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Volume Nr. 14., 17. Mai 1806

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

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Wcrsichenrnguntrug,  dH  er  exemplarisch  bestraft  werden ­
  solle/  erfolgte  doch  keine  Auslieferung,  vielmehr
erhielt  der  Magistrat  die  Antwort:  da  keine  Anstalten
vorhanden,  den  Schuldigen  für  die  einem  fremden  Soldaten ­
  zugefügte  Beleidigung  nach  des  Beleidigten  vaterländischen ­
  Gesetzen  zu  bestrafen,  so  würde  man  ihn
mitnehmen,  abstrafen  lassen,  und  dann  wieder  zurücksenden. ­

Der  Magistrat  wandte  sich  in  dieser  Verlegenheit
an  den  Chef  der  Fnvalidenkompagnie,  mit  dem  Ersuchen, ­
  dieseSachezu  verinitleln,  und  die  Freilassung  des
Bürgers  zu  bewirken.  Letzterer  verfügte  sich  in  voller
Uniform  zu  dem  General  von  O.  und  ließ  sich  melden.
Ein  Bedienter  bringt  ihm  die  Antwort:  der  Herr  General ­
  sey  nicht  zu  Haufe.  Der  Chef  der  Kompagnie
nimmt  aber  davon  keine  weitere  Notiz,  sondern  geht
geradezu  in  das  Zimmer  des  Generals  und  erklärt  ihm
ganz  kurz,  daß  er,  als  vornehmster  Officier  der  Garnison, ­
  sich  als  Kommandant  der  Stadt  ansähe  und  daher
die  Rechte  des  dortigen  Magistrats  und  der  Bürgerschaft
vertreten  müsse.  Er  besteht  auf  die  AuSlieftrung  des
arrctirtcn  Bürgers,  mit  der  Versicherung,  daß  er  dagegen ­
  nach  Verhältniß  seines  Vergehens  gesetzlich  bestraft
werden  solle.
Der  General  beharrt  dennoch  bei  seiner  Weigerung.
Kaltblütig-versetzt  jener,  daß  er  dann  in  der  Ueberzeugung, ­
  dem  Willen  seine«  SouverainS  gemäß  zu  handeln, ­
  den  arretirten  Bürger  mit  Gewalt  befteien  lassen
würde.  Der  General  fragt  daraus:  wie  stark  ist  denn
Ihre  Jnvalidcnkompagnie?  —-  „  Sie  besteht  nur  au«
150  Mann;  doch  wenn  e«  darauf  ankommt,  schlagen  sie
gewiß  eben  so  viele  wehrhafte  Männer."  —  Haben  Sie
denn  vergessen,  daß  meine  Division  15  Kanonen  bei  sich
_  „Onein!  doch  vermuthete  ich,  daß  Sie  von
Pistolen  und  wicht  von  Kanonen  mit  mir  sprechen
würden."
Dies  determinirte  Benehmen  veranlaßte  eine  friedliche ­
  Annäherung,  und  nach  Verlauf  einer  Viertelstunde ­
  kamen  beide  Parlheien  darin  überein,  daß  der
Arrestant  in  einen  Kreis,  bestehend  au«  einem  Theil
der  dortigen  Garnison,  de«  fremden  Militair«  und  der
Bürgerschaft  geführt,  dort  dem  beleidigten  Soldaten
das  Unrecht  abbitten,  und  daun  eine  öffentliche  Züchtigung ­
  erleiden  solle.  Das  erstere  geschah;  nach  gethaner ­
  Abbitte  wurde  ihm  aber  die  übrige  Strafe  erlassen ­
  «nd  er  .wieder  auf  freien  Fuß  gestellt.

Andre  Zeiten,  andre  Sitten.
Unsre  biedern  Voreltern  baten  sich  selbst  zu  einem
ftcundlichen  Gelage.  —  Dann  wurde  zu  fröhlichen  Zusammenkünften ­
  durch  Dienstboten  eingeladen,  und  bei
feierlichen  Gelegenheiten,  z.  B-  bei  Hochzeiten,  Kindtaufen ­
  u.  dgl.  durch  besonders  dazu  angestellte  Personen. ­
  —  Noch  gab  es  Mittagessen  und  Abendbrod,  wo
man  feine  Freunde  und  Verwandte  auf  eine  Suppe,
ein«  Schüssel  Fisch,  ein  Butterbrod,  kurz  aus  ein  Gericht: ­
  gern  gesehen  einlud;  alles  geschah  durch  mündliche ­
  Bestellung  —  Die  deutsche  Kochkunst  mußte  der
französischen  weichen,  man  wurde  nicht  mehr  gebeten,
sondern  invitirt,  es  gab  kein  Mftrag-,  kein  Abendessen ­
  mehr;  aber  dafürDinersundSoupers,  Thee
und  Spiel,  Thes  dansans  u.  m  dgl.  —  Aus  dem
Vergnügen  wurde  ei»  Geschäft,  aus  der  Erholung  van
den  Arbeiten  eine  Mühseligkeit  mehr  für  den  Wirth
und  die  Wirthin.  Das  Gedächtniß  keines  Laksien,  und
wenn  -er  auch  bei  Ar  ei  in  selbst  die  Mnemonik  gelernt
hätte,  konnte  die  Namen  aller  Einzuladenden  fassen,
die  oft  den  halben  Adreßkalender  uns  einen  Theil  der
Rangliste  wegnahmen.  Nun  wurden  Einladungskarten
geschrieben,  und  da  auch  des  Schreivens  bald  zu  viel
wurde,  alle«  sauber  gedruckt  oder  in  Kupfer  gestochen,
bis  auf  den  Namen  des  Gastes  und  WirthS.  —  Auch
diese  Karten  hat  die  Mode  jetzt  verschönert;  «S  giebt
saubre,  mit  artigen  Vignetten  verzierte  AnvitationSkarten,
  unter  welchen  die  Einladung  geschrieben  werden
kann.  Der  Kupferstecher,  Hr.  Klar  in  Berlin  (Breite
Straße  Nr.30.)  hat  einige  geliefert,  die  sich  durch  ihre
Nettigkeit  und  ihre  anakreontische  Idee  vorthcilhaft
auszeichnen.  Die  eine  stellt  einen  gläsernen  Kelch  vor,
in  welchem  ein  Amor  schlummert;  zu  dem  Fuße  de«
Kelchs  liegen  Blumen  und  Weintrauben  mtt  ihrem
Laube.  Die  andre  zeigt  eine  Rose  mit  einigen  KnoSpen;
  in  der  schon  aufgeblühten  Rose  erblickt  man  einen
lauschenden  Liebesgott').
Möchte  doch  in  allen  Gesellschaften  dieser  Geist
anakreontischer")  Freude  herrschen,  der  in  diesen  lieblichen ­
  Bildern  weht,  -und  der  Becher  -er  Freude  überall
«in  sokratischer  ftyn.
*)  Man  kann  diel«  Karte»,  Mwar;  ad-edruekt,  «der  auch  sau,
der  iliuminlre  erhalten.  Das  Dutzend  »er  erster»  kostet
18  Gr.,  da«  »er  letzter»  >  Thlr
-  ••)  »ntlrtMi  rin  «riechische,  Dichter  ln  der  leichter»
Gakkunq  de«  Liede«,  dessen  Anhake  Liede  und  Freude  »eint
Genusse  de«  Weins  ist,  und  da«  von  ihm  die  riknennu»»
-de«  anakreoiNischea  erhallen  hak.

Beilage.
            
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