Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Du sollst nicht stehlen.
Es war Nacht in Hohen-Ziatz.
Die gute Frau von Bredow stand im Dunkel an den Pfosten
gelehnt und sah dem Knecht Kasper zu, der in der kleinen Burg—
schmiede glühte, hämmerte und putzte. Er sah sie nicht, er hörte
auch nicht, wie ihr Herz bang schlug und wie sie in gedanken—
losem Spiel die Finger rieb.
Es ist was los! flüsterten sie damals, als der Herr von
Lindenberg ausritt. Es ist wieder was los und was Schlimmeres!
hatten sie heut geflüstert.
Der guten Frau von Bredow war es noch nie so schlimm
ergangen in ihrem eigenen Hause. Was war in ihren Herrn
gefahren die Tage über! Er sah in das Glas und trank es
nicht aus. Er war brummig, wie allezeit, aber wenn die Eva
ihm um den Bart kraute, lachte er nicht, wie er doch sonst
gethan. So schön hatte sie noch nie den Hirsebrei zugerichtet,
mit Zimmt und Butter und Zwiebeln, die dampften. Er griff
hinein, er aß und — seufzte. Was hatte ihr Herr zu seufzen?
Wenn er recht brummig gewesen, dann war er nachher immer
freundlich, und war wie um den Finger zu wickeln. Und Ge—
heimes, das mußte sie ihm nachrühmen, Geheimes hatte Herr
Götz nie vor seiner Frau gehabt.
Aber er ritt allein in den Wald, und letzthin zum Besuch,
sie wußte nicht wo; er saß allein in der Stube, den Kopf im
Arm gestützt, und dachte, sie wußte nicht was. Reiter kamen
und sprachen mit ihm unter vier Augen, und er schickte Kasper
auf Botschaft aus, sie erfuhr nicht wohin.