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Volume Nr. 35., 29. Julius 1806

Full text: Berlin oder der preußische Hausfreund (Public Domain) Issue1.1806 (Public Domain)

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Ich ging , gelockt von Li'ndenbluthen, 
" FürbaS nun nach Lein Wilhelm-platz, 
Sah Seidlitz, Leit, Schwerin und Ziethen, 
Und Wintcrfeld, einst Preußens Schatz! 
Chor. Ihr Nachruhm ist her Enkel Schatz! 
Ich kreuzte noch durch manche Gasse, 
Besah das Brandenburger Thor, 
Und zog zuletzt die Mittelstraße 
Bescheiden allen andern vor. 
Chor. Auch wir, wir zieh» sie allen vorl 
Karl Mächler. 
Neuigkeiten und 
Berlin. 
Belohnung. 
Der im vorigen Blatte S. i?4. genannte Prediger 
Möller •) in Elsey erhielt am I7len Juli ein 
,cl,r gnädiges Kadincrsschreivcn vom 8ten ejnsd., wo 
rin unser König ihm, als Verfasser der beiden Bitt 
schriften der Grafschaft Mark, ein Vftariat in dem 
Stifte St. Johannis und Dionisii zu Herford, frei 
von Chargen und Stempel-Geldern, mit Dispensation 
a liiere, üllergnädigst ertheilt hat. Ueber diese Aus 
zeichnung weilen auch dicienigen, welche diesen wür- 
i ic'.en Mann nur dem Namen nach kennen, sich innig 
freuen, wenn sie erfahren, wie viel Verdienst er in 
sich vereiniget. „Er ist," urtheilt einer seiner Freun 
de über ihn, „ein vorzüglich guter Alterthums- und 
Geschichts-Forscher, der einzige vielleicht, der die Ge 
schichte der Grafen von Altena und der Mark gut zu 
schreiben im Stande wäre; dabei ein Mann von dem 
edelsten Herzen, der im Stillen unendlich viel Gutes 
wirkt. In seiner Gemeinde ist in einer Reihe von 
mehr als 20 Jahren kein uneheliches Kind geboren 
und kein Prozeß geführt worden. Man sieht hieraus, 
wie viel ein Prediger vermag, wenn er hehrweiSheit 
mit unbescholtenem Lebenswandel verbindet." 
Dieser würdige Mann war nicht unbedeutend 
krank gewesen, als er abgedachtes,CabinetS- Schreiten 
erhielt, und diese unerwartete,Königl. Gnade wirkt« 
um so heilsamer auf sein Gemüth, da sie ihm von ei 
nem Monarchen zu Theil ward, den er von ,eher heiß 
und innig liebte. 
' 
Fortgesetzte Nachricht von der Durchboh 
rung des Trommelfelles im Taubstum- 
men-Institut zu Berlin. 
Herr tBvdavid hat in der SvenerschenZei- 
tnnq Nr. 85. einige wichtige .Bedenklichkeiten über 
die von Cocpcr erfundene Kurart für Taube mitge 
theilt. Er nimmt nur zwei Fälle an, in welchen die 
Durchbohrung de« Trommelfelles für den Taubkranken 
von Nutzen seyn könne: Erstlich, wenn die Eusta 
chische Trompete verschlossen ist, .und daher bei Ein 
wirkung des Schalles auf da« Trommelfell die in der 
Trommelhöhle eingeschlossene und ausgedehnte Lust 
nicht ausweichen und gleichförmig bewegt werden kann. 
Denn alsdann drückt die Luft so sehr auf das Trom- 
welfell, und besonders auf die Grundfläche dcS Steig 
bügels, daß dadurch die Aufnahme, noch mehr aber 
die Fortpflanzung des Schalls in'S Innere des -hrS 
unmöglich wird. Zweiten«, wenn das Trommel, 
fell durch einen krankhaften Zustand feine SchwingungS- 
fähigkeit verloren hat. Im ersten Fall kann durch daS 
Durchbohren des Tr»mmelf>llS das Gehör einigerma 
ßen wieder hergestellt werden. Denn die eingeschlossene 
-) Ein Prediger qieuLe« Nahmen! ist in S ist w e t IN in der 
(Scafstfcaft Mark, «in grner Makbemattter, all solcher 
Mitglied der iiiest,-n Akademie der Wissenschaft,». 
**) (Ein iulhen feste! Psgrrdorf am Kacke Elle ,» der Graf, 
tich-Veiiiheimischen Grafschaft Hkhen, 8>mi mg, einem Lehn 
»er Srassckast Mark m»er Prruß, Schnee. 
Berichtigung. Seite >7> 
Korrespondenzen. 
Luft entweicht, der Druck auf das Tvostimelfell und 
die Grundfläche des Steigbügels hört auf, die neue, 
in die Trommelhöhle durch die gemachte Oeffnung 
eintretende Luft fetzt sich, wie sonst durch die Eusta 
chische Röhre, in Gleichgewicht, daS Trommelfell er 
hält wieder seine Elasticität, und pflanzt den Schall 
zweckmäßig fort. Im zweiten Fall wirkt der Schall 
unmittelbar durch die Oeffnung dcS Trommelfells auf 
die Trommelhöhle, wohin er, ohne jene gemachte Oeff. 
nting, wegen der verdorbenen Beschaffenheit des Trom 
melfelles, nicht gelange» konnte. Dies sind die zwei 
einzigen Fälle der Taubheit, , in der jene Kurart von 
Nutzen scvn kann. — Mich dunkt, man mag noch ei 
nen dritten Fall hinjurcchnen: wenn eine Verknor 
pelung oder Verknöcherung des Trommelfelles Statt 
stilbet. 
Herr Bendarid behauptet ferner: „diese Operation 
sey mit Gefahr verbunden;" und es scheint mir daher 
nöthig zu bemerken, daß dieselbe in dem Taubstum 
men -Institute jedesmal, sowohl von den im Preu 
ßischen Hausfreunde Nr. 32. S. 166. genannten 
f crren «tadt-Chirurgen, welche nur sieden Taub- 
ummen das Trommelfell perforirtcn, ,al- von dem 
eben daselbst erwähnten Arzte *), der die übrigen Versu 
che vornahm, und darüber eine eigene Abhandlung ln 
Huseland'S Journal liefern will, mir der äußer 
sten Vorsicht und Genauigkeit angestellt wurden. Für 
die Richtigkeit dieser meiner Bemerkung kann ich mich 
selbst verbürgen, der ich, ohne unbescheiden zu seyn, fg 
wohl erklärest darf, daß ich mit dem innern Bau deS 
OhrcS nickt unbekannt bin. Auch kann ich erforderli 
chen Falles mehrere fachkundige, Männer als Zeugen 
anführen, und würde den berühmten Haüy sogleich 
nennen, wenn er nicht in einem ganz andern Fache 
zu seinem Ruhme sich gezeigt, hätte. — 
ES ist bekannt, daß die »bernakürliche Anhäufung 
dcS Wassers im Labyrinthe Taubheit verursacht. Soll 
te nicht hiermit eine verniehrle Anhäufung in den Zel 
len des Zitzenforcsatzes verbunden, und demnach die 
Anbobrunq desselben und die Abzapfung des Wassers 
ein Mittel seyn, die Taubheit zu heben i — Ich fühle 
mich nicht berechtiget, hierüber zu ciikscheidcii; indes 
sen meine ich es noch immer so, wie ich schon vor 
sechzehn Jahren in meiner Schrift über Stumme 
(die ich iidrigcnS zu vergessen bitte) an den Abbe de 
l’-Epee schrieb: „Je pense, que je puls tone amsi 
bien me rendre utile a la verite, en ressen ecartant 
gissen la trouvant moi-meme, donnant par U liou 
a J’autres de puiser dans nies erreurs des lumieres 
qni tres . souvent la conduisent au but que j’ai 
manqiie.’’ 
Der Wunsch, den Tauben daS Gehör zu verschaf 
fen, ist in mir so lebhaft, daß icl>, von chm beseelt, 
gern jedes Mittel ergreife, ob ich gleich befürchte: Die 
Mutter Natur bat bei den mehresten Taubqebornen, wenn 
sie auch sonst alle Gchörwcrkzeuge richtig bildere, doch 
vergessen, dem znm Hören unumgänglich nöthigen Ncr» 
vcn Leben und Thätigkeit zu ertheilen. Eschk c. 
») Ich hc-euae der Wahrsten gemäß, daß der im zrsten Sliick 
dieser Zeilschrift erwähnt« Ant nicht Herr Dr. Gr«, 
p e„gi eßer ist. 
ft.ut Strickrah,ne» — Stickrahmen.
	        
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