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Wcrsichenrnguntrug, dH er exemplarisch bestraft werden
solle/ erfolgte doch keine Auslieferung, vielmehr
erhielt der Magistrat die Antwort: da keine Anstalten
vorhanden, den Schuldigen für die einem fremden Soldaten
zugefügte Beleidigung nach des Beleidigten vaterländischen
Gesetzen zu bestrafen, so würde man ihn
mitnehmen, abstrafen lassen, und dann wieder zurücksenden.
Der Magistrat wandte sich in dieser Verlegenheit
an den Chef der Fnvalidenkompagnie, mit dem Ersuchen,
dieseSachezu verinitleln, und die Freilassung des
Bürgers zu bewirken. Letzterer verfügte sich in voller
Uniform zu dem General von O. und ließ sich melden.
Ein Bedienter bringt ihm die Antwort: der Herr General
sey nicht zu Haufe. Der Chef der Kompagnie
nimmt aber davon keine weitere Notiz, sondern geht
geradezu in das Zimmer des Generals und erklärt ihm
ganz kurz, daß er, als vornehmster Officier der Garnison,
sich als Kommandant der Stadt ansähe und daher
die Rechte des dortigen Magistrats und der Bürgerschaft
vertreten müsse. Er besteht auf die AuSlieftrung des
arrctirtcn Bürgers, mit der Versicherung, daß er dagegen
nach Verhältniß seines Vergehens gesetzlich bestraft
werden solle.
Der General beharrt dennoch bei seiner Weigerung.
Kaltblütig-versetzt jener, daß er dann in der Ueberzeugung,
dem Willen seine« SouverainS gemäß zu handeln,
den arretirten Bürger mit Gewalt befteien lassen
würde. Der General fragt daraus: wie stark ist denn
Ihre Jnvalidcnkompagnie? —- „ Sie besteht nur au«
150 Mann; doch wenn e« darauf ankommt, schlagen sie
gewiß eben so viele wehrhafte Männer." — Haben Sie
denn vergessen, daß meine Division 15 Kanonen bei sich
_ „Onein! doch vermuthete ich, daß Sie von
Pistolen und wicht von Kanonen mit mir sprechen
würden."
Dies determinirte Benehmen veranlaßte eine friedliche
Annäherung, und nach Verlauf einer Viertelstunde
kamen beide Parlheien darin überein, daß der
Arrestant in einen Kreis, bestehend au« einem Theil
der dortigen Garnison, de« fremden Militair« und der
Bürgerschaft geführt, dort dem beleidigten Soldaten
das Unrecht abbitten, und daun eine öffentliche Züchtigung
erleiden solle. Das erstere geschah; nach gethaner
Abbitte wurde ihm aber die übrige Strafe erlassen
«nd er .wieder auf freien Fuß gestellt.
Andre Zeiten, andre Sitten.
Unsre biedern Voreltern baten sich selbst zu einem
ftcundlichen Gelage. — Dann wurde zu fröhlichen Zusammenkünften
durch Dienstboten eingeladen, und bei
feierlichen Gelegenheiten, z. B- bei Hochzeiten, Kindtaufen
u. dgl. durch besonders dazu angestellte Personen.
— Noch gab es Mittagessen und Abendbrod, wo
man feine Freunde und Verwandte auf eine Suppe,
ein« Schüssel Fisch, ein Butterbrod, kurz aus ein Gericht:
gern gesehen einlud; alles geschah durch mündliche
Bestellung — Die deutsche Kochkunst mußte der
französischen weichen, man wurde nicht mehr gebeten,
sondern invitirt, es gab kein Mftrag-, kein Abendessen
mehr; aber dafürDinersundSoupers, Thee
und Spiel, Thes dansans u. m dgl. — Aus dem
Vergnügen wurde ei» Geschäft, aus der Erholung van
den Arbeiten eine Mühseligkeit mehr für den Wirth
und die Wirthin. Das Gedächtniß keines Laksien, und
wenn -er auch bei Ar ei in selbst die Mnemonik gelernt
hätte, konnte die Namen aller Einzuladenden fassen,
die oft den halben Adreßkalender uns einen Theil der
Rangliste wegnahmen. Nun wurden Einladungskarten
geschrieben, und da auch des Schreivens bald zu viel
wurde, alle« sauber gedruckt oder in Kupfer gestochen,
bis auf den Namen des Gastes und WirthS. — Auch
diese Karten hat die Mode jetzt verschönert; «S giebt
saubre, mit artigen Vignetten verzierte AnvitationSkarten,
unter welchen die Einladung geschrieben werden
kann. Der Kupferstecher, Hr. Klar in Berlin (Breite
Straße Nr.30.) hat einige geliefert, die sich durch ihre
Nettigkeit und ihre anakreontische Idee vorthcilhaft
auszeichnen. Die eine stellt einen gläsernen Kelch vor,
in welchem ein Amor schlummert; zu dem Fuße de«
Kelchs liegen Blumen und Weintrauben mtt ihrem
Laube. Die andre zeigt eine Rose mit einigen KnoSpen;
in der schon aufgeblühten Rose erblickt man einen
lauschenden Liebesgott').
Möchte doch in allen Gesellschaften dieser Geist
anakreontischer") Freude herrschen, der in diesen lieblichen
Bildern weht, -und der Becher -er Freude überall
«in sokratischer ftyn.
*) Man kann diel« Karte», Mwar; ad-edruekt, «der auch sau,
der iliuminlre erhalten. Das Dutzend »er erster» kostet
18 Gr., da« »er letzter» > Thlr
- ••) »ntlrtMi rin «riechische, Dichter ln der leichter»
Gakkunq de« Liede«, dessen Anhake Liede und Freude »eint
Genusse de« Weins ist, und da« von ihm die riknennu»»
-de« anakreoiNischea erhallen hak.
Beilage.