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Volume No. 73., 12ten September 1810

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Issue3.1810 (Public Domain)

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keilen an. Die erste ist: Man genieße weder Wein 
noch gegorne Getränke, weder Butter, noch Fleisch, 
noch Brot, noch Salz, noch E:würze. Der zweite: 
Man hüte flch vor Kummer und Krankheiten. Schade 
nur, daß der unbekannte Menschenfreund nicht noch 
eine kleine Anweisung ertheilt har, wie man sich vor 
Kummer und Krankheiten durchaus zu hüten ver- 
mag. Vielleicht würde mancher sich der strengen 
Diät unterwerfen, wäre er seiner Sache nur sicher, 
dadurch auch gegen Kummer und Gram beschützt 
zu seyn. —17. 
Auffallende kirchliche Verfügungen im Preußischen. 
(y 
Jn von Huths Versuch einer Kirchcngeschichre des 
iLren Jahrhunderts, Augsburg 1829, werden ein paar 
preußische kirchliche Verfügungen erwähnt, von de 
nen sich gewiß kein einziger unsrer Geistlichen etwas 
»raumen laßt. Cs wird nehmlich erzählt: Friedrich 
Wilhelm 1. habe niehrere Neuerungen im Gottes 
dienst eingeführt, und selbst die Konsekrations- 
w v r t e im Abendmahl abgeschaffte Friedrich r. habe 
,740 den Lutherischen Wonedienern die Macht gege 
ben, in Ehesachen unbeschränkt, nur umsonst zu dis- 
penflren. Wir lächeln über diese Angaben, die offen- 
bar aus Mißverstand der,Verfügungen beider Mo 
narchen geschloffen sind Allein die Sache hat auch 
eine sehr ernste Seite. Herr von Huth zeigt sich 
sonst als gebildeter, kennlnißreicher und gemäßigt ur 
theilender Katholik; desto mehr Glauben wird er 
daher bei denen finden, die dem Preußischen Staat 
nicht näher kennen. Was werden diese sich von uns für 
eine Vorstellung mochen, wenn schon zu unsrerGroß» 
väter Zeilen unter einem sonst allgemein als religieu« 
anerkannte» Monarchen die leiseste Erinnerung an 
den Stifter der kirchlichen Religion, obrigkeitlichen 
Befehlen gemäß, vermieden worden; wenn jeder Geist 
liche nach Belieben und ohne die mindeste Rücksicht 
auf die nächste Blutsvcrwandschaft Eben stiften 
dürste! W. C. 
Der Herr im Hause. 
Gebläut von seiner Hausmenade, 
märb, wie ein abgekochter Fisch, 
wählt Meister Schuol d,e letzte Retiradc, 
dar dunkle Plätzchen unterm Tisch. 
„Hervor! willst du zur Werkstatt reisen!" 
brüll, sie, und zeigt ihm die Karbatsche hin. 
„Nein!" ruft er: „nein, ich will dir weisen, 
„daß ich auch Herr im Hause bin!" 
Aui einem Schreiben von Freienwalbe. 
Meine Fußreise hierher ist vortrefflich von Stat 
ten gegangen, und ob ich gleich nur wenige Tage 
von Berlin abwesend seyn werde: so ist es Ihnen 
vielleicht doch nicht ganz unangenehm, wenn ich noch 
früher auf einige Augenblicke schriftlich bei Ihnen 
b>». — Fußreise kann man wohl eigentlich nicht sa 
gen; vielmehr Spaziergang; wenigstens von Ber 
lin bis Werneuchen, wohin die Ehauffee führt, ne 
ben weicher sich fast immer für den Fußgänger ein 
schön betretener Weg findet. Hier übernachtete ich; 
das Haus war voll Fremden, besonders Fuhrleuten, 
deren schwer beladene Wagen auf der Straße stan 
den. Früh am andern Morgen ging es weiter, und 
wenn ich auch das Mangelhafte des Wirthshauses 
und der Bedienung dahin gestellt seyn lasse, so kann 
ich mich doch nicht des Wunsches einhalte», daß für 
das äußerst ausgefahrne und sich immer mehr der 
Vergänglichkeit nähernde Straßenpflaster in 
Werneuchen etwas mehr geschehen möchte! — Gleich 
nachher, als ich diese Stadl verlassen hatte, fing ich 
an, meine gestrige getreue Führerinn, die Chaussee, 
gar sehr zu vermissen; doch für einen Fußgänger ist 
ihre Entbehrung noch erträglich, da die aufgestellten 
Stangen theils den fernern Weg nach Frc>enwalde 
bezeichnen, theil« man auch von Zeit zu Zeit Men 
schen auf dem Felde finde», die richtige Auskunft ge 
ben. Aber für die armen Fuhrleute ist in der That 
die noch »ich, weiter fortgesetzte Chaussee ein schmerz 
licher und höchst kostbarer Verlust. Ich traf zuwei, 
len mit ihnen a» solchen Stellen zusammen, wo sie 
wegen de» liefen Sande» oder anderer Untiefen kaum 
mehr als zwanzig Schritte fabren konnten, um erst 
wieder dem höchst enlkräflelen Vieh Zeit zur Erholung 
zu geben. Wie sehr wäre es zu wünschen, daß unsre 
für das wieder aufblühende Wohl des Lande» so thä- 
thig sorgende Regiernng, sobald es noch dringendere 
Angelegenheiten verstatten, auch auf diese so stark 
passirte Heerstraße ihr Augenmerk richtete, und zur 
Fortsetzung der Chaussee bl« Freienwaloe Anstalten 
irase Die Natur kommt dabei schon sehr zu Stal 
ten; denn an Steinen fehlt ee nicht; manche Strecken 
sind damit von aller Art wie übersäet. Auch ist ja 
bereits der erste Schritt geschehen; denn die aufge- 
stcliicn Stangen zu der fortzuführenden Chaussee er 
blickt man von Werneuchen bis Freienwalde. Um 
1» Uhr erreichte ich den Stern, und da» Schlimmste 
des Wege« war nun hinter mrr; je näher ich dem 
heilbringende» Freienwalde kam, je mehr wurde ich 
durch feine romantischen Umgebungen überrascht und 
entzückt. Wem es nicht Verhältnisse und Entbeh 
rungen verbieten, 0, der verlasse, wenigstens einige 
Tage in jedem Sommer, die schöne Residenz, und labe 
sich hier an dem doch noch schönern Genuß der gü 
tigen Natur! — Um 2 Uhr war ich in Freienwalde, 
und wenn mich die durchwandelten herrlichen G gen- 
den schon in die froheste Stimmung versetzt hatten: 
so ging diese nun noch in die seligste Cmpfindung 
über, denn ich fand — den genesenden Freund! 
Leben Sie wohl! .... 
Auflösung der Charade im vorigen Stück: 
K i r ch e i s e n. 
Für Schöncrlinde: 
1) In einem Briefe an H». Treumann ZThlr. 
i» Tresorscheinen. 2) Zwei harte Thaler, von Pr. 
S., einen für Hn. Treumann, den zweiten für die 
Gemeinde, g) 10 Thlr kl. Cour. von A, halb für 
Hn.Trcumann, halb für die Gemeinde. Dieirrici.
	        
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