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Volume Nr. 14., 17. Mai 1806 Beilage zum 14ten Stück des Preußischen Hausfreundes

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

Beilage  zum  i4ten  Stück  des  Preußischen  Hausfreundes

An  den  Pinsel.
Edler  Pinsel,  laß  dich  jetzt  besingen,
Pinsel,  dich  aus  Haren  meine  ichl
Line  Feder  aus  den  qolcncn  Schwingen
jenes  Dichtergauls  vergleich'  ich  dich.
Bist  du  nicht  das  Mittel  zwischen  Bildern
deS  PavierS  und  meiner  Phantasie?
Wärst  du  nicht;  auf  jenen  Aushängschilder»
sähn  wir  Schinken  und  Pasteten  nie!
Und  wer  kennte  der  Kalmücken  Trachten,
und  des  Frankenkaisers  Krönungskleid,
«nd  die  Stellung  in  den  dlutgen  Schlachte»,
gab'  uns  nicht  dein  Bart  davon  Bescheid?
Wüßten  wir  noch,  welche  schonen  Locken
einst  geziert  das  Haupr  der  Großmama?
Kennten  wir  der  Hnttentotten  Glocken
an  den  Kühen  dort  in  Afrika?
Hätten  wir  den  Umriß  jeder  Nase,
die  an  hohen  Ahnen  einst  gethront?
Kennten  wir  das  Fröschchcn,  das  im  Grase
an  des  Nyls  und  Ganges  Ufern  wohnt.?
Und  der  Anblick  zugespitzter  Leiber
wär'  uns  von  den  Zeiten  längst  entrückt,
hätten  nicht,  beim  Mahlen  seiner  Weiber,
LukaS  Kranachs  Finger  dich  gedrückt')?
Wüßten  wir,  daß  Abram  mit  Pistolen
auf  das  Opferkind,  das  Söhnchen,  schoß,
«nd  ein  Geist,  wie  jenes  Thier  auf  Kohlen,
scharfes  Wasser  auf  das  Zündkraut  goß")?
Wüßten  wir,  daß  an  JairiS  Bette
auch  ein  Tintenfaß  mit  Federn  stand  "'),
wenn,  zum  Glück,  dich  nicht  geführet  hätte,
Pinsel,  eines  großen  Meisters  Hand?

*)  Kranach  lebte  zu  einer  Zeit,  in  welcher  der  weibliche
Köroer  bnrch  die  Schmirbriiste  entstellt  war.  Daher  stnd  stine
Eva  und  Venu«  schreckliche  Gestalten  mit  zugesvireen,  unnatürlichen ­
  Selbem.  Man  kann  stch  in  der  Veelmer  Btldergalterie
von  der  Wahrheit  überzeugen.
*')  Ein  alter  Mahler  stellte  Abraham,  »er  im  Begriff  war,
seinen  Sohn  Jsaar  zu  »»fern,  so  vor,  bah  Abraham  mir  einer
Pistole  bin  Sohn  erschieße«  wollte;  aber  ein  Engel  au«  dem
Himmel  auf  die  Zündvtanne  v  —  ßke.  —  Der  Salamander
diimosl  eine  mäßige  Kohlengluth  durch  eine  Feuchtigkeit,  die  er
»on  stch  spnyi.
Rem  braun  hat  aus  dem  Gemählde,  welche«  die  Auferweckung ­
  der  Tochter  Iairi«  dariiclll,  auch  ein  TiiitcnsaK  mit
h-der  ,um  Receptschreiben  hingimahlt.

Auch  du  spitzest  dich  nach  meinem  Willen;
doch  nicht  für  die  Nachwelt  nur  zum  Preis.
Du  verscheuchst  mir  nur  die  bösen  Grillen,
machst  die  schwarzen  Felder  wieder  weiß.
Wenn  nun,  drohend  mich  zu  unterdrücken,
jetzt  des  Unglücks.Riesen  vor  mir  stehn,
Mahl'  ich  Kinder,  wie  sie  Blumen  pflücken,
und  die  Biene  in  dem  Kelch  nicht  sehn.
Wenn  der  Wüstling  in  der  Mpttbculaube
mit  der  Unschuld  LicbeSküsse  tauscht,
mahl'  ich,  wie  auf  eine  weiße  Taube
eine  Schlange  unter  Blättern  lauscht.
Wenn  der  Moralist  des  Lebens  Weise
sireng  aus  seiner  Sittenwage  wägt,
mahl'  ich  Salomon,  der  sich  im  Kreise
seiner  Buhlen  höchlich  freut  und  pflegt.
Wenn  der  Denker  an  dem  trüben  Glase
seines  Sehrohrs  emsig  reibt  und  reibt,
mahl'  ich,  wie  die  bunte  Seifenblase
durch  die  Luft  der  frohe  Knabe  treibt.
Wenn  vom  Wein  berauscht,  im  Frcudcnsale
Gottes  Ebenbild  betäubet  liegt,
mahl'  ich,  wie  dort  auf  der  Zclttn  Schale
zentnerschwer  ein  Lebensstündchen  wiegt.
Steu  <  Stretch.  K<  Hahn.

Gelegentliche  Sprachbemerkung.
Ms  jüngst  ein  jüdischer  Hofmeister  (?!)  zu  mir  kam
und  mir  sagte,  daß  er  stch  bei  seinem  Prinzipal  ansein  Fahr
Permiethct  habe,  ging'S  mir  eiskalt  über'den  Leib.
Nie  hatte  ich  eü  lebhafter  gefühlt,  wie  entehrend  dieser ­
  Ausdruck  überhaupt  sey,  sobald  er  auf  Menschen, ­
  besonders  stuf  freie  Bürger  eines  gebildete»
Staats  angewendet  werde.  Ec  setzt  das  edelste  Werk
der  Schöpfung  zur  Sache  herab  und  stößt  d.n  abhängigen ­
  Armen  aus  der  Reihe  vernünftiger  Wesen  heraus, ­
  ist  also  für  ein  edles  Volk,  das  Sklaverei  und
Leibeigenschaft  unter  seiner  Würde  findet,  durchaus  erniedrigend. ­
  Auch  darin,  dachte  ich,  hat  sich  der  Franzose ­
  feinfühlender  gezeigt,  da  er  durch  sein  engager
nur  auf  die  Vergeltung  der  persönlichen  Dienste  hindeutet. ­
  Diese«  bessere  Gefühl  ist  es  denn  auch,  welches ­
  viele  Deutsche,  selbst  in  den  untern  Ständen,
bestimmt,  die  Fremdlinge  e  n  g  a  g  i  r  e  n  und  conditioniren,
  in  die  Umgangssprache  auszunehmen.  Allein
dieser  Euphemismus  scheint  wieder  den  mittleren  Stän ­
            
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