Publication:
1810
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9033301
Path:

No. 78.
igio.
Berlin
- e r Preußische Hausfreund.
Sonnabend, den Lasten September.
OOOOOOOOOO'
Ueber das Zeugniß Friedrich Wilhelms
des Großen: der Graf Schwarzenberg habe ihn
ermorden wollen, um selbst Kurfürst von
Brandenburg zu werden.
«hrere brandenburgische Geschichtschreiber mel>
den: der Graf Schwarzenberg habe den Kurprinzen
Friedrich Wilhelm, vornehmlich 1638 durch au«ge,
sandle Meuchelmörder und durch Gift aus dem Wege
zu raumen gesucht, um dereinst selbst Kurfürst
von Brandenburg zu werden; oder wie einer
unter ihnen (Gallus) sich ausdrückt: „um aus dem
Staube eines Edelmanns bis zum Gipfel eine« Reichs
fürsten herauf zu klettern, und sich den Kurhut auf
zufetzen." Fragt man: woher sie denn so genau von
den durch gar keine Dokumente erwiesenen Planen
des Grafen unterrichtet sind? so lautet die Antwort:
aus dem Tagebuch des D. Gahrliep von der
Mühlen. Diesem seinen Leibarzt habe der große
Kurfürst selbst in den Jahren »665 oder 1666 ver,
traulich entdeckt, „daßSchwarzenberg ihm, der als
Kurprinz der einzige Erbe gewesen, verrä»
«herisch nach dem Leben trachtete, weil er nach
der Kurwürde gestanden" Durch dies Zeugniß
hielt man, wie cs scheint, die Sache völlig entschieden,
und eine nähere Prüfung derselben entweder nicht
nöthig oder nicht thunlich; gleichsam als wäre die
vermemte Ausfege des großen Kurfürsten über jeden
in.
Zweifel erhoben. Dies ist sie aber gewiß nicht: denn
man braucht die bereit« bekannten und bewährten
Quellen nur mit einiger Besonnenheit zu untersuchen,
so zeigen sich Zweifel; sie zeigen sich in einer Stärke,
daß sie fast zu der Behauptung zwingen: Friedrich
Wilhelm könne sich über Schwarzenberg« Entwürfe
gar nicht in den Worten erklärt haben, die D. Gahr<
licp ihm in den Mund legt. Für echt lasten sie sich
nehmlich bei genauer Ansicht nur unter der Voraus
setzung halten: der große Kurfürst habe von den
damaligen Mitgliedern seiner Familie gar keine
Kunde, von den Haupt- und Grundverträgen seiner
Hauses gar keine Kenntniß, und von der Lage der
politischen Angelegenheiten in jenen Zeilen eine
ganz verkehrte Vorstellung gehab«; oder er habe we
nigstens dem sonst so klugen und wohlerfahrnen Pre
mierminister seiner Vaters eine so gänzliche stlnwis»
senheit über alle diese Punkte zugetraut.- Schwerlich
aber möchten weder die einen noch die andern die
ser Wcchselfällc starke Vertheidiger finden.
Offenbar ist doch der Sinn der Worte: „Schwar
zenberg habe dem Kurprinzen nach dem Leben getrach
tet, weil dieser der einzige Erbe gewesen, und je
ner nach ver Kurwürde gestanden", kein andrer
als dieser: „Friedrich Wilhelm war nächst sei
nem Vaier, der einzige Zweig des Kurhau
se«; wenn Er erblo» starb, so würde die Mark, zwar
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