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Volume No. 27., vom 2ten April

Full text: Der preußische Vaterlandsfreund (Public Domain) Issue1811 (Public Domain)

No, 27. 
i$ii. 
Dienstag, den fiten April. 
OOctCCOOOC«JO»l>!X>05COOCX>00^0<500' 
Die Verlobung, 
eine Geschick) re von Gestern. 
m letzten Abende de« Märzmonates stand rin jun, 
ger Mann, den wir Ferdinand heißen wollen, vor der 
Thür seiner Geliebten. E» war so dunkel, daß er sich 
^ahe genug hinzu machen durste, ohne von dem Vater 
der schönen Therese, der ihn um seiner Armuth willen 
nicht leiden mochte, bemerkt zu werden, aber dieselbe 
Dunkelheit verbarg ihn auch vor den Augen de«Mckd< 
chen«, welche ihn Heute nicht erwartete. Er mühte 
sich ab, ihr bemerklich zu werden, ohne daß er e« den 
übrigen Hausgenossen würde, und so trat er endlich in 
seiner Ungeduld dicht an die Fenster eine« untern Jim« 
niers, worin er Lichter scheine» sah. Aber e» war 
Theresen« Vater, der mit einem fremden Manne sprach, 
und Ferdinand wollte schon wieder zurücktreten, als er 
plötzlich au« dem Munde des Alten die Worte ver« 
nahm: ja, mein theurer Herr, da sich Alles so verhält, 
und meine Tochter Ihr Herz gewonnen hat, gebe ich 
sie Ihnen von Herzen gern, und Morgen soll die Der« 
lvbung seyn. — Darauf küßte der Fremde den künfli« 
ge» Schwiegervater inbrünstig, und dieser begleitete 
ihn aus's freundlichste bi« vor die Hau-thür. Draußen 
aber wartete Ferdinand bereit«, und so wie der Alte 
die Thür geschloffen halte, näherte er sich dem Frem« 
den, und sprach: Herr, wenn Sie einen Funken Ehre 
„n Leibe habe», so schieße» Sie sich morgen früh um 
II. 4 ..... 
Sonnenaufgang mit mir. Ich erwarte Sie an der Fa» 
sanerie. — Der Herausgeforderte schien über diese selt, 
same Anrede zwar verwundere, aber nicht erschreckt. — 
»Ich stehe zu Dienst," sagte er; „aber lassen Sie mich 
wissen, wer Sie sind, und warum ich mich mit Ihnen 
schießen soll." — Da« Warum sollen Sie draußen hö» 
ren, «Mgegnete Ferdinand; wer ich bin, können Sie 
gleich erfahren, damit Ihnen deutlich werbe, wie vkek 
Ehre Ihnen auf alle Fälle durch diesen Zweikampf wi 
derfährt. — Darauf nannte er ihm Stand und Na 
men, und verließ ihn eilig, ohne auf irgend etwa« zu 
hören, obgleich der Fremde noch mancherlei hinter ihm 
hersprach und herrief. Nur noch einmal wandte er sich 
zurück, und sagt«: Herr, vom Zweikampf hilft Ihnen 
nicht« auf der Welt lo«, al« wenn Sie etwa kein Herz 
haben. Haben Sie aber dar, so find Sie morgen mit 
ausgehender Sonne a» der Fasanerie. — Damit rannte 
er ungestüm nach seinem Hause, begierig, seine Pistolen 
in Stand zu seyen, seine Briefe zu schreiben, und so 
dem inner» Grimme, der ihn verzehrte, durch anpast 
sende Beschäftigungen Raum zu geben. 
Daheim aber fand er einen Brief Karolinen«, die 
Nnc Vertraute seiner Liebe, und mir Theresen Geschwi« 
sterkind war. Durch ihre Hülfe hatten flch die Lieben 
den oftmals verstohlen gesehn, uud nun ward er eilig 
wieder nach Karolinen» Wohnung beschicden. Statt 
seiner Geliebten fand er aber diesmal Niemande» bei
	        
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