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Volume Nr. 6., 20. Januar 1810

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Issue3.1810 (Public Domain)

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Wie Friedrich am Ende seinen Zweck erreicht, ist 
nicht-bekannt geworben, wenigstens kann es nicht 
erwiesen werden, wa« eine damals allgemeine Sage 
erzählte, daß der Pater-Wolf, als Beichtvater des 
Kaisers, das Anliegen des Kurfürsten unterstützt und 
die Einwilligung bewirkt habe. Genug, die Unter 
handlungen wegen der Königswürde waren im De 
cember 1700 geschloffen, und Friedrich reis'te noch 
in demselben Monat mit seiner Gemahlin und einem 
großen Gefolge nach Preußen ab, um sich daselbst 
die Krone aufzusetzen; dies that er selbst den rgten 
Januar 1701, nachdem er den Tag vor der Selbst- 
krönung den schwarzen Adlerorden mit der bedeutsa 
men Devise: Snum Cuique gestiftet, und solchen fei 
erlich unter eine Anzahl neuer Ritter vertheilt hatte. 
Erst den 6ien May zog Friedrich l. als König in 
seine Residenz ein. Die Namen Königsvorstadt, 
Königethor,Königs st raße, find noch bleibende 
Denkmale jenes feierlichen Einzuges, der an Pracht 
und Glanz alles überiroffen haben soll, was jemals 
in den Mauern Berlin« gesehen worden ist. 
R- 
Der Brand der Petrt-Kirche. 
Line Elegie. 
Berlin im Sept. »809. 
elche« Wesen und von welchem Stamme 
Näher« fich in unbekannter Tracht 
Meiner ragerstai« um Mitternacht? 
Wa« bedeutet diese Feucrflamme, 
Die empor von deinem Haupte wallt? — 
Und de« wilden Lockenwurfc« Fülle, 
Und de» Traucrkleides dichte Hülle, 
Was verkünden fie, du Rachtgestalt? — 
Wie, du schweigst, uud von de« Lager» Frieden 
Ziehst du mich empor mtt kalter Hand? — 
8a& mich! Schon umgurr ich mein Gewand! 
Und Ermüdung ist und Schlaf geschieden. 
Sträubt e» gleich auf meiner Scheitel fich. 
Hängt an jedem Haar ein heißer Tropfen, 
Fühl' ich Grauen mir im Busen klopfen: 
Folgen will ich! Geh und führe mich! 
Und zur Kirche muß ich dich begleiten. 
Zum rrhab'nen, «Heuren Heiligthum, 
Zum Sanct-Petru».Dome, dessen Ruhm 
Menschen überleben mag und Zeiten? — 
Und du wirfst den Schleier vom Gesicht? 
Eine Thräne seh' ich dir entfallen? 
Aber in den nahen Gottcshallen 
Flamm« zugleich ein blendendroihe» Licht? — 
Nun erkenn' ich dich, du Schreckensbote, 
Dich und deine Sendung, Geist der Nacht: 
Ein Geschick, verheerend, wie die Schlacht, 
Trifft uns vor dem neuen Morgenröthe; 
Tückisch grausam, wie der Meuchelmord, 
Stürz« ee jetzt, in den geheimen Stunden, 
Wo des Schlafes Arm die Welt umwunden, 
Auf der Andacht heil'gen Zufluchtsort. 
Wie es wächst, das Licht, und sprüht und lodert, 
Wie der Rauch die Straße schon durchwallt, 
Wie des Wächters Feuerruf erschallt 
Und das müde Volk zusammenfoder«! 
Wie der Lärm sich weit und weiter wälz«, 
Und fich mehrt auf Erden und in Lüften, 
Gleich der Strömung in Gebirgeskläften, 
Wenn der Sonne Glurh den Schnee zerschmelzt! 
Athemlos vor Schrecken strömt die Menge, 
Haupt an Haupt, von allen Enden her. 
Rosse stampfen, Wagen rollen schwer 
Und durchbrechen mühsam da« Gedränge. 
Waffen klirren, um die blinde Wuth 
Und die freche Raubsuchr zu verscheuchen, 
Und Gewässer brausen au« den Schläuchen 
Unaufhaltsam in die volle Gluih. 
Doch umsonst belagern und bekämpfen 
Tausende mit Macht die Feuersbrunst: 
Nicht bewahrte Kraft und weise Kunst 
Wird den Grimm des Elementes dämpfen. 
Reißend, wie ein jäher Wirbelwind, 
Schießt cs nieder, fleucht es auf zurWolke, 
Und verkündet allem Erdenvotke, 
Daß Gewalt und Klugheit nichtig sind. 
Wehe, furchtbar praffelt um die Säulen, 
Schonungslos zersprengt den hohen Dom, 
Wild ergreif« den Thurm der Feuerstrom! 
Horch, wie gräßlich seine Wogen heulen! 
Und die Rednerbühne stürzt herab, 
Und die Chöre brechen dumpf zusammen, 
Und den Hochaltar verwüsten Flammen! — 
Alle» Heil'ge wird ein weite« Grab. 
Höher schwillt die Garbe rother Funken; 
Grauenvoller wog« der Dampf empor. 
Welche« Donnerkrachen trifft mein Ohr? 
Ha! der Thurm ist plötzlich eingesunken. 
Heißer Schult und Asche stäubt umher, 
Und Entsetzen wirft da« Volk darnieder! — 
O, beschützt die Wohnungen der Brüder, 
Menschen! — Hier «st keine Rettung mehr! — 
Oede, wie hellenische Ruinen, 
Deren Mauern, einst mit Gold umfaß«, 
Jetzt dem Vogel, der die Leuchtung hasst, 
Und dem Marder nur zur Höhle dienen, 
Wird der Tempel, einst so groß und schön — 
Seine stolzen Bogen eingeriffcn, 
Seine Pfeiler allen Regengüssen 
Und Gewittern preis gegeben - stehn!
	        
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