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wenn ich auch gewiß wüßte, daß ich der ärmste
Bettler werden würde: so will ich doch meinen
Herrn, dein ich Treue geschworen habe,
nicht verlassen."
Welche treffliche, unsere Bewunderung er egende Züge
in dem Charakter diese« ausserordentlichen Manne«!
Aber — nicht immer sinder der Redliche
Dank! . . . Kaum war Joachim U vo > dem Schauplage
seiner Wirksamkeit abgetreten und sein Nachfolger
Johann Georg an der Regierung: als derbrave
Wann alle seine Aemter verlor, und in« Gefägniß
geworfen wurde. Unerwartet und unvorbereitet
traf rhn dieser Schlag; aber er erschütterte
seine schuldlose Seele nicht. Auch im Kerker verließ
ihn die Ruhe de« Geiste« nicht, die den Weisen
in jedem Unfälle, ,n jeder trüben, düstwn und bangen
Stunde aufrichtet, stärkt und «rüstet.
Man drang, nach seiner Verhaftung, in sein Hau«,
versiegelte seine Zimmer und Papiere. Man wähnte:
er habe aus Kosten de« Staat» sich bereichert, habe
da« Zutraue» und die Gunstbezeigungen de« jüngstverstorbenen
Kurfürsten zu seinem Privatvoriheile benutzt.
Und wa« fand man bei der Durchsuchung seiner
Papiere? Gallu« sagt:
„nicht zehn Gülden baare» Geld, keine Hypotheken,
keine Wechsel über ausgeliehcne Kapitalien,
sondern vielmehr seine väterlichen
Erbgüter verpfändet, seine Kleinodien
versetzt, und Schuldverschreibungen
«uk Rechnung de« Hofe« die Men-Da
standen seine Fea^yx beschämt, zernichtet, überzeug«
von seiner Unschlw-,
'Und welcher Ersatz für t>w Kränkung, für diese
Demüthigung ward ihm, dem Schuv>,ose„ ? Man höre!
„SeineRechtschaffenheit" — h^, xg nach den
Zeugnisse der Historiker — „ward ^ar anerkannt
und ihm von seinen abgenommen,^ 3[ cm ,
lern die Bürgermeisterstelle wieder gegeben:
lein Niemand ersetzte ihm seine Vorschüsse;
Niemand bezahlte ihm seine
Handverschreibunqen. Wan entzog ihm
noch größtentheil« die Einnahme von
seinem Amte, uin die Schulden abzutragen."
Und doch beugte ihn die« neue Unglück, da« ihn und
seine Gattin in die elendeste Lage versetzte, nickt!
Fühlte er sich doch durch den stillen Beifall seines Gewissen«
beloynl! ... O, er war jetzt nicht ein armer,
er war ein reicher Mann!
Und was ist'«, da« uns, selbst beym empfindlichsten
Mangel, erheitert? Wa« ist'«, da« uns,
har« an derSchwelle des Grabes, mit Ruheerfüllt?
... Ist es nickt das süße Bewußtseyn
treuerfüllter Pflichten, guter Handln»-f
cn, und eines wohl angewandten Leen«?
Schönflies in d. Neum. A. W. Loren,.
Neuigkeiten und
Berlin. den 25 December.
Heute ist zum ersten Wale Jphigenia in Aulls
gegeben worden. Alle Logen waren gefüllt, jeder
Raum mit Sorgsamkeil benutzt, denn nicht blos die
Berliner, sondern auch die zahlreichen Fremden, die
sich zur Theilnahme an unsererFreudc von Nahe und
f ern eingefunden Hanen, wollten hier die Königliche
amilie noch einmal feierlich begrüßen. Sie erschien;
ein allegorisches Ballet, welches durch Sturm und
darauf frlgenden Sonnenschein das Schicksal des
Preußischen Staat» versinnbildere, eröffnete da« Spiel,
worauf da« (durch die Zeitungen schon bekannt gewordene)
Deutsche God Uve tbe King, (den König
segne Gott!), in dem Orchester angestimmt, und von
dem ganzen sehr zahlreichen Publikum mitgesungen
wurde. Ein dreimaliges Vivat schloß diese herzliche,
feierliche Begrüßung. Sowohl diese« Vorspiel al»
die Oper selbst wurde zur vollen Zufriedenheit aller
Anwesenden exckutirl. — Nachdem da» Königliche
Paar eine Zeitlang verweilt hatte, begab e« sich
nach dem eben so überfüllten National-Theater, wo
e» auf eine gleich herzliche Weise von dem Publikum
durch ein mehrmals wiederholte« Vivat empfangen
wurde. Man gab hier zuerst ein Vorspiel: derVerrin,
von Herrn Jfflanv zu diesem Tage gedichtet,
worauf die Freunde vonBcaumarckoi« folgte.
An beiden Orten zeigte sich da» edleKönigspaar
mit gewohnter Huld und Güte.
Schon unterm igren Februar 1809, wo wir die
Hoffnung hegten, unsre geliebten Landcscltern wieder
in unsrer Mute zu haben, hatte die hiesige wohlthätige
Gesellschaft der Freunde, deren Zweck es ist, ihre
etwa in Verfall gekommene Mitglieder zu unterstützen,
außer anderen Anstalten, auch die jüdische Freischule
bedacht, und an den zeitigen Direktor derselben, Hn.
Bendavid, 25 Thlr. in Courant geschickt, um von
solchen, am Tage de« Einzugs unsrer Landcscltcrn,
Korrespondenzen.
bei jener Anstalt einen der Würde de» Tages gemäßen
Gebrauch zu machen. Wie konnte aber diese»
edle Geschenk glücklicher verwende« werden, als wenn
man dadurch «m Kleinen da» Muster nachahmte, das
uns im Großen vom Throne herab aufgestellt wird,
wenn man Verdienste belohnte! Die Lehrer dieser
Anstalt sind verdienstvolle Männer und haben nur einen
kärglichen Gehalt. Daher wurden jene 25 Thlr.
am 22. Dccemb. unter dieselben n ich Maaßgabe der
Stunden, die sie täglich geben, vertheilt. EhrfurchiSund
liebevoll ließe» dabei die Lehrer das majestätische
Königspaar, und mit Dankbarkeit die edle Gesellschaft
der Freunde, hoch leben!
Die Bewohnerinnen de»Thiergarten« haben, um
da« Andenken an die erfreuliche Rückkehr dcs Königl.
Paares auch für die Nachkommenschaft zu bewahren,
auf der, dem Restaurateur Bürtheaur gegenüber
liegenden kleinen Insel einen Opferallar errichtet,
und diesem Ori den Namen Luisen-Jnsel gegeben.
Bei der Einweihung de« Monumente, das die Inschrift
führ«:
Ihrer heimkehrenden Königinn
die Bewohner de» Thiergartens
geweihet d*» azsten December 1809.
wurde der Altar mit Blumengewinden und Kränzen
geschmückt, und von Demoisclle Klein ein durch die
Zeitungen bekannt gewordene« Gedicht gesprochen,
das aber nickt von Herrn Gehcimerath Wolf, sonder»
von einer als Dichterinn bekannten Dame Berlin«
verfaß« ist Wohl aber gehör« die Idee und Anordnung
de« Denkmals dem Herrn Gehcimerath Wolf,
so wie die Ausführung dem Herrn Direktor S ch a d ow.
Konig-bera in der Neumark.
In der Beilage zum ,8>en Stücke des preußischen
Hausfreunde» von diesem Jahre ist ein Aussatz
über unser Lyceum befindlich, welcher mehrere Unrich-