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Volume Nr. 59., 21. Oktober 1806

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Issue1.1806 (Public Domain)

Berlin 
«der 
d e r Preußische Hausfreund. 
Dienstag, de» 21. Oktober. 
Ueber Kredit. 
Kredit ist für alle Staaten überhaupt, s» wie 
für jeden Gcschäststreibenden insbesondere, eine eben 
so nützliche wohlthätige und unentbehrliche Sache, als 
die öffentlichen Posten und andere Einrichtungen sind. 
Feder Einwohner eines Staats hat viel oder wenig 
Antheil daran, und jeder individuelle Vortheil ist so 
innig mit de» StaatSvortheilen verbunden, daß jeder 
(f injelnc durch dessen Mißbrauch leidet; f» wie im Ge 
gentheile der wohlthätigen Vortheile sich ersteuet. — 
Daher sollte der Kredit auch stets aufrecht erhalten, 
und auf« kräftigste geschützt werden. — Der Raum ge- 
stattet hier nicht, den Begriff von Kredit in seinem 
ganzen Wesen und in seinen Wirkungen durchzuführen, 
sondern es ist nur die Absteht, den eingerissenen Miß 
brauch bemerkbar zn machen. 
Zwischen Kauf- und Handelsleuten ist ein voll- 
kommner Kredit besonders nothwendig und unentbehr 
lich : denn ohne denselben kann kein bedeutender Han 
del, der doch die E«el« der Staaten ist, ja nicht ein 
mal ein nur mittelmäßiger Verkehr getrieben werden, 
wäre dieser auch nur bloß auf da« Innland beschränkt. 
HandlungStrcibende müssen daher ganz besonders dahin 
trachten, wie sie sich einen möglichst ausgebreiteten 
Kredit verschaffen, weil damit ihr größter Vortheil 
verknüpft ist; dieses Zweck« wegen müssen sie aber auch 
alles anwenden, um durch Ordnung, Pünktlich- 
111, (Ottofcct.) 
kett und Solidität in ihren Geschäften, »der durch 
Redlichkeit, Rechtschaffenheit und Worth al 
len, sich Kredit zu sichern. 
Privatpersonen, welche nicht Handel treiben, aber 
doch gleich wohl vom Kreditntbmen Gebrauch machen, 
sollten eben dieselben Verbindlichkeiten, wie der Kauf 
mann haben; denn obgleich ihr Wirkungskreis weni 
ger bedeutend ist, so ist er doch wichtig in seinen Fol 
gen, wenn sic nämlich da« ihnen geschenkte 
Zutrauen mißbrauchen, »der solches gar auf 
eine betrügerische Weife zn benutzen suchen. 
Denn eigentlich ist der Kredit, der den Privatpersonen 
zu Theil wird, bloß eine freundschaftliche Wohl 
that, welche nur durch die stets größer werdende Kon 
kurrenz unter den Verkäufern, sich so allgemein ver 
breitet hat, ja man möchte sagen, nun aufs unverant 
wortlichste verschwendet, und aus« schändlichste gemiß 
braucht wird; daß e« also höchst Noth thäte, diese» 
Mißbrauch von Staats wegen aufs kräftigste zu steuern, 
und das Wort- und Glaubrnhalten, jedem Individu 
um, bei Verlust seiner Ehre und Habe, zur Pflicht zn 
machen. 
Jeder armselige aber stolz einhertrabende junge 
Mensch, macht jetzt Anspruch auf Kredit, ohne ihn ver 
dient zu haben, oder ohne zu wissen, wie er Ersatz ge 
ben will; er verschwendet lieber sein Einkommen, und 
borgt da« unentbehrliche — hält sich aber für beleidigt, 
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