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Erstes Capitel. Kindheit und Elternhaus

Full text : Dr. Adolf Sydow / Sydow, Marie (Public Domain)

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Erstes  Espitel.

boten  den  Kindern  allein  die  Möglichkeit  etwas  freierer  Bewegung. ­
  Der  Vater  schon  hatte  seine  Jugend  unter  Entbehrungen ­
  zugebracht.  Wie  er  den  Kindern  wiederholt  erzählte, ­
  hatte  sein  Vater  den  Adel  abgelegt,  um  es,  nach  den
Vorurtheilen  der  damaligen  Zeit,  seinen  -zahlreichen  Kindern,
besonders  seinen  Töchtern  zu  erleichtern,  sich  ihren  Lebensunterhalt ­
  selbst  zu  verdienen,  und  während  seiner  Studienzeit
in  Halle,  hatte  der  Sohn  neben  kargen  Stipendien,  sich  hauptsächlich ­
  durch  den  Unterricht  im  Flötenspiel  erhalten,  das  damals ­
  zur  Zeit  des  großen  Königs,  vielfach  gepflegt  wurde.
Zu  seinen  Studiengenossen  dort,  gehörte  der  später  so  bekannt
gewordene  Kanzler  Beyme,  und  seinem  Wunsche  ist  es  wohl
zuzuschreiben,  daß  nachher  sowohl  sein  Gütercomplex,  als  der
der  Familie  von  Winning,  dem  Burgemeister  Sydow  in  Charlottenburg ­
  als  Patrimonialrichter  unterstellt  wurde.  Aber
trotz  dieser  Nebensteüung  blieb  das  Einkommen  der  Charlottenburger ­
  Stelle  ein  so  dürftiges,  daß,  als  sich  das  Hans
nach  und  nach  mit  sieben  Kindern  füllte,  und  die  Kriegsnöthen,
Truppendurchzüge  und  große  Einquartierungslasten  dazu  kamen,
die  Eltern  oft  nicht  wußten,  wie  sic  die  Kinder  erhalten,  ge°
schweige  ihnen  eine,  ihren  Anlagen  entsprechende  Bildung  geben ­
  sollten.
Der  Vater,  welcher  bei  seinen  Mitbürgern  als  Ehrenmann ­
  noch  lange  in  gesegnetem  Andenken  geblieben,  war  zu
seinen  Kindern  besonders  zärtlich  und  liebevoll.  Der  Verkehr
mit  seiner  Frau,  für  die  er  hochachtende  Liebe  empfand,  hatte
stets  etwas  ritterliches,  und  er  war  sich  genau  bewußt,  daß
er  ohne  ihr  tüchtiges,  resolutes  Walten,  das  Hauswesen  nicht
durch  die  kümmerlichen  Jahre  hätte  durchlaviren  können.  Die
Mutter,  der  die  eigentliche  Erziehung  der  Kinder  oblag,
            
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