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Volume Nr. 37., 5. August 1806

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Issue1.1806 (Public Domain)

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rum nickt? — antwortete, wie gewöhnlich derSchwin- 
Lelkopf, und flog de» Felsen hinan. Einige seiner 
Freunde datcn ihn, dieses Wagestück zu unterlassen; 
sogar Fremde mahnten ihn dringend davon ab; allein 
er lachre darüber, kletlcrke wie eine Katze an den, zcr- 
florren Gemäuer hinauf, erreichte glücklich die Spitze, 
und stcllle sich aus einen Kragstein, der sich, wie der 
Arm eines Wegweisers, über den Abgrund hinstreckte. 
Indem aber hier der Verwegene triumphirend den Hut 
schwenkte, riß sich der lockere Stein unter seinen Fü 
ßen von der Mauer los, und stürzte mit ihm in die 
Fclsentieft hinab. Mit Entsetzen eilten die Zuschauer 
dem Verunglückten zu Hülse. Doch leine Rettung 
war möglich; man fand ihn zerschmettert. 
Lange Jahre nachher besuchte Wilhelm einst seinen 
Vater, und ste lustwandelten mit einander im Garten. 
„ Erinnerst Du Dich noch, mein Sohn," sprach der 
achtzigjährige Greis, „ daß ich eines Tages — es wer 
den nun wohl vierzig Jahre her seyn — auf dev Stel 
le,wo wir stehen, Deinen Ausdruck: Warum nicht? 
gegen Adolfen vertheidigte? — O, wie wunderbar er 
füllten diele zwei Worte, was ich damals gleichsain von 
ihnen weißagte! Dich erhoben ste auf die höchste Stufe 
der Ehre, Gustaven stürzten stein ein frühes Grab, und 
Adolf, dem sie ein Aergerniß waren, blieb bis diesen 
Augenblick eine unnützeLast derErdc. — Erzähle, mein 
Sohn, Deinen Kindern Gustavs warnende Geschichte, 
und stelle Dich als Gegenbild auf, damit auch ihnen 
Dein edle« Warum nicht? eine Triebfeder der Tu 
gend und'Thätigkeit werde! — Langbein. 
Ueber 
die schlechter« Fahrwege von Berlin nach Prenzlau. 
( Eine nötl, ige 9; ii fl e. ) 
( Smsciuno. ) 
2ck> reiste im Monat Mai in Geschäften nach der Ukcr- 
mark, und fuhr zum Prenzlauer T! or hinaus. Gleich vor 
dem Thore siel mein Wagen bis beinahe an die Axc in ein 
Loch. — Ich gebe zu, daß die Lage der WegeS weiter 
hin höher ist, und daß also alles Wasser, das von den 
Bergen herunterkommt, sich vor dem Thore sammle 
»ad dort zuletzt eine Untiefe bilden muß, weil es nicht 
abfließen kann; allein, könnte man dieser großen Un 
bequemlichkeit, so nahe vor der Stadt, nicht durch ei 
ne kleine Erhöhung des WegeS vom Thore an, bis zu 
dem Hohlwege hinauf abhelfe», und cS dann eben so, 
wie an dem Dernaucr Thor« machen, wo man auf 
beiden Seiten des Thores unterhalb in t er Mauer 
eine Dcffnung gemacht, und bitte mit einer kleinen 
Schleuse versehen hat, durch welche daS Wasser in 
die gewöhnlichen Rinnsteine durch die Dorstadt bis 
in die Spree fließt? - Bald hinter dem Hohlwege 
fand ich zwischen den Hufen mehrere Untiefen, die 
gleiche Breite mit dem Wege hatten, und in welche die 
Pferde zum Theil bis an den Lauch hincinstelen. Auf kei 
ner Seite waren Auswege, und ich mußte also mei 
nen hin - und herschwankenden Wagen bis an die Axc 
im Kolh durchschleppen lassen. Der übrige Weg bi« 
zu Ende der Hufen war fest und gut. Woher also 
diese gefahrvolle Untiefen? Weil vom Hohlwege an, 
bis an das Ende der Hufen oder des Stadk-Gedieths, 
weder rcckits noch links ein Graben ausgeworfen ist, in 
den sich die Feuchtigkeiten aus dem Wege abziehen kön 
nen. Es muß also alles Wasser, daS sich von den hö, 
her liegenden Feldern in die Gründe des WegeS herab 
ziehet, hier stehen bleiben. Und doch ließe sich hier, 
ohne große Kosten, Rath schaffen, sobald nur sämmtli 
che, an dieser Landstraße liegende Hufenbcsttzer mit 
Ernst und Nachdruck angehalten würden, die vorlängS 
ihrer Hufen, auf beiden Seiten des WegeS gehenden 
Gräben, auf sechs Fuß tief anzulegen, und sic in dieser 
Tief« zu unterhalten. Mit der herausgeworfenen Erde 
können die Untiefen ausgefüllet, und der sonst gerade 
Weg kann in wagercchterHöhe befestiget werden. Nach 
der angeführten Stelle des LandrechlS, halte ich die 
Besitzer der Hufen vor dem Prenzlauer Thore zu die 
ser Wegbrsscrung schlechterdings verpflichtet, denn die 
se Landstraße geht durch ihren Hufcndistrikt. Die Ko 
sten, welche diese Arbeit verursacht, müssen fle als eine 
Commune gemeinschaftlich tragen. Sie können so be 
deutend immer nicht seyn, als der Nutzen ist, den sie sich 
selbst in ökonomischer Hinsicht dadurch stiften. Denn ein 
mal entwässern diese Gräben zugleich ihre Felder, machen 
sie fruchtbarer, und verhüten das Versauern der Saaten ^ 
zum andern werden ihre Felder gegen alle« nothge- 
drungene Uebcrfabrcn der Reisenden gesichert. 
Ehe ich weiter reise, muß ich noch bemerken, daß ich 
schon im Oktober 17>S, zu welcher Zeit ich diesen Weg 
öfters befahren mußte, die Grundlosigkeit desselben der 
hohen LandeSvolizei-Behörde anzeigte, und um fchieu- 
nige Verbesserung desselben sehr dringend bat, indem 
ich die Martern zu schildern suchte, die der Landmann 
noch kur; vor der Stadt auszustehen habe, wenn er 
sein Getreide au« sehr weiter Ferne zum Unterhalt der 
Residenz-Bewohner hierher brächte. Man gab mir 
sehr gnädig zur Antwort, daß wegen der schleunigen 
interimistische» Ausbesserung dieses Weges daS Nöthi 
ge an die Behörde verfügt worden, daß zu einer voll 
ständigen Ausbesserung aber der Weg vermessen und 
nivellirt werden müsse, welches einem Kondukteur über 
tragen sey. — ES geschah auch wirklich die AuSbesse-
	        
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