder einzumieihen. 
E« lebe und wirke und walte denn der gute Geist, 
der sich theilnehmcnd freue«, wenn ein Gottes» 
hau« au« seinen Ruinen schöner und Herr, 
licher wieder emporsteigt. So geschehe t» 
in dem uralten Cöln, da» ein höherer Schutz behüte 
und segne! 
Ein Freund der öffentlichen Andacht 
und der Pelrikirche.
	        
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