Beilage zum i4ten Stück des Preußischen Hausfreundes
An den Pinsel.
Edler Pinsel, laß dich jetzt besingen,
Pinsel, dich aus Haren meine ichl
Line Feder aus den qolcncn Schwingen
jenes Dichtergauls vergleich' ich dich.
Bist du nicht das Mittel zwischen Bildern
deS PavierS und meiner Phantasie?
Wärst du nicht; auf jenen Aushängschilder»
sähn wir Schinken und Pasteten nie!
Und wer kennte der Kalmücken Trachten,
und des Frankenkaisers Krönungskleid,
«nd die Stellung in den dlutgen Schlachte»,
gab' uns nicht dein Bart davon Bescheid?
Wüßten wir noch, welche schonen Locken
einst geziert das Haupr der Großmama?
Kennten wir der Hnttentotten Glocken
an den Kühen dort in Afrika?
Hätten wir den Umriß jeder Nase,
die an hohen Ahnen einst gethront?
Kennten wir das Fröschchcn, das im Grase
an des Nyls und Ganges Ufern wohnt.?
Und der Anblick zugespitzter Leiber
wär' uns von den Zeiten längst entrückt,
hätten nicht, beim Mahlen seiner Weiber,
LukaS Kranachs Finger dich gedrückt')?
Wüßten wir, daß Abram mit Pistolen
auf das Opferkind, das Söhnchen, schoß,
«nd ein Geist, wie jenes Thier auf Kohlen,
scharfes Wasser auf das Zündkraut goß")?
Wüßten wir, daß an JairiS Bette
auch ein Tintenfaß mit Federn stand "'),
wenn, zum Glück, dich nicht geführet hätte,
Pinsel, eines großen Meisters Hand?
*) Kranach lebte zu einer Zeit, in welcher der weibliche
Köroer bnrch die Schmirbriiste entstellt war. Daher stnd stine
Eva und Venu« schreckliche Gestalten mit zugesvireen, unnatürlichen
Selbem. Man kann stch in der Veelmer Btldergalterie
von der Wahrheit überzeugen.
*') Ein alter Mahler stellte Abraham, »er im Begriff war,
seinen Sohn Jsaar zu »»fern, so vor, bah Abraham mir einer
Pistole bin Sohn erschieße« wollte; aber ein Engel au« dem
Himmel auf die Zündvtanne v — ßke. — Der Salamander
diimosl eine mäßige Kohlengluth durch eine Feuchtigkeit, die er
»on stch spnyi.
Rem braun hat aus dem Gemählde, welche« die Auferweckung
der Tochter Iairi« dariiclll, auch ein TiiitcnsaK mit
h-der ,um Receptschreiben hingimahlt.
Auch du spitzest dich nach meinem Willen;
doch nicht für die Nachwelt nur zum Preis.
Du verscheuchst mir nur die bösen Grillen,
machst die schwarzen Felder wieder weiß.
Wenn nun, drohend mich zu unterdrücken,
jetzt des Unglücks.Riesen vor mir stehn,
Mahl' ich Kinder, wie sie Blumen pflücken,
und die Biene in dem Kelch nicht sehn.
Wenn der Wüstling in der Mpttbculaube
mit der Unschuld LicbeSküsse tauscht,
mahl' ich, wie auf eine weiße Taube
eine Schlange unter Blättern lauscht.
Wenn der Moralist des Lebens Weise
sireng aus seiner Sittenwage wägt,
mahl' ich Salomon, der sich im Kreise
seiner Buhlen höchlich freut und pflegt.
Wenn der Denker an dem trüben Glase
seines Sehrohrs emsig reibt und reibt,
mahl' ich, wie die bunte Seifenblase
durch die Luft der frohe Knabe treibt.
Wenn vom Wein berauscht, im Frcudcnsale
Gottes Ebenbild betäubet liegt,
mahl' ich, wie dort auf der Zclttn Schale
zentnerschwer ein Lebensstündchen wiegt.
Steu < Stretch. K< Hahn.
Gelegentliche Sprachbemerkung.
Ms jüngst ein jüdischer Hofmeister (?!) zu mir kam
und mir sagte, daß er stch bei seinem Prinzipal ansein Fahr
Permiethct habe, ging'S mir eiskalt über'den Leib.
Nie hatte ich eü lebhafter gefühlt, wie entehrend dieser
Ausdruck überhaupt sey, sobald er auf Menschen,
besonders stuf freie Bürger eines gebildete»
Staats angewendet werde. Ec setzt das edelste Werk
der Schöpfung zur Sache herab und stößt d.n abhängigen
Armen aus der Reihe vernünftiger Wesen heraus,
ist also für ein edles Volk, das Sklaverei und
Leibeigenschaft unter seiner Würde findet, durchaus erniedrigend.
Auch darin, dachte ich, hat sich der Franzose
feinfühlender gezeigt, da er durch sein engager
nur auf die Vergeltung der persönlichen Dienste hindeutet.
Diese« bessere Gefühl ist es denn auch, welches
viele Deutsche, selbst in den untern Ständen,
bestimmt, die Fremdlinge e n g a g i r e n und conditioniren,
in die Umgangssprache auszunehmen. Allein
dieser Euphemismus scheint wieder den mittleren Stän