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Volume Nr. 14., 17. Mai 1806 Beilage zum 14ten Stück des Preußischen Hausfreundes

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

den  nicht  wohlgefällig,  da  sic,  wie  durch  die  Sache  auch
durch  die  Bezeichnung  derselben  gehoben  zu  seyn  verlangen. ­
  Wir  haben  also  offenbar  ein  deutsches  Wort
nöthig;  denn  verdingen  ist  nicht  viel  edler,  und
verheuern,  welches  mancher  Niedersachse  durch  nachlästiges
  Verschieden  der  Endbuchstaben  zu  einem  Worte
macht,  das  man  nicht  gern  drucken  läßt,  ist  platt,  provinziell ­
  und  unverständlich.  Sollten  wir  in  unserm
Sprachschatz  keinen  paffenden  Ausdruck  finden?  Wenn
wir  nicht  cigenfinnig  seyn  wollen  —  ja.  Ich  kenne
kein  schicklicheres  Wort  als  verpflichten.  Man  stelle
rS  mit  allen  unter  uns  üblichen  Redensarten  zusammen, ­
  und  cS  wird  dieSache,  wie  ste  ist,  mit  Genauigkeit ­
  bezeichnen:  sie  hat  fich  bciHn.  N—  als  Hausmädchen ­
  verpflichtet;  er  geht  nach  B—,  um  fich  dort
zu  verpflichten;  eine  Gesinde  -  Verpflichterinn:
  ein  Verpflichtungs-Schein;  ein  VerpslichtungS-Komptoir
  ic.  So  behält  jeder  Stand
das  Seine,  und  der  Deutsche  hört  auf,  sich  fernerhin
einer  Sünde  gegen  die  Menscheit  verdächtig  zu  machen,
die  er  doch  nicht  begeht.
Th.  Heinsius.

Jeder  an  seinem  Ort!
Gebt  doch  die  rechte  Stelle  nur
dem  Dichter  Wassermann!
setzt  ihn  auf  Haideland  als  Kolonisten  an,
so  zaubert  seine  reiche  Quelle,
zum  Trotz  der  kargenden  Natur,
die  sand'ge,  dürre,  todte  Schelle
stracks  um  in  üpp'ge  Wiesenflur;
die  rechte  Stelle  gebt  ihm  nur!
W.  a.

Düst  Leben,  eine  Schifffahrt.
Evigramm
Älippenvoll  ist  die  Fahrt  durchs  Leben;  Talente  sind
Ruder,
Glück  ist  das  Segel  am  Schiff.  Achte  des  Steuer»,
Pilot  I
MühloS  gleitet  dahin  auf  flüssigen  Pfaden  der  Segler;
Schwer  arbeitend,  voll  Schweiß  strebt  ihm  der  Ruderer ­
  nach.
Weit  dringt  keiner  voraus.  Einst  fällt  uns  allen  der
Anker;
Wo  er  den  Grund  erreicht,  überall  sind  wir  im  Port.

Neuigkeiten  und
Berlin.
Berlinische  Armenkasse.  Die  Einnahme
der,  unter  Dirckrion  des  Berlinischen  Armen-Direktorii
  stehenden,  Armenkasse  betrug  für  LAr.  Er.  Pf.
das  Jahr  1805  ....  58079  20  1
Darunter  befanden  sich  an  freiwilligen ­
  Beiträgen  der  Einwohner  Berlins ­
  ......  43-152  16  1
Das  übrige  floß  theils  aus  verschiedenen  lcgirtcn  Kapitalien, ­
  theile  aus  Königl.  Fonds,  bewilligten  Revenuen ­
  und  andern  außerordentlichen  Wohlthaten:  —
die  Ausgaben  der  Kaffe  haben  betra-  rbir.  Gr.  Pf.
gen  66950  11  —
so  daß  also  mehr  ausgegeben  als  eingenommen ­
  find  ....  8870  i4  11
Zur  Deckung  dieser  grißern  Ausgabe
ist  ein  neue«  Durlehn  gemacht  von  15000  Cour,
wovon  nach  Abzug  der  8870  Thlr.
l4  Gr.  it  Pf.  jetzt  noch  Bestand  ist  6129  9  1
Die  Armenkasse  ist  daher  im  Rückstände, ­
  und  zwar  von  vorigen  Jahren
mit  einer  alten  Schuld  von  .  .  8000  Gold.
und  21100  Cour.
Don  diesem  Jahre  mit  einer  neuen
Schuld  von  .....  15000  Cour,
also  überhaupt  mit  .  .  .  44ioo
erelusive  des  Agios  von  8000  Thlr.  Gold.

Korrespondenzen.
Bei  einem  so  ausgebreiteten  und  wichtigen  Institute, ­
  an  welchem  fast  jeder  einzelne  Berliner  mehr
oder  weniger  Antheil  bat,  muß  jede  bescheidne  Bemerkung ­
  als  ein  Beitrag  zum  Besten  des  Ganzen  betrachtet ­
  werden.  Eine  solche  erlauben  wir  uns  in  Ansehung
des  für  dieOfficianten  und  Bediente  verausgabten  GehaltS,
  welches  die  Summe  von  7121  Thlr.  igEr.  6Pf.
beträgt.  Für  ein  Armen-Jnstitut  ist  biete  Ausgabe
offenbar  zu  groß.  Ein  Ort  wie  Berlin,  der  unier  der
Menge  seiner  wohlthuenden  und  menschenfreundlichen
Einwohner  so  viele  geschäfcslose  Menschen  zählt,  sollte
nicht  die  meisten  Stellen  der  Officiantcn  un  entgcldlich
  besetzen  können?  Diese  Arbeit  erfordert  jakeine
viel  umfassende  Kenntniß,  ist  ehrenvoll  und  ohne  zu
große  Anstrengung!  Warum  sollte  da«,  was  dem  Bür«
gerrettungS-Institut  gelungen  ist,  nicht  auch  dem  Armendirektorium
  gelingen  I  Ja  hatte  es  nicht  schon  noch
unlängst  einen  der  thätigsten  Gehülfen  an  dem  Kaufmanne ­
  Herrn  Weinhold,  der  seit  vielen  Jahren  einem ­
  Posten  daselbst  nicht  nur  nncntgcldlich,  sondern
auch  mit  manchem  baren  Beitrage  so  ruhmvoll  vorstand,
daß  er  vielen  Edlen,  die  ihn  zu  würdigen  wußten,  unvergeßlich ­
  bleiben  wird?  Brave  Bürger  Berlins!
hier  seht  ihr  ein  neucS  Feld  der  Thätigkeit,  auf  welchem ­
  ihr  Wohlthäter  eurer  ärincrn  Mitbrüdcr  werden
und  euer  Andenken  ehrenvoll  erhalten  könnt!

•  *  ♦
            
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