0 So
von einer erfreulichen Wärme für das Erhabene in
der Kunst. — Möchten seine schönen und gehaltvollen
Vorschläge doch nicht umsonst ausgesprochen, und auf
keinen unfruchtbaren Boden gefallen seyn!
Unserm neu aufgetretenen .ächt vaterländischen
Dichter, Dem phantasiereichen „nd geistvollen Wchöoscr
der TbalS-Söhn. *•*), gebührt ein eben so unparteiisches
Lob dafür, daß er best großen Gedanken gefaßt hat,
uns mit den näheren Verhältnissen, und so zu sagen,
mit dem schölten reinen Privat - Karakter deS unsterblichen
Luthers bekannt zu machen; daß er uns
sein, letzt für die mehrstcn Lutheraner selbst, unbekanntes
Leben, wie ein bcllleuchrendes Bild vor die
Augen stellen will, und so unsere Gemüther mit tcn
edelsten Gegenständen beschäftigt, welche menschliche
Dichtung ie verherrlicht bat! —
Mit unserm Schiller laßt uns ihm und allen Dich,
tern seines Gleichen, jurijfcn:
Der Menschheit Wurde ist in eure Land gegeben,
Bewahret sic.
Sie sinkt mit euch. Mit euch wird siessch hebeul
Ter Dichtung heilige Magie
Dient cinci» weisen Weltenplane,
Still lenke sie zum Ozeane
Der großen Harmonie;
Von ihrer Zeit verstoßen, flüchte
Die ernste Wahrheit zum Gedichte,
Und finde Schutz in der Eamönen §h»k
Zn ihres Glanzes höchster Fülle,
Furchtbarer in des Reizes Hülle
Erstehe sie in dem Gesänge
Und rache sich mit Eiegcsklange
.An deS Verfolgers feigem Ohr *’)!
Carl.Gr. v. Dr.
**) Auck ebne des LhaleS-Soßne gelesen zu haben, he<
gen wir, nach dem allgemeinen Rufe, ein günstiger Norurlheil
für den Dichter derselben, «nd wenden uns daher an ihn selbst
mit der Frage: ob Er zur Huldigung gegen den großen Mann
nicht das Eoos dem Drama, oder.»och, wen» er stch für
letzteres entscheidet, ob er nicht die Lehrsorm des Drama, die
tlolj im Lesen empfangen wird, der S ch a u so r m verliehet? —
Uebiigcni aber kann c« sehr wol seyn, daß man der Unistand«
»dir eines Zwecke« wegen, der außerhalb des KuustgebiricS liegt,
ti« eine Form zuiraglicher findet «IS die andere; fvieii man doch
Allegros auf der H»rn>»n>ka und Walzer auf der Segel >— Ader
dann seht die Sache nicht mrhr nach der Kunst, sondern
die Kunst geht »ach der Sache! ü- ist nichk mehr Gebieterinn;
ste Miro iur Magd, Unterthan lenem Ersetz: rem facias.
ClJor, Ep. I, I, «50
**} Eine schone Steile! Aber red-r st- denn ausschließlich
der theatralischen Darstellung da» Worl?
Schlußan.merkung.
Luther unterscheidet sich von allen Heroen der
Dorwclr wesentlich dadurch, daß er nur dem Vaterlande
der Menschheit angehöret, und daß sein ganzes
Leben, hingegeben an eine große ihn beherrschende
Idee, zu einer ununterbrochenen Handlung wird. WaS
soll davon auf die B ü h n e kommen? Die erhabensten
Momente, di« auch in der epischen und lyrischen Form
erhaben bleiben, müssen i» der dramatisch-mimischen
t>n Würde verliehrcn, unrettbar verliehren. Deshalb
'fragt das Evigram verwundert:
Soli au, der Sliihnc sogar der Menschheit Anwald erscheinen?
Und es fragt also mit kindlicher Ehrfurcht. Bei Altem,
was man zu Ehren eines Be^wiqten, dvffen
Geist sein Nachlaß ist, zu thun i»> Begriffe steht, wird
cS dem dankbaren Herzen Bedürfniß, zu fragen, wie
her Abgeschiedene selbst über tie Form der Huldigung
urtheilen, ob er sie billigen würde, wenn er noch lebte.
Dgtzrr dort dir Bitte an den heiligen Schatten:
Zürn', Ehrwürdiger! nicht!-»setz send'abwehrendeEchaain!
S ch a a m über denMifigriffeines an sich löblichen Gefühl«.
Hat denn aoer darum oas Epigramm gegen jede«
Denkmal sich erklärt t Folgender Entwurf mag Antwort
geben.
Ern Denkmal für Luther gehöre nicht einem Orte
allein an. Jede Stadt von Bedeutung besitze ein«;
gründe darum ein Museum, ein Pantheon; darin Luther«
Gemälce oder Figur in Lebensgroße, von trefflichen
Künstlern augeferrigt. Alljährlich an dem Tage,
da er geboren ward, ober an dem, ra er starb, in feierlicher
Versammlung, eine Ecdachtnixrede, Prcisausgabe
uno PreiSaustheilung für eine lyrische, epische, historische
biographische Ansicht des Mannes und
seines Geschäftes auf Er.en Ihm geselle sich nach
und nach zu, wer würdig in, ne en ihm zu sieben,
Melanchthon, ThomasiuS, Wolf, Leibnitz,
Kant. Alljährlich werde.Jedem, ober wenigstens einem
dieser groß n Deutschen, eine würdige Feier!
Würde dies nicht ein fruchtbarer VereinigungSpunkr
der Künste werben? eine Schule der Beredsamkeit?
ein Tempel des Nachruhms, wo insonderheit
dem Gemüthe der Jugend der Stachel der Nacheiferung
wohlthätig sich eindrückte?
Wendet nicht ein, daß die Kräfte auch wohlhabender
Städte zu solchem Werke nicht hinreichen. Sie
werden hinreichen, wenn eS allmälig gedeihet, wie alle«
Grope und Gute, uns reichen sie nicht hin: nun so lasset
ab, es zu.wollen. —
Verdient also wol der Verfasser deS Evigramm«
irgend einen der Vorwürfe, die ihm gemacht sind?
Doch er und der ihn zu Rede steUre, kommen zusammen
in dem Wunsche, einen groyen Mann von der
Nachwelt geehrt zu,sehn. Die Kraft der Wahrheit,
wird sie auch wol über die Ansicht der Mittel vereinigen:
und so können sie sich beim Scheiden biederherzig
die Hand reichen.
Umständlichere Anzeige des Herrn Zungius, betref,
send seine Lufnetse, seinen Gefährten und den
mlizuiiehmenden Apparat.
Aus triftigen Gründen habe ich den Tag meiner Lustreise
aus den Montag, de» igten d. verschieben muffen.
DaS Publikum verliert dabei nichts und wird mich um
so eher entschuldigen.
Einer unserer Gymnasiasten und mein Schüler, ein
Jüngling von 13 Jahren,, wird mein Begleiter seyn.
Ich werde mit ihm eine Höhe von etwa 15,ovo Pariser
Fuß erreichen können und, hab' ich diese erreicht, bald
darauf landen, ihn aursehen, um den Flug noch einmal
allein bis zu der möglich größten Höhe von etwa 20,000
Pariser Fuß zu beginnend
Eine löians, die, den Zuschauern »och sichtbar,
und wo möglich noch über Berlin, aus einer minder
beträchtlichen Höbe hcrabgeworfen werden soll,
einige Taube» und andere Vögel, Fische und Frosche
in Gläsern werden mich gleichfalls begleiten, um an
ihnen schickliche Beobachtungen. anstellen zu können.
Meteorologische Instrumente aller Art, cl»e Vorrichtung
zum Verdunsten der Schwcfelnavhre und eine
untere zur Prüfung des Mariottii'chen Gesetzes in großen
Höhen der Atmosphäre, mit Wasser gefüllte Flaschen,
in welchen ich aus döbern Regionen Lust mit
iur Erde herabbrinaeu werde, u. d. m werden einen
Tberl des unveräusserliche» Ballastes meiner Gondel
ausmachen. Schenke mir der Himmel nur einen ruhigen
Tag! W Jlingius.
(Künftig über den Erfolg der Reise in dieser
Zeitschrift.)