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Volume Nr. 79., 30. December 1806

Full text : Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Ausgabe 1.1806 (Public Domain)

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blc  fthletssafte  Auswahl  der  FestungSkommandantcn
ftlbst.  Ein  Kommandant  sollte  billig  ein  ganzer
Mann,  im  ganzen  Sinne  des  Wortes  seyn.  Thätig
riild  rüstig  a»  Leib  und  an  Geist,  Krieger  und  Menschenkenner ­
  zugleich;  erfahren  in  der  Kunst,  die  Gemüther ­
  zu  behandeln,  um  sich  ohne  Gewaltthat'  und  Rohheit ­
  beim  Bürgerstandc,  dessen  Stimmung  für  die
Vertheidigung  einer  Festung  von  solcher  Wichtigkeit
ist.  Ansetzn,  Zutrauen  und  Liebe  zu  verschaffen;  er  sollte ­
  mit  bewährter  Redlichkeit,  Festigkeit  des  Charakters,
mit  raschem-Muthe,  Gegenwart  des  Geistes,  und  Vor»
stcht,  mir  Talenten,  Erfahrung  im  Dienste  verbinden;
besonders  sollte  er  auch  vom  Fcstungs-  und  Artilleriewesen,
  wenigstens  so  viel  Kenntniß  besitzen,  glS  durchaus ­
  erforderlich  ist,  die  Angaben  der  ihm  untergeordneten ­
  Ingenieurs  und  Artillerie-Offiziere  gehörig  beurtheilen ­
  zu  können.
Nun  frage  ich  alle  Welt,  wie  viele  Kommandanten ­
  haben  wohl  mit  diesem  nicht,  überspannten  Ideale
auch  in  der  Ferne  nur  Aehnlichkeit?  Aber  ist  das  ein-Wunder?
  bat  man  bei  ihrer  Anstellung  wohl  immer
darauf  gedacht,  ihr-«  Tüchtigkeit  zu  de«  ausnehmendwichtigen
  Posten  auch  nur  im  geringsten  zu  prüfen?
Hat  man  nicht  häufig  bloß  den  Mann,  nicht  daS  Amd
zu  versorgen  gesucht?  hinfällige  Greife  zu  Kommandant
ken  ernannt,  deren  ganzer  Anspruch  sich  darauf  gründet, ­
  daß  sie.  di«  Uniform  eine  lange  Reitze  von  Jahre»
gctragcn»  und  -deren  einziges  Talent  sich  darauf  be--fchränkt,
  von  einem  Bataillon  oder  Regiment  das  vorgeschriebene ­
  Exercitium  erträglich  vollziehen  zu  lassen  r-Fccilich
  so  lange  kein  Feind  sich-  hören  oder  sehen  läßt,
richtet  ein  solcher  militairischer  Pfründner»  wenn  er.
sonst  nicht  gerade  am  Herzen  verkrüppelt  ist,  eben  keiw-Uuheil
  an;  allein  wenn  die  Stunde  der  Prüfunschlägt, ­
  dann  wird  cs  klar,  daß  er  sich  weder  zu  rathen ­
  noch  zu  helft»,  daß  er  durchaus  nicht  auSzusinnrn
  weiß,  was  er  thun  »der  lassen  soll;  dann  zeigter
  leicht  eine  Unkuude,  die  man  nicht  seinem  jüngsten
Herrn  Cohn,  dem  Fahnsunker,  ein  Schwanken,  bat.
nur»  kaum  dem  gnädigen  Fräulein  Tochter,  oder  eitt-Bufbrausen
  gegen  vernünftige  Vorstellungen,  das  man
nur  der  hochgebietenden  Frau  Gemahlin  zutrauen  sollte; ­
  —  dann  gehiS  —  —  wie'«  ging.
Aber  «n  wen  soll  der  Staat  sich  dann  halte»?
Wem  soll  er  Vorwürfe  machen?  Wer  den  Haftn  z„«
Feldhüter  setzt,  der  lasse  sich  «S  nicht  befremden,  wenn
der  Waue,  hcldenhcrzige  Merten,  beim  ersten  An-S

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schlagen  streifender  Hunde,  gewaltig  die  Ohren  spitzt',
ein  Männchen  macht,  und  dann  stink  die  Waffen  benutzt, ­
  die  Mutter  Natur  ihm  verlieh.
Friedrich  maß  sich  die  Schuld  bei  —  nicht  dem
Kommandanten  von  Küstrin.  —r.
N.  S.  Der  jetzt  bekannt  gemachten  Kapitulation
zufolge  führte  der  General  von  Urten  Hoven,  daS
Kommando  in  Plasscnburg.  Die  in  der  ersten  Abtheilung ­
  dieses  Aufsatzes  geäußerte  Vermuthung,  daß  der
Mmor  von  Pillnitz,  der  dort  mit  seiner  Jnvalidenkomvagnie
  lag,  in-dieser  Festung  kommandirt  habe,  muß
hiernach  berichtigt  werden.
Gesang  für  den  Sylvester,  Abend.
Kidi  dir  Mrlottte:  »»«in-  freie«.  Lebe»  fuhren  wir  rc^"
Damen.
Ausl  lasset  den  Sylvestertag  '
mit  Sang  und  Klang  uns  ehren;
der  Männer  eitle  Herrschaft  mag
am  Morgen  wiederkehren-Schenkt
  wohl,  ihr  Herrn!  die  Gläser  Voll;-„DaS
  Regiment  der  Weiber  soll
stets  wachsen,  grünen,  blühen!"
Herrn.
Wir  stoßen  hohen  Muthes  an:
„es  blüh  des  Mannes  Reich  fortan,
„er  ist  der  Herr  der  Schöpfung."
Damen.
Gemach,  ihr  Herrn!  Mit  euerm  Reich
hat's,  traun!  nicht  viel  zu  sagen.
S'ist  Scherz,  wenn  wir  zuweilen  euch:
„mein  Kind,  was  meinst  du?"  fragen.
Das  Weibchen  thut,  war  ihm  gefällt,
und  wer  recht  hat,  und  recht  behält,
sind  wir'»  nicht,  liebe  Herren?
Herrn.
Wir  gönnen  euch  den  säßen  Wählt;
war  Weibchen  thut  ist  wohlgethan,-der
  Herr  hat'S  ja  beschlossen.
Damen.
Ihr  kennt  dar  sanfte  Zepter  doch,
daS  eure  Gattinn  führet?
ES  lebe  der  Pantoffel  hoch,
der  weit'  und  breit  regieret!
ES  leb"  der  Mann,  der  ftenndlich  1l?bt>'
wenn  Weibchen  ihn  vom  Fuße  zieht
und  schalkhaft  fragt:  „stetzl  kennst  du
Herrn.
ES  leb  der  Mann,  »er,  Fürst  im  HanS,
von  Klub»  Kasino,  Ball  nutz  Schmant
nicht  braucht  zu  reftriren.
            
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