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Volume Nr. 79., 30. December 1806

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

jti  besorgen.  Fuhrleute  gehören  in  der  Regel,  »egen
ihrer  Wohlhabenheit,  zu  den  guten  Bezahkern,  sie  werden ­
  daher  nicht  leicht  von  den  Wirthen  auSgcwresrn;
ater  ft«  selbst  sind  auch  Leine  Freunde  vom  häuflgen
Ziehen,  trcil  sie  nicht  in  jedem  Hause  den  für  Pferde,
Wagen,  Fütterung  und  Dünger  erforderlichen  Gelaß
finden.  Einigen  Zuschuß  an  Oehl  würden  die  Kutscher
jedoch  auf  jeden  Fall  liefern  müssen,  um  daS  Leben
der  Flamme  auf  ein  Paar  Stunden  zu  verlängern,
oder  um  fie  ganz  zu  unterhalten,  wenn  etwa  die  öko<
nomische  Spekulation  auf  den  Mondschein,  dem
Kalender  und  derPolizeiordstAng  zum  Trotz,  fehlschlagen
sollte.  Denn  daß  die  himmlische  und  die  irdische  Illuminationsbchörde
  für  die  Erleuchtung  unserer  Srait
nicht  immer  in  traulicher  Gemeinschaft  Sorge  tragen,
hat  man  jetzt  in  de»  rcgnigten  Tagen  nur  zu  oft
bemerkt.  —
Oeffentliche  Pemiscn  mögten  so  leicht  nicht  zu  erwarten ­
  seyn.  In  den  volkreichsten  Vierteln,  wo  man
sie  am  nöthigsten  braucht,  fehlt  es  an  Raum;  und  freie
Plätze,  von  denen  man  kaum  die  eleganten  Bude»  vcrdaiiuet
  hat,  dürfen  nicht  verunstaltet  werden.  —r.
Parallele.
Die  Hüttenkunde.
Unter  diesem  Ausdrucke  versteht  man  einen  gewissen
Theil  der  praktischen  Scheidekunst,  der  den  Weg  zeigt,
wie  man  dir  vrrcrztcn  —  verlarvtrn  —  verkalkren  Metalle ­
  von  den  fremdartigen  Theilen,  mit  welchen  sie
die  Natur  vermischt  hat,  scheiden,  und  daraus  reine
Metalle  gewinnen  kann.  Diese  Kenntniß  ist  dem  Metallurgen ­
  unentbehrlich  —  aber  auch  dem  vornehmen
«ud  reichen  Menschenfreunde.  Diesem  wünsche

Neuigkeiten  und
Lerlin.
Soll  bei  Durchmärschen  seindlicher  Truvpcn  der
Haus-Eigenthümer  stärker  mit  Einquartierung  belegt
werden,  als  der  Miether?
Diese  Frage  ist  in  den  jetzigen  Verhältnissen  oft
genug  angestellt  worden,  aber  gewöhnlich  hat  sich  in
die  Beantwortung  derselbe»  Partheiligkeit  gemischt,
je  nachdem  der  Antwortende,  Haus'besihcr  oder  Miether
war.  -  Die  Klaff«  der  Miether  will  aus  folgenden  Gründen ­
  minder  belastet  seyn:  Erstens:  weil  nach  der,  in
Friedens,eiten  eingeführten  Einquarrierungs.  Verfassung, ­
  der  Eigenthümer  gegen  den  erhöhten  MietbszinS,
hie  Last  der  Einquartierung  allein  übernommen  hat.
Zweitens:  weit  der  Haus-Eigenthümer,  als  Besitzer  eiich

  die  wahre  Hüttenkunde.  ES  giebt  so  manche«
stille  Leiden  edler,  guter,  ah«r  —  armer  Mznschen,  die
der  Vermögend«  mit  Rath  und  That  mildern  könnte,
wenn  er  Hüttenkunde  besäße.  In  Der  niedern  Hütte
dcS  Dürftigen,  deS  verschämten  Armen  liegt  so  manches ­
  edle  Metall,  durch  die  äzeudcn  Säuren  einer  zufällig ­
  niedern  Geburt  verkalkt  —  und  dem  Auge
Verborgen.  Der  Schwefel  der  Convention  bedeckt  ihren ­
  innern  Werth,  da«  Gold  ihres  vorzüglichen  G.tsteS.
  Da  müßte  und  sollte  der  Fürst  —  od.r  der  Reiche ­
  sich  die  Freude  einer  reichen  Ausbeute  —  durch
eine  praktische  Hüttenkunde  erwerben-DaS
  ist  der  Schacht,  aus  welchem  er  die  vererzken
und  verlarvtcn  Metall«  der  ediern  Menschheit  zu  Tage ­
  förd  ern  sollte!  Hier  ziehe  er  das  Talent,  den  großen
Charakter  hervor,  und  reinige  ihn  von  de»  fceind-airisscn
  Theile»,  welche  das  bürgerliche  Leben  versteckt  hat,
und  er  wird  seinen  Mitmensche»  einen  Beweis  von
der  erhabensten  Hüttenkunde  geben.  Doch  dazu  bedarf
cs  auch  nicht  immer  dcS  hohen  Stande»  und  des  Crösus
  Schatze.  Jedes  wohlgeordnet«  Her;  bringt  die  natürlichste ­
  Anlagen  zu  dieser  Hüttenkunde  mit  auf  die
Wclt,  und  jeder  freie  Mann  kann  sie  praktisch  anwcn-Len
  —  wenn  er  nur  will.  Unter  so  vielen  H'ittenkuü/
dlgcn  dieser  Art,  stehen  die  Namen  eines  LintcmS,
Salzmanir  und  Becker  in  Gotha  —  gewiß  nicht  in  der
letzten  Reihe!  _____  D.  —
Am  Iatzr  es  schloß.
Da«  Jahr  ist  hi»  —
Wie  viel  Gewinn
Hat  c«  die  eingebracht?  —
„O  ja  nicht  an  Gewinn  gedacht!
„Gott  schütze  künftig  nur  in  Gnaden
„Uns  vor  noch  größer,»  «schadend"  .....

NeS  Objektes  von  reellem  Werth  reicher  seyn  soll,  at«
der  Ddickher,  und  in  die,cm  Verhältnisse  auch  mehr  Last
trage»  tonne.  Uustreirig  haben  diese  beiden  Gründe,
oberflächlich  genommen,  den  Schein  der  Wahrheit,  jedoch ­
  mogle  ihre  Unzulänglichkeit,  bei  näherer  Prüfung
zu  erweisen  seyn:
Der  erste  Grund  widerlegt  sich  von  selbst,  weil
der  Eigenthümer  sich  nur  verpflichtet  hat,  solche  Eia--quarlierung
  zu  übernehmen,  welche  in  Fricdrnszeiten,
und  bei  landesherrlichen  Trupven  -  Durchmärschen  stakt
findet.  Von  der  Last  fremder  Truppen-Einquartierung
könnte  also  der  Miether  nur  so  viel  Erlaß  verlangen,
als  der  Eigenthümer  durch  gewöhntieye  Bczuakuerung
in  der  Zeck  hätte  dclasiet  werde»  könn  «.
            
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