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Volume Nr. 13., 13. Mai 1806

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

0  So

von  einer  erfreulichen  Wärme  für  das  Erhabene  in
der  Kunst.  —  Möchten  seine  schönen  und  gehaltvollen
Vorschläge  doch  nicht  umsonst  ausgesprochen,  und  auf
keinen  unfruchtbaren  Boden  gefallen  seyn!
Unserm  neu  aufgetretenen  .ächt  vaterländischen
Dichter,  Dem  phantasiereichen  „nd  geistvollen  Wchöoscr
der  TbalS-Söhn.  *•*),  gebührt  ein  eben  so  unparteiisches
Lob  dafür,  daß  er  best  großen  Gedanken  gefaßt  hat,
uns  mit  den  näheren  Verhältnissen,  und  so  zu  sagen,
mit  dem  schölten  reinen  Privat  -  Karakter  deS  unsterblichen ­
  Luthers  bekannt  zu  machen;  daß  er  uns
sein,  letzt  für  die  mehrstcn  Lutheraner  selbst,  unbekanntes ­
  Leben,  wie  ein  bcllleuchrendes  Bild  vor  die
Augen  stellen  will,  und  so  unsere  Gemüther  mit  tcn
edelsten  Gegenständen  beschäftigt,  welche  menschliche
Dichtung  ie  verherrlicht  bat!  —
Mit  unserm  Schiller  laßt  uns  ihm  und  allen  Dich,
tern  seines  Gleichen,  jurijfcn:
Der  Menschheit  Wurde  ist  in  eure  Land  gegeben,
Bewahret  sic.
Sie  sinkt  mit  euch.  Mit  euch  wird  siessch  hebeul
Ter  Dichtung  heilige  Magie
Dient  cinci»  weisen  Weltenplane,
Still  lenke  sie  zum  Ozeane
Der  großen  Harmonie;
Von  ihrer  Zeit  verstoßen,  flüchte
Die  ernste  Wahrheit  zum  Gedichte,
Und  finde  Schutz  in  der  Eamönen  §h»k
Zn  ihres  Glanzes  höchster  Fülle,
Furchtbarer  in  des  Reizes  Hülle
Erstehe  sie  in  dem  Gesänge
Und  rache  sich  mit  Eiegcsklange
.An  deS  Verfolgers  feigem  Ohr  *’)!
Carl.Gr.  v.  Dr.
**)  Auck  ebne  des  LhaleS-Soßne  gelesen  zu  haben,  he<
gen  wir,  nach  dem  allgemeinen  Rufe,  ein  günstiger  Norurlheil
für  den  Dichter  derselben,  «nd  wenden  uns  daher  an  ihn  selbst
mit  der  Frage:  ob  Er  zur  Huldigung  gegen  den  großen  Mann
nicht  das  Eoos  dem  Drama,  oder.»och,  wen»  er  stch  für
letzteres  entscheidet,  ob  er  nicht  die  Lehrsorm  des  Drama,  die
tlolj  im  Lesen  empfangen  wird,  der  S  ch  a  u  so  r  m  verliehet?  —
Uebiigcni  aber  kann  c«  sehr  wol  seyn,  daß  man  der  Unistand«
»dir  eines  Zwecke«  wegen,  der  außerhalb  des  KuustgebiricS  liegt,
ti«  eine  Form  zuiraglicher  findet  «IS  die  andere;  fvieii  man  doch
Allegros  auf  der  H»rn>»n>ka  und  Walzer  auf  der  Segel  >—  Ader
dann  seht  die  Sache  nicht  mrhr  nach  der  Kunst,  sondern
die  Kunst  geht  »ach  der  Sache!  ü-  ist  nichk  mehr  Gebieterinn; ­
  ste  Miro  iur  Magd,  Unterthan  lenem  Ersetz:  rem  facias.
ClJor,  Ep.  I,  I,  «50
**}  Eine  schone  Steile!  Aber  red-r  st-  denn  ausschließlich
der  theatralischen  Darstellung  da»  Worl?
Schlußan.merkung.
Luther  unterscheidet  sich  von  allen  Heroen  der
Dorwclr  wesentlich  dadurch,  daß  er  nur  dem  Vaterlande ­
  der  Menschheit  angehöret,  und  daß  sein  ganzes
Leben,  hingegeben  an  eine  große  ihn  beherrschende
Idee,  zu  einer  ununterbrochenen  Handlung  wird.  WaS
soll  davon  auf  die  B  ü  h  n  e  kommen?  Die  erhabensten
Momente,  di«  auch  in  der  epischen  und  lyrischen  Form
erhaben  bleiben,  müssen  i»  der  dramatisch-mimischen
t>n  Würde  verliehrcn,  unrettbar  verliehren.  Deshalb
'fragt  das  Evigram  verwundert:
Soli  au,  der  Sliihnc  sogar  der  Menschheit  Anwald  erscheinen?
Und  es  fragt  also  mit  kindlicher  Ehrfurcht.  Bei  Altem, ­
  was  man  zu  Ehren  eines  Be^wiqten,  dvffen
Geist  sein  Nachlaß  ist,  zu  thun  i»>  Begriffe  steht,  wird
cS  dem  dankbaren  Herzen  Bedürfniß,  zu  fragen,  wie
her  Abgeschiedene  selbst  über  tie  Form  der  Huldigung
urtheilen,  ob  er  sie  billigen  würde,  wenn  er  noch  lebte. ­
  Dgtzrr  dort  dir  Bitte  an  den  heiligen  Schatten:

Zürn',  Ehrwürdiger!  nicht!-»setz  send'abwehrendeEchaain!
S  ch  a  a  m  über  denMifigriffeines  an  sich  löblichen  Gefühl«.
Hat  denn  aoer  darum  oas  Epigramm  gegen  jede«
Denkmal  sich  erklärt  t  Folgender  Entwurf  mag  Antwort ­
  geben.
Ern  Denkmal  für  Luther  gehöre  nicht  einem  Orte
allein  an.  Jede  Stadt  von  Bedeutung  besitze  ein«;
gründe  darum  ein  Museum,  ein  Pantheon;  darin  Luther« ­
  Gemälce  oder  Figur  in  Lebensgroße,  von  trefflichen ­
  Künstlern  augeferrigt.  Alljährlich  an  dem  Tage,
da  er  geboren  ward,  ober  an  dem,  ra  er  starb,  in  feierlicher ­
  Versammlung,  eine  Ecdachtnixrede,  Prcisausgabe
uno  PreiSaustheilung  für  eine  lyrische,  epische,  historische ­
  biographische  Ansicht  des  Mannes  und
seines  Geschäftes  auf  Er.en  Ihm  geselle  sich  nach
und  nach  zu,  wer  würdig  in,  ne  en  ihm  zu  sieben,
Melanchthon,  ThomasiuS,  Wolf,  Leibnitz,
Kant.  Alljährlich  werde.Jedem,  ober  wenigstens  einem ­
  dieser  groß  n  Deutschen,  eine  würdige  Feier!
Würde  dies  nicht  ein  fruchtbarer  VereinigungSpunkr
  der  Künste  werben?  eine  Schule  der  Beredsamkeit? ­
  ein  Tempel  des  Nachruhms,  wo  insonderheit
dem  Gemüthe  der  Jugend  der  Stachel  der  Nacheiferung ­
  wohlthätig  sich  eindrückte?
Wendet  nicht  ein,  daß  die  Kräfte  auch  wohlhabender ­
  Städte  zu  solchem  Werke  nicht  hinreichen.  Sie
werden  hinreichen,  wenn  eS  allmälig  gedeihet,  wie  alle«
Grope  und  Gute,  uns  reichen  sie  nicht  hin:  nun  so  lasset
ab,  es  zu.wollen.  —

Verdient  also  wol  der  Verfasser  deS  Evigramm«
irgend  einen  der  Vorwürfe,  die  ihm  gemacht  sind?
Doch  er  und  der  ihn  zu  Rede  steUre,  kommen  zusammen ­
  in  dem  Wunsche,  einen  groyen  Mann  von  der
Nachwelt  geehrt  zu,sehn.  Die  Kraft  der  Wahrheit,
wird  sie  auch  wol  über  die  Ansicht  der  Mittel  vereinigen: ­
  und  so  können  sie  sich  beim  Scheiden  biederherzig
  die  Hand  reichen.

Umständlichere  Anzeige  des  Herrn  Zungius,  betref,
send  seine  Lufnetse,  seinen  Gefährten  und  den
mlizuiiehmenden  Apparat.
Aus  triftigen  Gründen  habe  ich  den  Tag  meiner  Lustreise
  aus  den  Montag,  de»  igten  d.  verschieben  muffen.
DaS  Publikum  verliert  dabei  nichts  und  wird  mich  um
so  eher  entschuldigen.
Einer  unserer  Gymnasiasten  und  mein  Schüler,  ein
Jüngling  von  13  Jahren,,  wird  mein  Begleiter  seyn.
Ich  werde  mit  ihm  eine  Höhe  von  etwa  15,ovo  Pariser
Fuß  erreichen  können  und,  hab'  ich  diese  erreicht,  bald
darauf  landen,  ihn  aursehen,  um  den  Flug  noch  einmal
allein  bis  zu  der  möglich  größten  Höhe  von  etwa  20,000
Pariser  Fuß  zu  beginnend
Eine  löians,  die,  den  Zuschauern  »och  sichtbar,
und  wo  möglich  noch  über  Berlin,  aus  einer  minder ­
  beträchtlichen  Höbe  hcrabgeworfen  werden  soll,
einige  Taube»  und  andere  Vögel,  Fische  und  Frosche
in  Gläsern  werden  mich  gleichfalls  begleiten,  um  an
ihnen  schickliche  Beobachtungen.  anstellen  zu  können.
Meteorologische  Instrumente  aller  Art,  cl»e  Vorrichtung ­
  zum  Verdunsten  der  Schwcfelnavhre  und  eine
untere  zur  Prüfung  des  Mariottii'chen  Gesetzes  in  großen ­
  Höhen  der  Atmosphäre,  mit  Wasser  gefüllte  Flaschen, ­
  in  welchen  ich  aus  döbern  Regionen  Lust  mit
iur  Erde  herabbrinaeu  werde,  u.  d.  m  werden  einen
Tberl  des  unveräusserliche»  Ballastes  meiner  Gondel
ausmachen.  Schenke  mir  der  Himmel  nur  einen  ruhigen ­
  Tag!  W  Jlingius.
(Künftig  über  den  Erfolg  der  Reise  in  dieser
Zeitschrift.)
            
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