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Volume No. 105., 30. December 1809

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 3.1809 (Public Domain)

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wenn  ich  auch  gewiß  wüßte,  daß  ich  der  ärmste ­
  Bettler  werden  würde:  so  will  ich  doch  meinen ­
  Herrn,  dein  ich  Treue  geschworen  habe,
nicht  verlassen."
Welche  treffliche,  unsere  Bewunderung  er  egende  Züge
in  dem  Charakter  diese«  ausserordentlichen  Manne«!
Aber  —  nicht  immer  sinder  der  Redliche
Dank!  .  .  .  Kaum  war  Joachim  U  vo  >  dem  Schauplage
  seiner  Wirksamkeit  abgetreten  und  sein  Nachfolger ­
  Johann  Georg  an  der  Regierung:  als  derbrave
Wann  alle  seine  Aemter  verlor,  und  in«  Gefägniß
  geworfen  wurde.  Unerwartet  und  unvorbereitet ­
  traf  rhn  dieser  Schlag;  aber  er  erschütterte
seine  schuldlose  Seele  nicht.  Auch  im  Kerker  verließ ­
  ihn  die  Ruhe  de«  Geiste«  nicht,  die  den  Weisen
in  jedem  Unfälle,  ,n  jeder  trüben,  düstwn  und  bangen ­
  Stunde  aufrichtet,  stärkt  und  «rüstet.
Man  drang,  nach  seiner  Verhaftung,  in  sein  Hau«,
versiegelte  seine  Zimmer  und  Papiere.  Man  wähnte:
er  habe  aus  Kosten  de«  Staat»  sich  bereichert,  habe
da«  Zutraue»  und  die  Gunstbezeigungen  de«  jüngstverstorbenen
  Kurfürsten  zu  seinem  Privatvoriheile  benutzt. ­
  Und  wa«  fand  man  bei  der  Durchsuchung  seiner ­
  Papiere?  Gallu«  sagt:
„nicht  zehn  Gülden  baare»  Geld,  keine  Hypotheken, ­
  keine  Wechsel  über  ausgeliehcne  Kapitalien, ­
  sondern  vielmehr  seine  väterlichen
Erbgüter  verpfändet,  seine  Kleinodien ­
  versetzt,  und  Schuldverschreibungen ­

  «uk  Rechnung  de«  Hofe«  die  Men-Da
  standen  seine  Fea^yx  beschämt,  zernichtet,  überzeug« ­
  von  seiner  Unschlw-,
'Und  welcher  Ersatz  für  t>w  Kränkung,  für  diese
Demüthigung  ward  ihm,  dem  Schuv>,ose„  ?  Man  höre!
„SeineRechtschaffenheit"  —  h^,  xg  nach  den
Zeugnisse  der  Historiker  —  „ward  ^ar  anerkannt ­
  und  ihm  von  seinen  abgenommen,^  3[ cm ,
lern  die  Bürgermeisterstelle  wieder  gegeben:
lein  Niemand  ersetzte  ihm  seine  Vorschüsse; ­
  Niemand  bezahlte  ihm  seine
Handverschreibunqen.  Wan  entzog  ihm
noch  größtentheil«  die  Einnahme  von
seinem  Amte,  uin  die  Schulden  abzutragen." ­

Und  doch  beugte  ihn  die«  neue  Unglück,  da«  ihn  und
seine  Gattin  in  die  elendeste  Lage  versetzte,  nickt!
Fühlte  er  sich  doch  durch  den  stillen  Beifall  seines  Gewissen« ­
  beloynl!  ...  O,  er  war  jetzt  nicht  ein  armer, ­
  er  war  ein  reicher  Mann!
Und  was  ist'«,  da«  uns,  selbst  beym  empfindlichsten ­
  Mangel,  erheitert?  Wa«  ist'«,  da«  uns,
har«  an  derSchwelle  des  Grabes,  mit  Ruheerfüllt?
...  Ist  es  nickt  das  süße  Bewußtseyn
treuerfüllter  Pflichten,  guter  Handln»-f
 cn,  und  eines  wohl  angewandten  Leen«? ­

Schönflies  in  d.  Neum.  A.  W.  Loren,.

Neuigkeiten  und
Berlin.  den  25  December.
Heute  ist  zum  ersten  Wale  Jphigenia  in  Aulls ­
  gegeben  worden.  Alle  Logen  waren  gefüllt,  jeder
Raum  mit  Sorgsamkeil  benutzt,  denn  nicht  blos  die
Berliner,  sondern  auch  die  zahlreichen  Fremden,  die
sich  zur  Theilnahme  an  unsererFreudc  von  Nahe  und
f ern  eingefunden  Hanen,  wollten  hier  die  Königliche
amilie  noch  einmal  feierlich  begrüßen.  Sie  erschien;
ein  allegorisches  Ballet,  welches  durch  Sturm  und
darauf  frlgenden  Sonnenschein  das  Schicksal  des
Preußischen  Staat»  versinnbildere,  eröffnete  da«  Spiel,
worauf  da«  (durch  die  Zeitungen  schon  bekannt  gewordene) ­
  Deutsche  God  Uve  tbe  King,  (den  König
segne  Gott!),  in  dem  Orchester  angestimmt,  und  von
dem  ganzen  sehr  zahlreichen  Publikum  mitgesungen
wurde.  Ein  dreimaliges  Vivat  schloß  diese  herzliche,
feierliche  Begrüßung.  Sowohl  diese«  Vorspiel  al»
die  Oper  selbst  wurde  zur  vollen  Zufriedenheit  aller
Anwesenden  exckutirl.  —  Nachdem  da»  Königliche
Paar  eine  Zeitlang  verweilt  hatte,  begab  e«  sich
nach  dem  eben  so  überfüllten  National-Theater,  wo
e»  auf  eine  gleich  herzliche  Weise  von  dem  Publikum
durch  ein  mehrmals  wiederholte«  Vivat  empfangen
wurde.  Man  gab  hier  zuerst  ein  Vorspiel:  derVerrin,
  von  Herrn  Jfflanv  zu  diesem  Tage  gedichtet, ­
  worauf  die  Freunde  vonBcaumarckoi«  folgte.
An  beiden  Orten  zeigte  sich  da»  edleKönigspaar
mit  gewohnter  Huld  und  Güte.
Schon  unterm  igren  Februar  1809,  wo  wir  die
Hoffnung  hegten,  unsre  geliebten  Landcscltern  wieder
in  unsrer  Mute  zu  haben,  hatte  die  hiesige  wohlthätige ­
  Gesellschaft  der  Freunde,  deren  Zweck  es  ist,  ihre
etwa  in  Verfall  gekommene  Mitglieder  zu  unterstützen,
außer  anderen  Anstalten,  auch  die  jüdische  Freischule
bedacht,  und  an  den  zeitigen  Direktor  derselben,  Hn.
Bendavid,  25  Thlr.  in  Courant  geschickt,  um  von
solchen,  am  Tage  de«  Einzugs  unsrer  Landcscltcrn,

Korrespondenzen.
bei  jener  Anstalt  einen  der  Würde  de»  Tages  gemäßen ­
  Gebrauch  zu  machen.  Wie  konnte  aber  diese»
edle  Geschenk  glücklicher  verwende«  werden,  als  wenn
man  dadurch  «m  Kleinen  da»  Muster  nachahmte,  das
uns  im  Großen  vom  Throne  herab  aufgestellt  wird,
wenn  man  Verdienste  belohnte!  Die  Lehrer  dieser
Anstalt  sind  verdienstvolle  Männer  und  haben  nur  einen ­
  kärglichen  Gehalt.  Daher  wurden  jene  25  Thlr.
am  22.  Dccemb.  unter  dieselben  n  ich  Maaßgabe  der
Stunden,  die  sie  täglich  geben,  vertheilt.  EhrfurchiSund
  liebevoll  ließe»  dabei  die  Lehrer  das  majestätische ­
  Königspaar,  und  mit  Dankbarkeit  die  edle  Gesellschaft ­
  der  Freunde,  hoch  leben!

Die  Bewohnerinnen  de»Thiergarten«  haben,  um
da«  Andenken  an  die  erfreuliche  Rückkehr  dcs  Königl.
Paares  auch  für  die  Nachkommenschaft  zu  bewahren,
auf  der,  dem  Restaurateur  Bürtheaur  gegenüber
liegenden  kleinen  Insel  einen  Opferallar  errichtet,
und  diesem  Ori  den  Namen  Luisen-Jnsel  gegeben.
Bei  der  Einweihung  de«  Monumente,  das  die  Inschrift ­
  führ«:
Ihrer  heimkehrenden  Königinn
die  Bewohner  de»  Thiergartens
geweihet  d*»  azsten  December  1809.
wurde  der  Altar  mit  Blumengewinden  und  Kränzen
geschmückt,  und  von  Demoisclle  Klein  ein  durch  die
Zeitungen  bekannt  gewordene«  Gedicht  gesprochen,
das  aber  nickt  von  Herrn  Gehcimerath  Wolf,  sonder» ­
  von  einer  als  Dichterinn  bekannten  Dame  Berlin« ­
  verfaß«  ist  Wohl  aber  gehör«  die  Idee  und  Anordnung ­
  de«  Denkmals  dem  Herrn  Gehcimerath  Wolf,
so  wie  die  Ausführung  dem  Herrn  Direktor  S  ch  a  d  ow.

Konig-bera  in  der  Neumark.
In  der  Beilage  zum  ,8>en  Stücke  des  preußischen ­
  Hausfreunde»  von  diesem  Jahre  ist  ein  Aussatz
über  unser  Lyceum  befindlich,  welcher  mehrere  Unrich-
            
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